Kleine Fluchten: Hotel "Kamps" in Keitum

Ausspannen mit Kunst und Kuchen

Nach dem Aufstehen wird das Frühstück im Strandkorb serviert. Mit Rücksicht auf Langschläfer gibt es das bis zwölf Uhr.

Was gibt es Schöneres, als nach einem erholsamen Schlaf ausgeruht am späten Vormittag im Strandkorb zu frühstücken? Dies läßt sich im "Kamps" in Keitum auf Sylt verwirklichen, noch dazu mit frischen Brötchen, selbstgemachten Marmeladen sowie einem köstlichen Joghurt mit Müsli und Früchten. Mit Rücksicht auf Langschläfer bleibt fürs Frühstück bis 12 Uhr gedeckt - Zeit genug also, um die erholsame Seite der Sylter "Champagnerluft" auszukosten. Die sorgt nämlich nicht nur für frischen Wind in der Seele, sondern macht die meisten Nicht-Sylter auch ziemlich müde.

Das Hotel "Kamps" liegt am Dorfrand von Keitum. In dem ehemaligen Hauptort der Insel ist es seit jeher ruhiger als etwa in Westerland mit seiner hektischen Betriebsamkeit oder in dem mondänen Kampen, wo sich mehr die Schicki-Micki-Szene trifft. Der kleine Ort am Ostufer der Insel mit seinem ursprünglich gewachsenen Dorfkern, den vielen alten Reetdachhäusern und der gemütlichen Atmosphäre spricht einen Gast sofort an. Geprägt wurde dieser Ort von den vielen Kapitänen, die sich hier im vorletzten Jahrhundert niederließen.

Das kleine Hotel gehört Cornelia Kamp und wird auch von ihr persönlich geleitet. Sie ist gebürtige Keitumerin, bei dem langgestreckten Reetdachhaus handelt es sich um ihr Elternhaus. Nach dem Abitur und einer Ausbildung zur Buchhändlerin arbeitete sie 14 Jahre lang in der "Galerie Brokstedt" in Hamburg. Die Erfahrungen, die sie hier als Galeristin sammelte, ließen in ihr den Wunsch aufkommen, "in einem kleinen Hotel die Verbindung von Kunst und Tourismus zu verwirklichen". Und dies ist ihr überzeugend gelungen. In dem Hotel, das sie seit 1996 führt, befinden sich vier Doppelzimmer und drei Appartements. Letztere gibt es wahlweise mit einem, zwei oder drei Räumen. Zusätzlich sind sie mit einer Pantryküche ausgestattet und haben eine kleine Terrasse mit dem obligatorischen Strandkorb, in dem es sich gemütlich faulenzen läßt. In den Zimmern erwartet den Gast zur Begrüßung eine große Schale mit frischem Obst. Alle Räume sind liebevoll im modernen Landhausstil eingerichtet. Zwischen mediterranen Farben, Antiquitäten und viel Sonnenlicht fällt es leicht, sich zu entspannen.

In dem Reetdachhaus befindet sich ein öffentliches Cafe, das zu den beliebtesten der Insel zählt, "denn die Leute wissen eben Qualität zu schätzen," wie Cornelia Kamp selbstbewußt sagt. Dort kommt zu Kaffee und Tee ein hervorragender, ausschließlich selbstgebackener Kuchen auf den Teller. Pflaumen- und Apfelkuchen (mit Hefeteig) sind sehr beliebt, schmackhaft ist auch der noch warme Käsekuchen mit einem Hauch von Zitrone. Auch zum Frühstück kommen Gäste, die hier nicht wohnen, in das moderne und helle Cafe.

Die ganze Atmosphäre im "Kamps" ist geprägt von der fröhlichen, humorvollen Art der Gastgeberin. Da die Kunst im Leben von Cornelia Kamp eine so große Rolle spielt, ist sie mittlerweile zum Schwerpunkt des Hotelkonzeptes geworden - denn nach Ansicht der Chefin trägt sie zur Entspannung bei. So werden Maler, Fotografen und Bildhauer in wechselnden Ausstellungen gezeigt. Inzwischen gibt es viele Stammgäste, die Kunst nicht nur ansehen, sondern auch für Zuhause erwerben.

Cornelia Kamp hat dafür eine einleuchtende Erklärung: In dem gemütlichen Cafe falle die Hemmschwelle schneller als in attitüdenhaftem Ambiente. "Man braucht nicht salbungsvoll und intellektuell zu parlieren, wie dies oft in Galerien der Fall ist. Der Kauf eines Kunstwerks fällt dann schon viel leichter", weiß sie aus Erfahrung.

Hin und wieder führt Cornelia Kamp Gäste durch Lesungen zusammen, und der Zuspruch ist enorm. Was kein Wunder ist angesichts so klangvoller Namen wie Roger Willemsen, Michael Altmann (30. April) oder Edgar Bessen. Im Herbst vergangenen Jahres war auch der Nobelpreisträger Günter Grass da, ab 16. Mai dieses Jahres sind seine Zeichnungen zum Thema Hans C. Andersen im "Kamps" zu sehen.

Wer nicht bei einer prominent besetzten Lesung dabei sein kann - das Cafe hat nur 70 Plätze - oder will, sollte wenigstens das Heimatmuseum, die Kirche St. Severin oder das Meerwasser-Schwimmbad besuchen. Folgerichtig rät Frau Kamp, drei Dinge mitzubringen, wenn man Sylt besucht: "Gummistiefel, einen dicken Pullover und Badezeug. Denn Keitum und Umgebung lohnen immer einen Besuch - egal, wie das Wetter gerade ist."

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