Irak soll sich bis Mitte 2004 wieder selbst regieren

Zeitplan: USA legen zum ersten Mal konkrete Termine vor. Die Truppen könnten aber länger im Land bleiben.

Bagdad/Washington. Die USA haben eine Wendepunkt ihrer Irak-Politik eingeleitet und zum ersten Mal konkrete Termine für ein Ende der Besatzung genannt. Angesichts wachsenden Widerstands im Irak soll bereits Mitte nächsten Jahres die politische Souveränität an eine Übergangsregierung übergeben werden. Allgemeine freie Wahlen sollen Ende 2005 stattfinden. Unterdessen sind beim Absturz zweier Kampfhubschrauber im Irak 17 US-Soldaten getötet worden.

Die US-geführte Besatzungsverwaltung im Irak teilte mit, nach dem neuen Fahrplan, der mit dem irakischen Regierungsrat vereinbart wurde, solle bis Ende Juni 2004 eine provisorische Regierung ernannt werden. Diese werde "die volle Souveränität über das Land ausüben". Die Präsenz der US-geführten Streitkräfte sei davon nicht berührt. Ihr Status soll bis März 2004 geregelt werden.

US-Präsident George W. Bush schloss einen vorzeitigen Truppenabzug aus dem Irak erneut aus. In einem BBC-Interview versicherte Bush den Irakern, "dass wir das Land nicht verfrüht verlassen werden". Zuvor hatte Bush den Zeitplan als einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Verwirklichung der Vision "eines Irak als demokratisches, pluralistisches Land im Frieden mit seinen Nachbarn" bezeichnet.

Die Ursache der Hubschrauberabstürze über der Stadt Mossul wird nach US-Militärangaben noch untersucht. Fünf Soldaten hätten die Kollision der beiden Hubschrauber vom Typ "Black Hawk" verletzt überlebt, einer werde noch vermisst. US-Medien hatten unter Berufung auf Offiziere vor Ort berichtet, dass vermutlich einer der Blackhawks beschossen worden sei. Beim Versuch auszuweichen, sei er mit dem über ihm fliegenden Hubschrauber zusammengestoßen. Erst Anfang November war ein US-Transporthubschrauber vom Typ Chinook nahe Falludscha abgeschossen worden; dabei wurden 16 US-Soldaten getötet. Sechs US-Soldaten starben kurz darauf, als ein Blackhawk in Tikrit abgeschossen wurde.

In einem von dem arabischen TV-Sender Al Arabija ausgestrahlten, Saddam Hussein zugeschriebenen Tonband wird zu einem verstärkten Widerstand der Iraker aufgerufen. Die Besatzungstruppen steckten bereits jetzt in einer "Sackgasse".

Bundeskanzler Gerhard Schröder sicherte den USA ungeachtet der deutschen Ablehnung des Irak-Kriegs Solidarität bei der Befriedung des Irak zu.