"Wir sind ziemlich nahe an einem Krieg"

Irak: US-Vizeaußenminister Armitage räumt Probleme ein. Kampfflugzeuge bombardieren vermutete Stellungen von Aufständischen.

Bagdad. Nach der jüngsten Welle von Anschlägen im Irak haben US-Besatzungstruppen am Wochenende Ziele in Tikrit und Falludscha bombardiert. Beide Städte gelten als Hochburgen des anti-amerikanischen Widerstands. US-Vizeaußenminister Richard Armitage räumte ein, die Lage sei "ziemlich nahe an einem Krieg". Insgesamt wurden am Wochenende zwei amerikanische Soldaten getötet und mehrere verletzt. Damit sind in den ersten Novembertagen bereits 36 US-Soldaten bei Kampfhandlungen im Irak getötet worden. Nach einem Angriff von Aufständischen auf eine US-Patrouille in Falludscha griffen US-Kampfflugzeuge Ziele in der westlich von Bagdad gelegenen Kleinstadt an. Nach Angaben des US-Militärs warfen Kampfjets insgesamt drei Bomben auf mutmaßliche Stellungen von Aufständischen ab. Zuvor waren dort zwei US-Soldaten durch einen Sprengsatz getötet und ein weiterer verletzt worden. Seit Kriegsbeginn sind im Irak bis zum Wochenende 391 US-Soldaten getötet worden, davon 253 seit dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai. Großbritannien beklagt 52 getötete Soldaten, Dänemark, Spanien, die Ukraine und Polen meldeten je einen. Bei Tikrit warfen Kampfflugzeuge drei Bomben an jener Stelle ab, wo am Freitag ein US-Militärhubschrauber abgestürzt war. Sechs US-Soldaten waren getötet worden. Zwar dauern die Ermittlungen zur Absturz-Ursache an, doch gehen US-Armeeangehörige inoffiziell von einem Abschuss der Maschine vom Typ "Black Hawk" aus. Offenbar wegen befürchteter Angriffe mit Boden-Luft-Raketen flogen US-Piloten in der Nacht zu gestern erstmals seit Ende der Hauptkampfhandlungen ohne Positionslichter. Bei der US-Militäroperation in Tikrit wurden nach Angaben der Streitkräfte mindestens fünf Aufständische getötet und 16 Iraker festgenommen. Es wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Armitage räumte in Bagdad ein, die US-Truppen seien im Irak "in einen Aufstand verwickelt, und das ist ziemlich nahe an einem Krieg". Er sagte weiter: "Wir haben ein Sicherheitsproblem, aber ich bin zugleich davon überzeugt, dass wir einen sehr handfesten Plan haben, um diese Leute zu kriegen, die uns und die Iraker töten." US-Außenminister Colin Powell betonte, ein Abzug der US-Truppen stehe nicht zur Debatte. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) kündigte wegen der angespannten Sicherheitslage die vorübergehende Schließung seiner Büros in Bagdad und Basra an. Im Nordirak bleibt das IKRK präsent.