SARS: Ruhe in Hamburgs Partnerstadt

Hamburg. Die Lungenseuche SARS trübt Hamburgs Verhältnis zu seiner Partnerstadt Shanghai nicht. "Die Geschäfte laufen weiter wie bisher", sagt Katja Hellkötter (32) im Gespräch mit dem Abendblatt. Die Diplom-Wirtschafts-Sinologin ist Hamburgs Repräsentantin in der chinesischen Metropole. Seit zwei Jahren vertritt sie neben der Stadt in Shanghai die Handelskammer, die Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (HWF), den Hafen Hamburg und die Hamburg Tourismus GmbH. Die Stimmung in Shanghai sei ruhig und gefasst, die Behörden hätten das SARS-Problem im Griff. "Bei einer Umfrage unter rund 400 deutschen Unternehmen in der Stadt haben nur zwei Prozent der Firmen angegeben, dass sie überlegen, ihr Büro wegen SARS zeitweise zu schließen", so Katja Hellkötter, die in Shanghai wegen der ansteckenden Krankheit nur in der U-Bahn einen Mundschutz trägt. "Etwa die Hälfte der Unternehmen meinten, dass sie sich noch nicht entscheiden, sondern die weitere Entwicklung abwarten wollen." Bislang habe es in der Millionenstadt wegen SARS einen Todesfall und sieben Erkrankungen gegeben. Katja Hellkötter vermittelt zwischen Hamburger und chinesischen Firmen, aber auch zwischen Chinas Behörden und der deutschen Wirtschaft. "Oft werde ich auch von den Behörden in Shanghai gefragt, welche deutschen Firmen man bei Ausschreibungen zum Einreichen eines Angebots auffordern kann." Auf diese Weise konnte sich beispielsweise die HHLA-Tochter HPC Hamburg Port Consulting für den Bau eines geplanten Yachthafens bewerben. "Die sind jetzt in der Endausscheidung", so Katja Hellkötter. Bedarf bestehe in Hamburgs Partnerstadt auch - nicht nur wegen SARS - in Bereichen wie Gesundheitsmanagement, Medizintechnik oder berufliche Weiterbildung. "Da stelle ich dann Kontakte zwischen den Behörden und Hamburger Firmen her." Seitens der deutschen Unternehmen, die nach China wollen, suchten in jüngster Zeit neben klassischen Außenhandelsfirmen auch IT-Unternehmen und Medienbetriebe ihre Hilfe. Auch wenn sich chinesische Unternehmen in Hamburg ansiedeln wollen, nennt die 32-Jährige Anlaufstellen und gibt Tipps. "Neben den USA ist Europa der wichtigste Kontinent für China. In Europa ist Deutschland das wichtigste Land, und in Deutschland ist Hamburg die wichtigste Stadt." Tatsächlich gibt es bereits mehr als 250 chinesische Firmen in der Hansestadt, und etwa alle zehn Tage kommt eine neue hinzu. Katja Hellkötter, die fließend chinesisch spricht, wird auch in Zukunft als Hamburgs Brückenkopf zu Shanghai eine Menge zu tun haben.