SARS: Angst und Antworten

Verdachtsfall in Hamburg. China mobilisiert Militärärzte.

Die lebensgefährliche Lungenseuche SARS hat gestern in Hamburg für Aufregung gesorgt: Ein Mädchen wurde mit Fieber ins Bernhard-Nocht-Institut (BNI) eingeliefert. Alicia war kürzlich zu Besuch in China. "Bei dem sechsjährigen Kind gibt es einen klinischen Befund, nach dem die Symptome nicht unbedingt zu SARS passen", so Dr. Barbara Ebert, Wissenschaftsreferentin des BNI. Am Abend gaben die Ärzte Entwarnung. In China hat sich die Lage indessen verschärft. Die Regierung setzte Militärärzte und -krankenschwestern ein. Allen Wanderarbeitern in Peking wurde untersagt, die Hauptstadt zu verlassen. Angesichts ungenügender Kontrollen am Flughafen in Peking könne SARS aber weiterhin leicht nach Europa eingeschleppt werden, warnte gestern der Frankfurter Virologe Wolfgang Preiser, der mit einem Team der Weltgesundheitsorganisation WHO in China war. "Nach meiner Erfahrung, ich bin am Sonnabend aus Peking zurückgeflogen, funktioniert die Kontrolle der Flugreisenden noch nicht oder nur unzureichend. Bis das nicht in Ordnung kommt, werden wir mit Einschleppungen rechnen müssen." Das Lungenvirus ist nach Einschätzung des Marburger Epidemiologen Helmut Uphoff gefährlicher als Grippe, aber deutlich weniger ansteckend. "Wenn SARS so infektiös wäre wie Influenza, hätten wir trotz der Maßnahmen zur Eindämmung schon Hunderttausende bis Millionen von Erkrankten." Der Frankfurter SARS-Spezialist Hans-Reinhard Brodt sprach sich für Mundschutzmasken in Praxen und Kliniken aus. Nach den jüngsten Zahlen der WHO sind in 26 Ländern insgesamt 4836 SARS-Fälle und 293 Tote registriert worden. In Deutschland sind sieben Patienten gemeldet. Vietnam hat die Krankheit inzwischen unter Kontrolle.