17.01.13

Flugzeughersteller

Nach Rekordjahr plant Airbus 3000 neue Stellen

Rund 1000 dieser geplanten Jobs werden in Deutschland entstehen, weitere bei Zulieferern in Aussicht. Keine Häme für Boeing.

Foto: REUTERS
Gunter Butschek (l.), Fabrice Bregier
Airbus-Produktionsvorstand Günter Butschek (l.) und Airbus-Konzernchef Fabrice Brégier (r.) in Toulouse bei der Vorstellung der Zahlen von 2012 und den Plänen für 2013

Hamburg/Toulouse. Der europäische Flugzeugbauer Airbus will im laufenden Jahr rund 3000 neue Mitarbeiter, davon sollen 1000 Arbeitsplätze in Deutschland entsehen, nachdem 2012 bereits 5000 zusätzliche Beschäftigte angeheuert wurden.

Airbus-Produktionsvorstand Günter Butschek machte am Donnerstag in Toulouse aber klar, dass noch zahlreiche Stellen bei Zulieferern oder Dienstleistern hinzukämen. Boeing-Rivale Airbus will in diesem Jahr die Produktion erhöhen und peilt nach 588 Auslieferungen im Jahr 2012 nun mehr als 600 Flugzeugübergaben an Kunden an.

Insgesamt seien 89 Kunden beliefert worden, darunter 17 neue. In den Büchern hat Airbus nun 4682 Bestellungen im Wert von 638 Milliarden US-Dollar (487 Milliarden Euro). Das ist nach eigenen Angaben branchenweiter Rekord. Im Jahr 2011 hatte Airbus laut Konzernchef Fabrice Brégier 534 Modelle abgeliefert.

Die Bundesregierung hatte mehrfach gefordert, dass Deutschland gerecht an der Aufgabenverteilung innerhalb des deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmens EADS, zu dem Airbus gehört, beteiligt sein müsse. Zuletzt forderte Berlin, Deutschland müsse eine Führungsrolle bei der Konstruktion des Nachfolgers des erfolgreichsten Airbus-Modells, des A320, übernehmen. Der Nachfolger steht für 2030 an. Butschek sagte dazu, das Unternehmen sei bereit, über diese Forderung zu sprechen.

Keine Häme für Boeing

Trotz eigener Erfolgsmeldungen und des Desasters beim "Dreamliner" des Rivalen Boeing verzichtet Airbus auf Schadenfreude. Mit Blick auf das Flugverbot für die Konkurrenz hielt sich die Airbus-Spitze am Donnerstag auffällig zurück. "Ich würde nicht auf die Probleme der Konkurrenz wetten, um den eigenen Erfolg zu sichern", sagte Konzernchef Fabrice Brégier in Toulouse.

Brégier zeigte sich sicher: "Boeing wird dieses Problem in den Griff bekommen." Die Flugverbote seien ein Beweis für die hohen Sicherheitsstandards im Luftverkehr.

Für das laufende Jahr zeigte sich Airbus optimistisch: Der Flugzeugbauer rechnet mit Bestellungen für 700 Passagiermaschinen und 30 Militärflugzeugen.

Beim Marktanteil lag der europäische Konzern 2012 allerdings erstmals seit neun Jahren hinter dem US-Rivalen Boeing. Für die verkauften Flugzeuge errechnete Verkaufschef John Leahy einen Airbus-Anteil von 41 Prozent in 2012.

Für seine Flotte hat Airbus in Toulouse auch eine neue Preisliste bekanntgegeben. Die Flugzeuge kosten im Januar 2013 gegenüber dem Vorjahresmonat 3,6 Prozent mehr. Für das Flaggschiff A380 müssen Kunden künftig einen Listenpreis von 403,9 Millionen US-Dollar (304,2 Millionen Euro) hinblättern. Allerdings sind in der Branche satte Abschläge üblich, bei Großaufträgen auch 50 Prozent und mehr.

Grundlage des Erfolgs bleibt die A320-Klasse. Von den nach der Gangzahl benannten Single-Aisle-Flugzeugen lieferte Airbus 455 Maschinen aus. Im Rekordjahr 2011 waren es 421 Flugzeuge. In diesem Markt sieht sich Airbus deutlich vor der Konkurrenz, bei den Bestellungen insgesamt mit 62 Prozent der neuen A320neo vor 38 Prozent für die 737 MAX von Boeing.

Bei der A380 schaffte Airbus das eigene Ziel von 30 ausgelieferten Flugzeugen, vier mehr als im Vorjahr. Allerdings gab es nach den Haarrissen in den Tragflächen, fälligen Reparaturen und damit verbundenem Imageschaden nur neun neue Bestellungen. Diese Probleme sind laut Brégier nun überwunden. Von 2014 an will Airbus jährlich 60 dieser Flugzeuge mit zwei Passagierdecks an die Kunden ausliefern.

Die Entwicklung der neuen A350 sieht Brégier auf gutem Weg. Nach den anfänglichen Verzögerungen sei der erste Flug weiterhin für Mitte des Jahres geplant. Konsequenzen aus den Problemen der "Dreamliner" von Boeing für die Mittelklasse-Flugzeuge von Airbus sieht Brégier zunächst nicht. So habe die A350 von Airbus gegenüber der 787 von Boeing eine komplett andere Architektur der Flugzeugelektrik.

Im Militärbereich soll die A400M nach zahlreichen Verzögerungen nun im ersten Quartal dieses Jahres ihre Zulassung bekommen. Die erste Auslieferung an die französische Armee plant Brégier für das zweite Quartal.

Auch bei der Mitarbeiterzahl setzt der Konzernchef auf eine kontinuierliche Entwicklung. An den Standorten in Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien arbeiten insgesamt jetzt 59.000 Menschen für den Konzern.

Die Aktie des Airbus-Mutterkonzerns EADS reagierte mit einem Kurssprung auf die Nachrichten. Im Tagesverlauf legte das Papier um 4,18 Prozent auf 33,79 Euro zu.

Die Pannenserie beim Boeing 787 "Dreamliner"

Boeings Langstreckenjet 787 ist das Prestigeprojekt des US-Konzerns.

Doch der Dreamliner hatte schon in der Entwicklungsphase mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, so dass sich die Auslieferung der ersten Maschinen um dreieinhalb Jahre verzögerte.

In den vergangenen Monaten warf eine Pannenserie immer neue Fragen zur Sicherheit auf. Es folgt eine Liste der Zwischenfälle beim Airbus -Konkurrenten:

Juli 2012: Bei einem Test einer 787-Maschine in South Carolina wird ein von General Electric hergestelltes Triebwerk bei einem Ausfall teilweise zerstört. GE leitet eine Überprüfung der Turbinen in die Wege.

4. Dezember 2012: Eine United Airlines -787 mit 184 Menschen an Bord muss in New Orleans wegen Problemen mit der Elektrik notlanden.

5. Dezember 2012: Die US-Behörden ordnen wegen möglicher Lecks in den Treibstoffleitungen die Inspektion der Langstreckenflugzeuge an.

Dezember 2013: Die arabische Qatar Airways und die US-Gesellschaft United entdecken erneut Probleme mit der Elektrik.

7. Januar 2013: Am Bostoner Flughafen bricht nach einer Batterie-Explosion ein Brand in einer geparkten 787 von Japan Airlines (JAL) aus.

8. Januar 2013: Eine weitere 787 von Japan Airlines muss wegen eines Lecks am Treibstofftank in Boston den Start abbrechen.

9. Januar 2013: All Nippon Airways (ANA) streicht einen Flug mit dem Dreamliner wegen Problemen mit den Bremsen.

11. Januar 2013: ANA meldet neue Probleme bei zwei 787-Maschinen. Einen Riss im Cockpit-Fenster sowie ein Ölleck im Triebwerk. Die US-Luftfahrtbehörde FAA leitet eine umfassende Untersuchung ein.

15. Januar 2013: Eine 787-Maschine der ANA muss in Japan wegen Rauchentwicklung im Cockpit notlanden. ANA und JAL entscheiden, vorerst alle Dreamliner am Boden zu lassen und zu überprüfen.

16. Januar 2013: Die US-Luftfahrtbehörde FAA ordnet an, alle 787-Maschinen am Boden zu halten.

17. Januar 2013: Europa, Japan und Indien schließen sich der FAA an: Nun müssen die meisten bisher ausgelieferten 787-Maschinen am Boden bleiben.

17. Januar 2013: Als erste Fluggesellschaft prüft die staatliche polnische Fluggesellschaft LOT Schadensersatzforderungen wegen der Pannen. (rtr)

Bisherige und künftige EADS-Eigentümerstruktur

Bei den Anteilseignern des führenden europäischen Flugzeugbau-, Raumfahrt- und Rüstungsunternehmens EADS dominieren bisher Deutsche und Franzosen.

Das soll sich mit der Einigung auf eine Neuordnung der Machtverhältnisse künftig ändern.

Nach der geplanten "Normalisierung und Vereinfachung" soll der Streubesitz an der Airbus-Mutter deutlich steigen – von bislang gut 49 auf mehr als 70 Prozent. Außerdem: Der Bund wird direkt Aktionär bei EADS.

Die Nachrichtenagentur dpa zeigt, wie sich die Anteile bislang verteilen – und wie die Verteilung des Aktienbesitzes künftig aussehen soll:

Die deutsche Seite:

Bisher vertritt Daimler die deutsche Seite im Aktionärskreis und steht für einen Kapitalanteil von 22,35 Prozent. Selbst halten die Stuttgarter noch 15 Prozent Kapitalanteile.

An Stimmrechten vertritt Daimler noch 22,45 Prozent, einschließlich der Dedalus-Gruppe. Diese hält den Rest der deutschen Seite. Dahinter stehen private Investoren wie Banken und Versicherungen.

Auch mehrere Landesbanken sind dabei sowie die staatliche Förderbank KfW.

Künftig wird Deutschland mit 12 Prozent – und damit in gleicher Höhe wie Frankreich – an EADS beteiligt sein. Daimler wird seinen Anteil "weitgehend reduzieren". 

Die französische Seite:

Bisher hält die französische Dachgesellschaft Sogeade 22,35 Prozent der Aktien und vertritt die gesamte französische Seite, bestehend aus den Anteilen des Staates (15 Prozent) sowie der Lagardère-Gruppe, die auch knapp 7,5 Prozent hält. 

Künftig wird der französische Staat – ebenso wie Deutschland – mit 12 Prozent beteiligt sein. Lagardère wird seinen Anteil ebenso wie Daimler "weitgehend reduzieren". 

Andere Aktionäre:

Spanien: Die spanische Staatsholding Sepi hält 5,45 Prozent. Künftig wird Spanien 4 Prozent halten.

Freie Aktionäre: Die restlichen Anteile von rund 49,4 Prozent befinden sich bisher überwiegend in Streubesitz, dabei sind institutionelle Investoren, private Anleger und andere.

Der Anteil der freien Aktionäre soll am Ende der Neuordnung, zu der auch ein Rückkauf von 15 Prozent der Aktien durch EADS gehört, auf mehr als 70 Prozent steigen. (dpa)

EADS-Konzern im Überblick
EADS – Europäischer Konzern mit Dominanz im Flugzeugbau:
Die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens.
Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.
Die bekannteste und bedeutendste Tochter der börsennotierten Aktiengesellschaft mit ihren rund 133 000 Mitarbeitern ist der Flugzeughersteller Airbus.
Daneben fertigt EADS auch Propellermaschinen (ATR), Hubschrauber (Eurocopter), Kampfflugzeuge (Eurofighter), Militärtransporter (A400M), Satelliten (Astrium), Lenkwaffen (MBDA), Computer-Sicherheitstechnik und Verteidigungselektronik, aber auch Trägerraketen (Ariane) oder Atomgeschosse.
2011 wuchs der Umsatz um sieben Prozent auf 49,1 Milliarden Euro, der Überschuss sogar um 87 Prozent auf gut eine Milliarde Euro.
Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen.
Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt die französische Seite nach EADS-Angaben auf rund 22,4 Prozent.
Mit rund 22,4 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt.
Bisher hielt DaimlerChrysler rund 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken rund 7,5 Prozent.
Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss sämtliche Stimmrechte der deutschen Seite.
Daimler will sich von 7,5 Prozent trennen, die staatlich kontrollierte KfW Bankengruppe soll neuer Eigentümer werden, um das deutsch-französische Gleichgewicht bei den Anteilen zu wahren.
Weitere rund 5,4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, 49,3 Prozent sind in Streubesitz.
EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam. In Paris und München sind bisher die beiden Hauptzentren des Konzerns.
Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt.
In Hamburg ist die deutsche Airbus-Tochter beheimatet, die für die deutschen Werke zuständig ist. (dpa)
(dapd/dapd/abendblatt.de)
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