03.12.12

Raumfahrt- und Rüstungskonzern

Berlin will schnelle Einigung über neue EADS-Struktur

Deutschland, Frankreich und Spanien und EADS streben neue Aktionärsstruktur an. Staaten sollen Anteile auf 30 Prozent reduzieren.

Foto: dapd
EADS-Logo
Die größten EADS-Anteilseigner verhandeln über eine Neuordnung der Aktionärsstruktur

Berlin. Beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS steht mit Deutschland ein dritter staatlicher Großaktionär vor der Tür. EADS bestätigte am Montag Gespräche, in denen "Hauptaktionäre mögliche Veränderungen der Aktionärsstruktur" diskutierten. Das Unternehmen beteilige sich aktiv daran.

Dabei drängt die Bundesregierung auf schnelle Vereinbarungen in den Verhandlungen über eine neue Aktionärsstruktur beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS . "Angestrebt wird, schnellstmöglich zu einer Einigung zu kommen", sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums am Montag.

In den Diskussionen über einen neuen Aktionärspakt zeichnet sich eine Lösung ab, nach der der deutsche und der französische Staat auf je zwölf Prozent der Anteile kommen würden. Spanien soll dann vier Prozent halten. Eine Einigung gelang den Beteiligten in Verhandlungen über das Wochenende in Paris zwar nicht, doch kam man sich sehr nahe, wie aus dem Umkreis des Gespräche verlautete. Eine Einigung noch in dieser Woche wird für möglich gehalten.

Die Bundesregierung bestätigte die Gespräche, die am Sonnabend angelaufen seien. "Das Ergebnis ist noch offen", sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums am Montag. Er nährte aber die Hoffnung auf eine schnelle Verständigung: "Angestrebt wird, schnellstmöglich zu einer Einigung zu kommen."

Nach dem Plan würden die drei Staaten auf zusammen 28 Prozent am Mutterkonzern des Flugzeugbauers Airbus kommen. Sie hätten damit noch einen Puffer – etwa für Käufe weiterer kleiner Pakete – bis zur Schwelle von 30 Prozent, ab der sie den übrigen EADS-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten müssten. Damit würden sie der EADS auch Spielraum für einen Aktienrückkauf geben, etwa um Anteile der verkaufswilligen industriellen EADS-Aktionäre Daimler und Lagardere zu erwerben und sie nachher einzuziehen.

Die neue Anteilsstruktur ist aber politisch hochsensibel. Der französische Staat, der derzeit mit 15 Prozent an EADS beteiligt ist und daran ursprünglich festhalten wollte, müsste drei Prozent abgeben oder auf deren Stimmrechte verzichten. Im Gespräch ist eine Stiftung in den Niederlanden, dem Sitz von EADS. Nur so ließe sich die deutsch-französische Balance bei je zwölf Prozent herstellen. Deutschland müsste vom deutschen EADS-Großaktionär Daimler und der Investorengruppe Dedalus über die Staatsbank KfW ein EADS-Aktienpaket kaufen.

Das gilt in Verhandlungskreisen – sofern die Einigung über den neuen Aktionärspakt gelingt – als kein großes Problem mehr. Die Gespräche mit Dedalus sind offenbar weit fortgeschritten. Die KfW hat bei der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde bereits eine Aufstockung bei Dedalus auf 65 Prozent angemeldet. Damit käme sie auf 5,8 Prozent an der EADS. Dabei sollen nur die Bundesländer mit EADS-Standorten und deren Staatsbanken in der Dedalus-Struktur verbleiben, so Kreise. Die Mehrheit an Dedalus liegt bei privaten Banken, die ihre Beteiligung loswerden wollen. Die Stimmrechte für die Dedalus-Aktien hat weiterhin Daimler.

Spanien schließlich müsste seine Beteiligung von 5,5 Prozent auf vier Prozent reduzieren. Im bisherigen Aktionärspakt haben Frankreich sowie Daimler und Lagardere ihre Interessen gebündelt. Zusammen mit Spanien kommen sie auf knapp über 50 Prozent an der EADS, üben also bestimmenden Einfluss auf den Konzern aus. Einen so starken Einfluss gäbe es künftig mit den drei staatlichen Aktionäre nicht mehr. Da an Hauptversammlungen meist nur ein Teil der Aktionäre teilnimmt, könnten sie aber wohl weiterhin wichtige Entscheidungen durchdrücken oder blockieren.

Eine außerordentliche Hauptversammlung im Frühjahr soll den neuen Aktionärspakt nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" absegnen. Die Zeitung berichtete auch von Plänen, die Stimmrechte an EADS auf 15 Prozent zu begrenzen, egal wie viele Aktien ein Investor besitzt. Frankreich und Deutschland sollen je zwei Vertreter in den Verwaltungsrat entsenden, Spanien einen.

EADS-Konzern im Überblick
EADS – Europäischer Konzern mit Dominanz im Flugzeugbau:
Die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens.
Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.
Die bekannteste und bedeutendste Tochter der börsennotierten Aktiengesellschaft mit ihren rund 133 000 Mitarbeitern ist der Flugzeughersteller Airbus.
Daneben fertigt EADS auch Propellermaschinen (ATR), Hubschrauber (Eurocopter), Kampfflugzeuge (Eurofighter), Militärtransporter (A400M), Satelliten (Astrium), Lenkwaffen (MBDA), Computer-Sicherheitstechnik und Verteidigungselektronik, aber auch Trägerraketen (Ariane) oder Atomgeschosse.
2011 wuchs der Umsatz um sieben Prozent auf 49,1 Milliarden Euro, der Überschuss sogar um 87 Prozent auf gut eine Milliarde Euro.
Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen.
Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt die französische Seite nach EADS-Angaben auf rund 22,4 Prozent.
Mit rund 22,4 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt.
Bisher hielt DaimlerChrysler rund 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken rund 7,5 Prozent.
Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss sämtliche Stimmrechte der deutschen Seite.
Daimler will sich von 7,5 Prozent trennen, die staatlich kontrollierte KfW Bankengruppe soll neuer Eigentümer werden, um das deutsch-französische Gleichgewicht bei den Anteilen zu wahren.
Weitere rund 5,4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, 49,3 Prozent sind in Streubesitz.
EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam. In Paris und München sind bisher die beiden Hauptzentren des Konzerns.
Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt.
In Hamburg ist die deutsche Airbus-Tochter beheimatet, die für die deutschen Werke zuständig ist. (dpa)
EADS: Der Luft- und Raumfahrtkonzern in Zahlen
Kerndaten des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS aus dem Jahr 2011 (Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Klammern):
Umsatz: 49,1 Milliarden Euro (+ 7 Prozent)
Nettogewinn: 1,03 Milliarden Euro (+ 87 Prozent)
Mitarbeiter: 133.115 (+ 9 Prozent)
Dividende: 45 Cent pro Aktie (+ 100 Prozent)
Auftragseingang: 131 Milliarden Euro (+ 58 Prozent)
Vorstandsvorsitzender: Louis Gallois (bis Juni, danach: Thomas Enders)
(rtr/dpa/abendblatt.de)
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