06.12.12

Fragen & Antworten

Daimler und EADS: Was hat der Autobauer mit Flugzeugen zutun?

Der Autohersteller wird mit der Eigentümerneuverteilung eine Altlast los und kann sich weiter aus der Luftfahrtbranche zurückziehen.

Von Antonia Lange
Foto: dapd
Eurofighter
Daimler will sich aus der Luftfahrtbranche zurückziehen

Stuttgart. Daimler hat die Hälfte seiner Anteile am Luftfahrtriesen EADS abgegeben – und wird damit einen langjährigen Klotz am Bein los. Dieser Klotz hat bei dem Autobauer allerdings eine besondere Geschichte: Der Anteilsverkauf, der noch weitergehen soll, ist einer der letzten Meilensteine von Daimlers Rückzug aus der Luftfahrtbranche.

Was hat Daimler mit Flugzeugen zu tun?

Heutzutage ist Daimler vor allem für seine Autos bekannt. Es gab aber eine Zeit, da hatte der Konzern sogar eine eigene Luft- und Raumfahrttochter. Ende der 1980er Jahre hatte das Unternehmen unter der Regie von Edzard Reuter die Vision, ein breit angelegter Technologiekonzern zu werden. In diesem Zuge entstand 1989 die DASA - und wurde zum größten deutschen Luft- und Raumfahrtkonzern.

Warum macht Daimler jetzt nicht mehr in Flugzeugen?

Die Flugzeuge machten Daimler nicht immer Freude: Die Tochter belastete den Konzern (erst Daimler-Benz, später DaimlerChrysler, schließlich nur noch Daimler) Mitte der 1990er Jahre mit einem Milliardenverlust. "Cash cow" blieb die Autosparte des Unternehmens. Sie war es auch, die der Flugzeug-Schwester zeitweise mit ihrem Gewinn unter die Arme greifen musste. Zur wirtschaftlichen Katastrophe wurde schließlich der Einstieg beim niederländischen Regionalflugzeugbauer Fokker, der 1996 in den Konkurs stürzte.

Was hat das alles mit EADS zutun?

Daimler hat EADS mitgegründet. Der europäische Luftfahrtriese entstand im Jahr 2000 – in der Ära von Reuters Nachfolger Jürgen Schrempp – aus der Fusion der Daimler-Luftfahrttochter DASA mit Frankreichs größtem Luft- und Raumfahrtkonzern Aerospatiale Matra sowie dem spanischen Branchenführer Casa. Aus dieser Zeit stammen Daimlers EADS-Anteile, die der Autobauer nun so dringend loswerden wollte.

Warum wollte Daimler die EADS-Anteile abgeben?

Daimler hatte unter seinem aktuellen Chef Dieter Zetsche zuletzt stets betont, sich wieder auf das Kerngeschäft mit Autos konzentrieren zu wollen. Die Beteiligung an dem Airbus-Mutterkonzern wurde dabei zur Belastung. Der lang angestrebte Verkauf der Hälfte der EADS-Anteile – ein Paket von 7,5 Prozent – spülte nun fast 1,7 Milliarden Euro in die Kasse des Autobauers. Das Geld kann Daimler nun ins Automobilgeschäft stecken.

Wieso hat der Verkauf so lange gedauert?

Grund ist die komplizierte Struktur der EADS-Anteilseigner, denn beim Luftfahrtriesen herrscht Parität zwischen Deutschland und Frankreich. Die Verteilung ist ein Politikum, weil EADS auch in der Rüstungsindustrie aktiv ist. Hätte Daimler seine Anteile am freien Markt verkauft, hätte das sorgfältig austarierte Gleichgewicht der Länder ins Wanken geraten können – weswegen ein freier Verkauf im Aktionärspakt als Tabu galt. Das machte den Umbau der Eigentümerstruktur bei EADS so kompliziert. Zugleich hatte der Autobauer stets betont, sich als Gründungsmitglied besonders verantwortlich für die Zukunft von EADS zu fühlen.

Was passiert mit der anderen Hälfte von Daimlers Anteilen?

Nach dem Verkauf hält der Autobauer noch immer 7,5 Prozent der EADS-Aktien. Bei der Frage, wie es damit weitergehen soll, halten sich die Stuttgarter aber noch bedeckt. "Grundsätzlich beabsichtigen wir, unseren Anteil noch weiter zu verringern", erklärte Finanzvorstand Bodo Uebber. "Über den genauen Zeitpunkt und Vorgehensweise werden wir noch entscheiden." In der EADS-Mitteilung heißt es indes, dass Daimler seine Beteiligung "weitgehend reduzieren" werde – ebenso wie der private französische Miteigner Lagardère.

Bisherige und künftige EADS-Eigentümerstruktur

Bei den Anteilseignern des führenden europäischen Flugzeugbau-, Raumfahrt- und Rüstungsunternehmens EADS dominieren bisher Deutsche und Franzosen.

Das soll sich mit der Einigung auf eine Neuordnung der Machtverhältnisse künftig ändern.

Nach der geplanten "Normalisierung und Vereinfachung" soll der Streubesitz an der Airbus-Mutter deutlich steigen – von bislang gut 49 auf mehr als 70 Prozent. Außerdem: Der Bund wird direkt Aktionär bei EADS.

Die Nachrichtenagentur dpa zeigt, wie sich die Anteile bislang verteilen – und wie die Verteilung des Aktienbesitzes künftig aussehen soll:

Die deutsche Seite:

Bisher vertritt Daimler die deutsche Seite im Aktionärskreis und steht für einen Kapitalanteil von 22,35 Prozent. Selbst halten die Stuttgarter noch 15 Prozent Kapitalanteile.

An Stimmrechten vertritt Daimler noch 22,45 Prozent, einschließlich der Dedalus-Gruppe. Diese hält den Rest der deutschen Seite. Dahinter stehen private Investoren wie Banken und Versicherungen.

Auch mehrere Landesbanken sind dabei sowie die staatliche Förderbank KfW.

Künftig wird Deutschland mit 12 Prozent – und damit in gleicher Höhe wie Frankreich – an EADS beteiligt sein. Daimler wird seinen Anteil "weitgehend reduzieren". 

Die französische Seite:

Bisher hält die französische Dachgesellschaft Sogeade 22,35 Prozent der Aktien und vertritt die gesamte französische Seite, bestehend aus den Anteilen des Staates (15 Prozent) sowie der Lagardère-Gruppe, die auch knapp 7,5 Prozent hält. 

Künftig wird der französische Staat – ebenso wie Deutschland – mit 12 Prozent beteiligt sein. Lagardère wird seinen Anteil ebenso wie Daimler "weitgehend reduzieren". 

Andere Aktionäre:

Spanien: Die spanische Staatsholding Sepi hält 5,45 Prozent. Künftig wird Spanien 4 Prozent halten.

Freie Aktionäre: Die restlichen Anteile von rund 49,4 Prozent befinden sich bisher überwiegend in Streubesitz, dabei sind institutionelle Investoren, private Anleger und andere.

Der Anteil der freien Aktionäre soll am Ende der Neuordnung, zu der auch ein Rückkauf von 15 Prozent der Aktien durch EADS gehört, auf mehr als 70 Prozent steigen. (dpa)

EADS-Konzern im Überblick
EADS – Europäischer Konzern mit Dominanz im Flugzeugbau:
Die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens.
Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.
Die bekannteste und bedeutendste Tochter der börsennotierten Aktiengesellschaft mit ihren rund 133 000 Mitarbeitern ist der Flugzeughersteller Airbus.
Daneben fertigt EADS auch Propellermaschinen (ATR), Hubschrauber (Eurocopter), Kampfflugzeuge (Eurofighter), Militärtransporter (A400M), Satelliten (Astrium), Lenkwaffen (MBDA), Computer-Sicherheitstechnik und Verteidigungselektronik, aber auch Trägerraketen (Ariane) oder Atomgeschosse.
2011 wuchs der Umsatz um sieben Prozent auf 49,1 Milliarden Euro, der Überschuss sogar um 87 Prozent auf gut eine Milliarde Euro.
Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen.
Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt die französische Seite nach EADS-Angaben auf rund 22,4 Prozent.
Mit rund 22,4 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt.
Bisher hielt DaimlerChrysler rund 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken rund 7,5 Prozent.
Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss sämtliche Stimmrechte der deutschen Seite.
Daimler will sich von 7,5 Prozent trennen, die staatlich kontrollierte KfW Bankengruppe soll neuer Eigentümer werden, um das deutsch-französische Gleichgewicht bei den Anteilen zu wahren.
Weitere rund 5,4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, 49,3 Prozent sind in Streubesitz.
EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam. In Paris und München sind bisher die beiden Hauptzentren des Konzerns.
Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt.
In Hamburg ist die deutsche Airbus-Tochter beheimatet, die für die deutschen Werke zuständig ist. (dpa)
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