03.12.12

Raumfahrt- und Rüstungskonzern Deutschland und Frankreich vor Einigung über EADS-Pakt

EADS bestaetigt Gespraeche ueber neue Aktionaersstruktur

Foto: dapd

Nachdem die vom Konzern gewollte Fusion mit BAE Systems an der Politik scheiterte, ringen Frankreich und Deutschland um ihren Einfluss.

München/Paris/Lyon. Deutschland und Frankreich stehen kurz vor einer Verständigung über ihren künftigen Einfluss auf Europas größten Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. "Eine Einigung ist nah", sagte am Montag Frankreichs Präsident François Hollande. Der geplante Einstieg des deutschen Staates werde einen neuen Aktionärspakt zufolge haben. Dieser solle dem Unternehmen Sicherheit für die Zukunft geben.

Unterdessen werden bereits Nägel mit Köpfen gemacht: Die staatliche KfW Bankengruppe will ein Teil der beim Dedalus-Konsortium geparkten Aktien von EADS übernehmen, wie durch eine Pflichtveröffentlichung in Österreich bekannt wurde. Das französische Online-Portal "La Tribune" berichtete, dass eine Einigung spätestens am Dienstagvormittag zu erwarten sei.

EADS selbst bestätigte am Montag angesichts vieler Gerüchte um die künftige Aktionärsstruktur des Airbus-Mutterkonzerns, dass die Großaktionäre über eine Neuordnung der Eigentümerstruktur verhandeln. Die EADS-Führung sei an diesen Gesprächen aktiv beteiligt, heißt es in der Mitteilung. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte dem "Handelsblatt": "Bei EADS geht es darum, die Balance zwischen Deutschland und Frankreich zu sichern."

Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge wollen die an dem Konzern direkt oder indirekt beteiligten Staaten – Frankreich, Deutschland und Spanien – ihren Anteil auf insgesamt knapp 30 Prozent reduzieren. Frankreich setze dabei weiter auf seinen staatlichen Anteil, sagte Rösler. Er liegt bislang bei knapp 15 Prozent bei der Staatsholding Sogepa. "Aus nachvollziehbaren Gründen kommt deshalb ein einseitiger Verzicht Deutschlands nicht in Betracht. Ein solcher Schritt ginge zu Lasten unserer Interessen", betonte Rösler.

Die französische und die deutsche Seite halten bei gleichgewichtiger Verteilung zusammen derzeit fast 45 Prozent.

Für die deutsche Seite vertritt der Autokonzern Daimler die Interessen bei EADS und kann auf gut 22 Prozent der Anteile stimmrechtsmäßig Einfluss nehmen. Der eigentliche Anteil von Daimler an EADS, der noch bei rund 15 Prozent liegt, soll, wie der Konzern schon seit langem angekündigt hat, weiter schrumpfen – 7,5 Prozent waren bereits schon früher bei einem Konsortium aus im Kern öffentlichen und privaten Banken geparkt und in der Dedalus-Holding gebündelt worden.

Die staatliche KfW Bankengruppe will ein Großteil der bei diesem Konsortium geparkten Aktien von EADS übernehmen. Bereits am vergangenen Freitag (30.11.) hatte die KfW bei der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde BWB angemeldet, indirekt 4,8 Prozent der Anteile an EADS erwerben zu wollen. Dafür kaufe die KfW 65 Prozent der Anteile an der Holdinggesellschaft Dedalus GmbH & Co KGaA.

Da die KfW indirekt bereits mit einem Prozent an EADS beteiligt sei, werde die KfW dann insgesamt indirekt 5,8 Prozent an EADS halten, wie aus der kartellrechtlichen Mitteilung hervorgeht. "Es trifft zu, dass die Anmeldung bei dem Kartellamt erfolgt ist", hieß es von der KfW am Montag auf Anfrage in Frankfurt. Der Anteilskauf wird als ein wichtiger Schritt im Bestreben um eine Lösung gesehen.

Rösler sagte dem "Handelsblatt" weiter, die Bundesregierung habe abwägen müssen, wie die Balance zu halten ist. "Denn die französische Regierung hat letztlich nicht ausgeschlossen, dass sie von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch macht, wenn Daimler seinen Anteil verkauft", sagte der Minister. Daher habe man entschieden, "die Augenhöhe mit unseren französischen Partnern sicherzustellen." Grundsätzlich halte er es aber für besser, wenn der Staatseinfluss sinken würde.

Ein Sprecher Röslers sagte, die großen Anteilseigner befänden sich seit Samstagmorgen in intensiven Gesprächen. Zum Stand könne aber nichts gesagt werden, das Ergebnis sei noch offen. "Angestrebt wird, schnellstmöglich zu einer Einigung zu kommen." Laut "Financial Times Deutschland" (Montag) soll auch EADS selbst mit milliardenschweren Aktienrückkäufen in die Neuordnung eingreifen wollen.