Ernst Barlach Haus: Outsider Art aus der Sammlung Dammann

Wahnsinn sammeln

Eine Ausstellung mit 70 Gemälden, teils großformatigen Papierarbeiten und kleineren Installationen

Diese Arbeiten faszinieren den Betrachter - oder sie stoßen ihn ab. Selten lassen sie ihn gleichgültig. Das Ehepaar Karin und Gerhard Dammann sammelt seit Jahren eigenwillige Werke von Künstlern mit Psychiatrieerfahrung. Rund 70 Gemälde, Papierarbeiten und Installationen, vorwiegend aus den vergangenen 30 Jahren, zeigt das Ernst Barlach Haus ab Januar in seiner Ausstellung "Wahnsinn Sammeln. Outsider Art aus der Sammlung Damann".

Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg, wo die Schau bereits zu sehen war. Das der psychiatrischen Universitätsklinik angegliederte, im Jahre 2001 eröffnete Museum trägt den Namen des Kunsthistorikers und Mediziners Hans Prinzhorn (1886-1933), der um 1920 die Werke "Geisteskranker" zur "Kunst" erklärte.

Diese Kooperation gab für Dr. Sebastin Giesen, Leiter des Ernst Barlach Hauses, den Ausschlag, diese Ausstellung zu zeigen. "Ich interessierte mich schon immer für diese Kunst, war mir aber unsicher, wie wir damit umgehen sollen. Wir müssen auch den medizinisch-therapeutischen Aspekt erläutern; die Sammlung Prinzhorn ist eine Einrichtung mit dem richtigen fachlichen Hintergrund." Heute widmen sich mehr und mehr Sammler der "Art Brut" und "Outsider Art". Der Begriff "Art Brut" geht zurück auf den französischen Künstler Jean Dubuffet (1901-1985), der darunter Kunst zusammenfasste, die spontan und unreflektiert entsteht, zum Beispiel von Geisteskranken und Amateuren. Die englische Übersetzung "Outsider Art" hat sich inzwischen verselbständigt, fließend sind die Grenzen zu naiver Kunst und Volkskunst.

Im Mittelpunkt der Schau stehen Arbeiten aus zwei bekannten Ateliers, die, beide angeschlossen an Psychiatrien, die originäre Kreativität fördern: "La Tinaia" in Florenz und das "Haus der Künstler" in Gugging nahe Wien. Zu sehen sind unter anderem Werke der Italiener Giordano Gelli, Franca Settembrini und Francesco Molese. Ein Video gibt außerdem Einblick in die Arbeit im Atelier "La Tinaia" in den 80er-Jahren. In Gugging entstanden die Bilder von Johann Hauser, Oswald Tschirtner und August Walla.

Die Ausstellung widmet sich aber auch den Sammlern und ihren Motiven. Was treibt das Ehepaar an, das mit seinen vier kleinen Töchtern in Basel lebt? "Was uns interessiert, sind die Biografien der Künstler, warum malen sie, wie kommen sie an Materialien. Dass sie trotz schwerster Krankheit kreativ sein können, das finde ich faszinierend", sagt Karin Dammann. "Jagen und Erwerben gehören zum Sammeln", erläutert der Psychiater und Psychotherapeut Gerhard Dammann, "doch wer nur diese Aspekte im Auge hat, entspricht einem narzisstischen Typus. Der wird auf Dauer nicht glücklich. Natürlich ist es ein wichtiger Anreiz, anderen zuvorzukommen. Aber dann ist da auch das Besitzen, mit den Werken zu leben, eine Beziehung aufzubauen, eine Geschichte zu entwickeln. Auch Lebensgeschichten und Schicksale, die hinter den Werken stehen, sind wichtig."

  • Ernst Barlach Haus , Baron-Voght-Straße 50 a, 21.1.-22.4.07, di-so 11-18 Uhr, öffentliche, kostenlose Führung so, 11Uhr, Katalogbuch 24 Euro. In der Reihe "Klang & Form" lädt das Ernst Barlach Haus am 28.1. zu Werken für Violine und Klavier von Karol Rathaus, Erwin Schulhof und Wilhelm Grosz mit Studierenden der Klasse von Prof. Christoph Schickedanz ein, am 25.2. zu Texten aus dem Barock mit Schauspielstudenten der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, jew. 18 Uhr, Karten Tel. 82 60 85.