Evolution: Die Theorie besagt: Die Arten entstehen langsam durch immer neue Veränderungen. Doch diese Erkenntnis schuf schlagartig ein völlig neues Bild vom Menschen und von der Natur

Darwin wirkt bis in unsere Zeit - auch 200 Jahre nach seiner Geburt

Als Darwin nach seiner Weltreise Anfang Oktober 1836 wieder britischen Boden betrat, war er wie verwandelt. Er sah die Welt mit anderen Augen. Mit seiner Theorie revolutionierte er die Biologie. Eine erstaunliche Leistung. Denn ihm fehlten nach heutigen Maßstäben viele wichtige Erkenntnisse. Und er verfügte nicht über moderne Instrumente, die uns heute die Evolution besser nachvollziehen lassen.

Charles Robert Darwin wurde am 12. Februar 1809 auf dem in Shrewsbury gelegenen Anwesen Mount House geboren. Er war das fünfte von sechs Kindern. Seine Mutter Susanna Wedgwood war die Tochter des berühmten Porzellanfabrikanten Josiah Wedgwood, sein Vater Robert Darwin war ein erfolgreicher und beliebter Arzt, der arme Patienten auch ohne Entgelt behandelte. Darwins Familie war liberal eingestellt. So lehnten schon Darwins Großväter Josiah Wedgwood und der Arzt und Naturforscher Erasmus Darwin, die Sklaverei ab, ihre Haltung gegenüber der Krone und der Amtskirche war kritisch, die Ziele der Französischen Revolution und das Streben der amerikanischen Kolonien nach Unabhängigkeit sahen sie positiv.

Und bereits Großvater Darwin verfasste ein zweibändiges Werk über die Evolution. Darin vertrat er die Auffassung, dass die Arten durch die Selbstregulationskräfte der Natur entstanden sind. Das Buch landete auf dem Index, dem Verzeichnis der verbotenen Bücher. Es gab also schon einen Streit um darwinsche Theorien, bevor Charles Darwin überhaupt geboren wurde. Von seiner Mutter soll Darwin die Liebe zur Natur vermittelt bekommen haben.

Darwin studierte zunächst einmal aus Familientradition Medizin an der Universität Edinburgh. Doch er konnte Operationen, damals noch ohne Narkose, und den Vorlesungen nichts abgewinnen. Als sein Vater merkte, dass sein Sohn nicht mit dem nötigen Ehrgeiz bei der Sache war, riet er ihm, ein Theologiestudium in Cambridge zu beginnen, um Landpfarrer zu werden. Darwin soll diesem Vorschlag gern gefolgt sein. Er schloss das Studium nach drei Jahren ab. "Es ist ein Kuriosum, dass Charles Darwin, der als Revolutionär der Biologie in die Wissenschaftsgeschichte einging, als einzigen akademischen Abschluss den Bachelor in Theologie hat", so die Professorin Eve-Marie Engels. Die Darwin-Expertin war kürzlich auf dem Wissenschaftsforum von Abendblatt und NDR 90,3 zu Gast. Danach studierte Darwin noch ein Jahr lang Geologie, vertiefte seine umfassenden Kenntnisse in Naturkunde, die er sich während seiner Studienjahre angeeignet hatte.

Dabei war Darwin zunächst begeistert von der Naturtheologie, wie sie der Theologe und Philosoph William Paley (1743-1805) formuliert hatte. Dieser stellte fest, dass die Anzeichen in der Natur für ein Design zu stark seien, um übergangen werden zu können. Daraus folgerte er, dass das Design einen Designer haben müsse, dieser Designer müsse eine Person sein und diese Person sei Gott. Der Begriff "intelligent design", den moderne Kreationisten nutzen, um die darwinsche Theorie zu torpedieren, ist also nicht neu. Erst auf seiner Weltreise kamen Darwin Zweifel an dieser Theorie.

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