Verdacht auf Defekt an Columbia erhärtet

Bordcomputer steuerte gegen Linksdrall. Offenbar fehlte eine isolierende Hitzekachel

Houston. Erste Untersuchungen haben den Verdacht erhärtet, dass ein Defekt auf der linken Seite der Raumfähre die Katastrophe ausgelöst haben könnte. Der Chef des Nasa-Shuttle-Programms, Ron Dittemore, sagte, dass kurz vor dem Auseinanderbrechen des Space Shuttle die Temperatur im linken mittleren Rumpfbereichs und rings um den linken Fahrwerksschacht extrem stark angestiegen sei. Auf der linken Seite habe der Luftwiderstand zugenommen. Der Bordcomputer habe gegengesteuert, um die Columbia rechts zu stabilisieren. Kurz darauf brach der Funkkontakt ab. Die auffällige Zunahme des Luftwiderstands auf der linken Seite könne ein Hinweis darauf sein, dass eine isolierende Hitzekachel fehlte, sagte Dittemore. Die US-Raumfähren sind mit rund 24.000 Kacheln gegen die extreme Hitze geschützt, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre entsteht. Allerdings würde der Verlust einer einzigen Kachel noch keine ganze Raumfähre bedrohen, sagte Dittemore. Die Besatzung habe mit Sicherheit von der Gefährlichkeit ihrer Lage in den Minuten bis zum Auseinaderbrechen der Raumfähre nichts mitbekommen, sagte Dittemore weiter. Es gebe allerdings keine Informationen darüber, was die Crew gemacht habe. Experten zufolge haben die Astronauten durch den rapiden Druckabfall beim Auseinanderbrechen der Fähre das Bewusstsein verloren. Von der Untersuchung der Trümmer, die in einem Umkreis von etwa 320 Kilometern auf die US-Bundesstaaten Texas und Louisiana niedergegangen sind, erhoffen sich die Experten Aufschluss über Ursache und Hergang der Katastrophe. Einige Trümmerteile wurden bereits zum Luftwaffenstützpunkt Barksdale in Louisiana gebracht. Ursprüngliche Angaben über den Fund von Leichenteilen aller sieben Astronauten dementierte die Nasa wieder. Eine Nasa-Mitarbeiter sei "unglücklicherweise" falsch informiert worden, sagte Nasa-Sprecherin Kylie Moritz.