14.11.12

Maritime Wirtschaft

Hamburgs Hafenkonzerne spüren Konjunkturflaute

Umsatz und Gewinn der HHLA gehen im dritten Quartal deutlich zurück. Reederei Hapag-Lloyd machen hohe Treibstoffkosten zu schaffen.

Von Olaf Preuß, Rolf Zamponi und Andreas Dey
Foto: pa/dpa
Klaus-Dieter Peters
HHLA-Chef Klaus-Dieter Peters auf dem Containerterminal Altenwerder. Gesunkene Umschlagmengen und die gestoppte Elbvertiefung belasten das Geschäft des Hafenkonzerns

Hamburg. Schwächelnde Weltkonjunktur, Verzögerung bei der Elbvertiefung, zu niedrige Frachtraten. Die negativen Schlagzeilen für die maritime Wirtschaft nahmen in den vergangenen Monaten kein Ende. Deshalb schauten die Hafenexperten gestern mit Spannung auf die Zwischenbilanzen zweier Branchen-Schwergewichte aus Hamburg. Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) und die Reederei Hapag-Lloyd legten Neunmonatszahlen vor. Die Entwicklung beider Unternehmen ist dabei auch für die Stadt Hamburg von Bedeutung. Denn sie ist mit zwei Dritteln an der HHLA und mit rund 37 Prozent an Hapag-Lloyd beteiligt. Er sehe in den Zahlen "Licht und Schatten", sagte gestern Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD).

Die schwächelnde Konjunktur lässt sich an den Zahlen des Hamburger Hafenkonzerns HHLA ablesen. So stagnierte im dritten Quartal der Umschlag des Unternehmens auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums bei 1,9 Millionen Containern (TEU). Der Umsatz sank von 316 Millionen auf 281 Millionen Euro, der Gewinn vor Steuern von 63 Millionen auf 41 Millionen Euro.

Das dritte Quartal gilt in der Branche europaweit als das wichtigste des Jahres. Zwischen Juli und September wird der größte Teil der Weihnachtsimporte abgewickelt. Doch die fielen in diesem Jahr enttäuschend aus. "Das wirtschaftliche Umfeld der HHLA hat sich im dritten Quartal weiter eingetrübt", sagte Konzernchef Klaus-Dieter Peters. "Die Abschwächung der Weltkonjunktur, die Schifffahrtskrise und der Aufbau von Terminal-Überkapazitäten in Nordeuropa belasten unsere Mengen- und Erlösentwicklung."

Im laufenden Jahr wächst der weltweite Containerumschlag noch um sechs bis sieben Prozent, schätzt das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) in Bremen. Die großen europäischen Häfen an der Nordsee profitieren aber kaum. Wachstum verzeichnen vor allem der asiatisch-pazifische Raum und die Verkehre zwischen Asien und Südamerika.

Trotz der abflauenden Konjunktur hat Hamburgs Traditionsreederei Hapag-Lloyd im dritten Quartal bei Umsatz und Ergebnis zugelegt. Hintergrund dafür sind vor allem die um acht Prozent auf 1647 Dollar (1300 Euro) gestiegenen Frachtraten je TEU - der Preis, der für den Transport der Boxen gezahlt wird. Der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 1,765 Milliarden Euro. Doch das Transportvolumen ging im Herbstquartal von 1,34 Millionen auf 1,28 Millionen TEU zurück.

Zwischen Juli und September lag der operative Gewinn bei 86,6 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr war noch ein Verlust von 68,7 Millionen Euro angefallen. Allerdings hätte das dritte Quartal eigentlich besser laufen sollen. "Doch die Hauptsaison für die Transporte ist in diesem Jahr ausgefallen, und es ist uns nicht gelungen, den Aufwärtstrend bei den Frachtraten überall fortzusetzen", sagte Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt. Vor allem die Importe nach Italien, Spanien und Frankreich aus Asien und den USA gingen zurück. Dazu stiegen allein die Kosten für den Brennstoff der Frachter in den ersten neun Monaten im Jahresvergleich um 750 Millionen Euro.

Unter dem Strich musste die fünftgrößte Reederei der Welt einen Nettoverlust von 94,1 Millionen Euro ausweisen. Hintergrund sind Abschreibungen und hohe Zinszahlungen für Schulden. Denn durch den Kauf der ersten beiden von zehn Frachtern mit je 13 200 TEU Kapazität sowie den Erwerb von zwei Leasing-Schiffen und die Übernahme von sieben weiteren in neue Verträge erhöhten sich die Verbindlichkeiten der Reederei von 1,22 Milliarden auf 1,766 Milliarden Euro. Dennoch seien internationale Banken an der Übernahme des Darlehens für die Neubauten interessiert gewesen. "Die Summe von 925 Millionen Dollar war 1,7-fach überzeichnet", so ein Reederei-Sprecher. Für das Gesamtjahr geht Vorstandschef Behrendt nun zwar von einem insgesamt positiven operativen Ergebnis aus. Unter dem Strich dürfte es aber nicht für schwarze Zahlen reichen.

Der Hafenkonzern HHLA wiederum kämpft in Hamburg nicht nur mit stagnierenden Umschlagmengen, sondern auch mit einem erhöhten Zeitdruck bei der Abfertigung von größeren Containerfrachtern. Der einstweilige Stopp der Elbvertiefung durch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig belastet auch die Aussichten der HHLA. "Die immer größeren Schiffe müssen immer rascher abgefertigt werden, damit sie rechtzeitig auslaufen können. Deshalb führt die zurückgestellte Elbvertiefung zu höheren Kosten und verschlechtert das Ergebnis der HHLA", sagte der Analyst Ingo Schmidt von der Haspa.

Auch die Hafenkonkurrenz macht Hamburg zu schaffen. Im September ging der JadeWeserPort in Wilhelmshaven in Betrieb. Rotterdam treibt den Ausbau seines Hafens voran und kündigte für 2013 weitere Nachlässe bei den Hafengebühren an. "Ein verstärkter Preiswettbewerb der Nordseehäfen würde vor allem Hamburg zusetzen", sagte der Logistikexperte Professor Jan Ninnemann von der Hamburg School of Business Administration.

Finanzsenator Tschentscher hält es aus heutiger Sicht denn auch für "eher unwahrscheinlich", dass die Stadt die erwartete Dividende von 35 Millionen Euro von Hapag-Lloyd für das Geschäftsjahr 2012 bekommen wird. Auch die HHLA leide unter der Krise, räumte der Senator ein. Dennoch fürchte er keine negativen Auswirkungen auf den Haushalt. "Das wird nach heutiger Einschätzung nicht dazu führen, dass wir den Verlustausgleich für unsere Konzernholding HGV erhöhen müssen."

Das ist der HHLA
Die Geschichte von Hamburgs größtem Hafenunternehmen

Ob Gewürzlager in der Speicherstadt, Stückgutverladung am Burchardkai oder der vollautomatische Containerumschlag in Altenwerder: Seit 126 Jahren ist die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) wie kein anderes Unternehmen mit der Entwicklung des Hafens und der gesamten Hafenstadt verbunden.

Um die Speicherstadt im Freihafen bauen und betreiben zu können gründen Hamburger Kaufleute am 7. März 1885 die "Hamburger Freihafen- Lagerhaus-Gesellschaft" (HFLG) – das direkte Vorgängerunternehmen der HHLA.

Knapp 30 Jahre wird an der Speicherstadt gebaut, bis sie schließlich 1912 eröffnet wird. Lange Zeit ist sie der modernste und größte Lager-Komplex der Welt.

Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kommen, beginnt auch im Hamburger Hafen ein dunkles Kapitel. KZ-Häftlinge, vornehmlich aus dem nahe gelegenen Lager Neuengamme, müssen für die HHLA im Hafen arbeiten. Bei Luftangriffen werden im Zweiten Weltkrieg große Teile des Hafens zerstört. Doch der Hafen und die HHLA erholen sich wieder. Die britischen Besatzer vertrauen die Logistik des Hafens schnell wieder der HHLA an.

Das Wirtschaftswunder sorgt im Hafen für viel Veränderung: Die Sackkarre wird als allgegenwärtiges Transportmittel vom ersten Gabelstapler abgelöst. Mit dem Hafen wächst auch die HHLA. In den sechziger Jahren baut das Unternehmen den modernsten Bananenschuppen Europas und mit dem Überseezentrum das größte Verteilerschuppen.

Am Burchardkai schlägt die HHLA 1967 den ersten Container um. Die Ära des neuen Transportmittels bricht an. Die erste moderne Containerbrücke wird gebaut. Aus 45 Metern Höhe wird das erste Vollcontainerschiff von der HHLA abfertigt.

Technische Fortschritte bleiben wichtig um die Konkurrenz auf Distanz zu halten. Bereits 1984 setzt die HHLA ein neuartiges Funksystem ein, um Daten zu verschicken. Mittlerweile transportieren die spinnenartigen Van-Carrier die Container durch den Hafen.

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs gewinnt der Hamburg Hafen wieder an Bedeutung für den Handel mit Osteuropa. Der Hafen wächst weiter. Doch die Flächen werden knapp. Der Stadtteil Altenwerder muss der Expansion weichen.

1998 verlassen die letzten Einwohner ihre Häuser. Vier Jahre später nimmt die HHLA den Container-Terminal Altenwerder in Betrieb. Alleine die Kaimauer ist 1,4 Kilometer lang.

Nach langen Diskussionen wird das Unternehmen 2007 teilprivatisiert und geht als Aktiengesellschaft an die Börse. Mit insgesamt 5000 Mitarbeitern in den vier Segmenten Container, Intermodaler Verkehr, Logistik und Immobilien ist das Unternehmen heute weltweit aufgestellt.

Die Wirtschaftskrise 2009 trifft auch die HHLA als größtes Unternehmen im Hafen. Der Umsatz sinkt um 339 Millionen Euro auf insgesamt 988 Millionen Euro; der Containerumschlag geht um rund 33 Prozent zurück.

Quelle: dpa

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