13.11.12

Hamburger Reederei

Hapag-Lloyd macht trotz Krise mehr Umsatz

Deutschlands größte Reederei leidet weiter unter der Krise in der Schifffahrt, konnte aber im dritten Quartal Umsatz und Ertrag steigern.

Foto: dpa
Hamburg Express
"Hamburg Express", ein Schiff der Reederei Hapag-Lloyd, wurde erst im August 2012 getauft und gehört in die 13.000-TEU-Klasse

Hamburg. Höhere Frachtraten und mehr Aufträge bescherten der Containerreederei von Juli bis September einen Umsatzzuwachs von 15 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro. Der Nettogewinn des dritten Quartals betrug 46 Millionen Euro nach rund 10 Millionen im Vorjahresquartal, wie das Hamburger Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Dennoch kämpft Hapag-Lloyd kämpft mit der Schifffahrtskrise. In den ersten neun Monaten schrieb der Konzern mit seinen 146 eigenen und gemieteten Schiffen einen Verlust 94 Millionen Euro. Das ist ungefähr das Vierfache wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die deutlich gestiegenen Kosten für Energie hätten weiterhin für starke Belastungen gesorgt. Gegenwärtig verschärften sich die Auswirkungen der Schuldenkrise im Euro-Raum. Handel und Industrie füllen ihre Lager nicht mehr auf, sondern bauen Bestände ab. Damit sinkt die Nachfrage nach Transportdienstleistungen.

Dennoch gebe es positive Signale. Operativ – also vor Steuern und Zinsen und bereinigt um Sonderfaktoren – lag die Reederei im dritten Quartal mit fast 87 Millionen Euro im Plus. Damit konnten die Verluste des ersten Halbjahres mehr als ausgeglichen werden. Der operative Gewinn der ersten neun Monate betrage 18 Millionen Euro, gegenüber 79 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz in den ersten neun Monaten legte um 14,6 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro zu.

Hapag-Lloyd hatte seit Jahresbeginn in mehreren Schritten die Frachtraten erhöht, um die hohen Treibstoffkosten auszugleichen. Angesichts der Konjunkturflaute in Südeuropa sei es im dritten Quartal jedoch nicht gelungen, den Aufwärtstrend bei den Raten fortzusetzen, schränkte Vorstandschef Michael Behrendt ein. Außerdem lastet der hohe Ölpreis weiter auf dem Unternehmen, denn Treibstoff ist dessen größter Kostenblock. Dennoch rechne Hapag-Lloyd auch im vierten Quartal mit einem positiven operativen Ergebnis.

Die deutsche Schifffahrt
Die deutsche Schifffahrt
Die deutsche Handelsflotte ist mit fast 3900 Schiffen und einer Tonnage von 89 Millionen BRZ die drittgrößte der Welt.
Sie wird nur übertroffen von Japan und Griechenland – der Weltmarktanteil beträgt 9,4 Prozent.
Wesentlich ausgeprägter ist die Dominanz im Bereich der Containerschifffahrt.
Fast 1800 Containerschiffe mit einer Tragfähigkeit von fünf Millionen Standardcontainern (TEU) fahren für deutsche Eigner, das ist rund ein Drittel der weltweiten Flotte.
Die Umsätze (einschließlich Passagierschifffahrt) belaufen sich auf 22,5 Milliarden Euro.
Damit ist die Branche der zweitgrößte Exporteur von Dienstleistungen nach der Reiseverkehrswirtschaft.
Die Schifffahrt ist mit mehr als 400 Reedereien mittelständisch geprägt.
In der öffentlichen Wahrnehmung werden oft die großen Linienreedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd als prägend angesehen.
Tatsächlich aber machen kleine Charterreedereien mit wenigen oder nur einem Schiff den Großteil der Branche aus.
Nach der Tonnage stellen sie 96 Prozent der deutschen Schifffahrt.
Sie transportieren selbst keine Güter, sondern verchartern ihre Schiffe an die großen Linienreedereien.
Die Branche finanziert sich über Anlegergeld (Eigenkapital) und Schiffskredite (Fremdkapital).
Zur See fahren rund 7600 deutsche Seeleute. An Land beschäftigen die deutschen Schifffahrts- und Maklerunternehmen mehr als 23 000 Menschen.
Auch andere Unternehmen wie Zertifizierer, Hafenfirmen, Lotsen und Schiffsausrüster rekrutieren einen Teil ihres Personals aus dem Kreis der Seeleute. (dpa)
"Hamburg Express": Ein Ozeanriese unter deutscher Flagge
"Hamburg Express": Ein Ozeanriese unter deutscher Flagge
Das Containerschiff "Hamburg Express" ist mit einem Fassungsvermögen von fast 13 200 Standardcontainern (TEU) eines der größten Containerschiffe der Welt.
Der Frachter ist 366 Meter lang und 48 Meter breit; die Bordwände sind 66 Meter hoch.
Mit diesen Dimensionen übertrifft die "Hamburg Express" Kreuzfahrtschiffe wie die "Queen Mary 2".
Das Schiff wiegt leer gut 42.600 Tonnen und kann mehr als 142.000 Tonnen tragen.
Die maximale Fahrtgeschwindigkeit beträgt 23,6 Knoten, doch um Sprit zu sparen liegt die Reisegeschwindigkeit unter 20 Knoten.
Die "Hamburg Express" wurde auf der Hyundai-Werft in Südkorea gebaut und fährt unter deutscher Flagge.
Sie ist das erste einer Serie von zehn Schiffen für die Reederei Hapag-Lloyd, die bis Ende kommenden Jahres ausgeliefert werden sollen. (dpa)
dpa/rtr/dapd/ha
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