Eilenburg: Hinweise führten zum Täter

Geständnis: Ein Nachbar brachte Corinna um

Der Polizei aus Eilenburg ist es am Sonnabendabend gelungen, den mutmaßlichen Mörder von Corinna (9) festzunehmen. Er war bereits geständig.

Eilenburg. Fahndungsefolg im Fall der ermordeten Corinna aus dem sächsischen Eilenburg: Die Polizei hat am Sonnabendabend gegen 23 Uhr den mutmaßlichen Mörder der Neunjährigen gefasst. In der Nacht zum Sonntag haben die Beamten einen Mann aus der „erweiterten Nachbarschaft“ festgenommen. Er habe die Tat bereits gestanden, hieß es. Der mutmaßliche Täter soll 39 Jahre alt und vorbestraft sein, aber nicht wegen eines Sexualdelikts, sondern wegen anderer Delikte wie Brandstiftung. Der Mann sei geschieden und arbeitslos. Insgesamt 164 Hinweise seien aus der Bevölkerung eingegangen, sagte Jürgen Georgi, Leiter der Polizeidirektion Westsachsen. Die Hinweise führten zu der verdächtigen Person, die Staatsanwaltschaft wurde am Sonnabend informiert.

Die Nachricht von der Festnahme des mutmaßlichen Mörders, die heute Morgen auf "bild.de" zu lesen war, wurde inzwischen von den Ermittlern bestätigt. Das Geständnis sei glaubhaft, sagte Hans Strobl, leitender Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Leipzig. Es sei Haftbefehl erlassen worden wegen sexuellen Missbrauchs mit Todesfolge, Vergewaltigung und Mord. Die Ermittler wollen sich aus ermittlungstaktischen Gründen jedoch nicht zum Inhalt des Geständnisses und zu Einzelheiten des Verbrechens sagen, erklärte Oberstaatsanwalt Strobl weiter. Ziel sei es, den Täter in einer Gerichtsverhandlung seiner gerechten Strafe zuzuführen.

Eine Nachbarin und frühere Arbeitskollegin des verhafteten Mannes berichtete, dass der Mann wegen Brandstiftung im Gefängnis gesessen habe. Er soll wiederholt Feuer gelegt haben und als erster am Tatort erschienen sein - mit einer Videokamera. Seine Lebensgefährtin habe sich aufgrund dieser Taten von ihm getrennt. Der mutmaßliche Täter soll selbst Vater sein und nahe der Wohnung von Corinnas Eltern einen Bauwagen abgestellt haben.

Das Gelände war am Sonntag abgesperrt, offenkundig suchte die Polizei dort nach Spuren. Anwohner berichteten zudem, dass die Polizei Fotos des Tatverdächtigen Gartenbesitzern in der Umgebung der Wohnung gezeigt habe. Es seien weiter 122 Beamte bei der Sonderkommission im Einsatz, berichtete Jürgen Georgie. „Wir waren diesmal so schnell mit der Ermittlung des Täters, dass wir uns noch am Beginn der Spurenauswertung befinden“, sagte Landespolizeipräsident Bernd Merbitz.

In Eilenburg löste die Nachricht von der Ergreifung des Täters Erleichterung aus, unter anderem bei der 43 Jahre alten Einwohnerin Christina Toborg. Die Mutter einer siebenjährigen Tochter hatte am Sonnabendabend eine Gedenkveranstaltung für Corinna organisiert: „Es kann Jeden jeden Tag treffen“, beschrieb Toborg ihre Motivation.

Die Leiche der kleinen Corinna war am vergangenen Dienstag in einem Seitenarm der Mulde gefunden worden. Der mutmaßliche Mörder des Mädchens hatte den Körper des Kindes in einen Müllack gesteckt und danach im Fluß versenkt. Schließlich stellte sich heraus, dass die Neunjährige Opfer eines Sexualverbrechens geworden ist.

Corinna hatte am Dienstagnachmittag im Hof ihrer Eltern gespielt. Weil sie um 18 Uhr nicht zum Essen ins Haus kam und plötzlich spurlos verschwunden war, alarmierte die Familie die Polizei. Diese suchte mit Spürhunden, Hubschraubern und Flugzetteln nach dem Kind. Einen Tag später dann die schreckliche Erkenntnis: Das Mädchen ist getötet worden.

Das Schicksal des Mädchens erinnert an das von Michelle (†8), die vor etwa einem Jahr etwa 25 Kilometer von dem Wohnort von Corinna entfernt missbraucht und ermordet wurde. Der Mörder der Achtjährigen konnte erst Monate später festgenommen werden. Es war der Nachbarsjunge.