Missbrauchsprozess

"Ich darf das als Vater"

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Ein mutmaßlicher Freier hat gestanden, mit den Töchtern von Detlef S. gegen Bezahlung Sex gehabt zu haben.

Koblenz. Detlef S., der 48 Jahre alte Familienvater aus Fluterschen im Westerwald, soll Tochter Jasmin, 18, und Stieftochter Natascha, 28, über Jahre sexuell missbraucht und sie für Sex-Orgien an andere Männer vermietet haben. Ein Zeuge hat nun zugegeben, für Sex mit den beiden Kindern gezahlt zu haben. Detlef S. selbst bleibt bei seinem Teilgeständnis. Er hatte gestanden, dass er Vater der sieben Kinder seiner Stieftochter ist (ein achtes Kind war nach der Geburt gestorben), doch die Missbrauchsvorwürfe bestreitet er.

Auch am Stiefsohn Björn B., 28, soll er sich laut Anklage vergriffen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, jahrelang über die drei Kinder hergefallen zu sein. Er soll sich die Familie durch Schläge mit einem Bundeswehrgürtel oder einer siebenschwänzigen selbst gemachten Peitsche gefügig gemacht haben. "Dieses kranke Schwein", heißt es in einem Brief von Jasmin, der im Gerichtssaal verlesen wurde.

Die zwischen 2000 und 2009 geborenen Kinder von Natascha, von denen er - wie gestern bekannt wurde - auch eines missbraucht haben soll, sind aber nicht Gegenstand dieser Anklage, und laut Gutachtern ist die Vaterschaft ohnehin praktisch erwiesen. In der Anklage geht es um 350 Taten von 1987 bis 2010. Alles begann laut Staatsanwaltschaft im Oktober 1987: Damals soll der hagere Mann erstmals die Genitalien der beiden Stiefkinder, die damals fünf Jahre alt waren, angefasst haben. Dieser Missbrauch sei über Jahre so weitergegangen, heißt es. "Ich darf das als Vater", sagte Detlef S. den Ermittlungen zufolge damals.

1995 kam es dann laut Anklage zum ersten Sex: Die Stieftochter soll zu zwei anderen Männern gebracht und mit Schnaps gefügig gemacht worden sein. "Den Männern sagte er, sie könnten tun, was sie wollen", sagt Staatsanwalt Thorsten Kahl. Dann fiel nach seiner Darstellung einer über das Mädchen her, das sich unter Tränen heftig wehrte und starke Blutungen davontrug. Im Hintergrund liefen angeblich Pornos, der Vater soll Fotos gemacht haben. 40 Mark kassierte der Langzeitarbeitslose laut Anklage von den Beteiligten. Mindestens zweimal im Monat soll es über Jahre hinweg solche Missbrauchsorgien gegeben haben, einmal im Monat hatte Detlef S. angeblich allein Verkehr mit seiner Stieftochter Natascha. Für seine leibliche Tochter habe das Martyrium nach ihrem neunten Geburtstag begonnen.

2004 hatte er nach Überzeugung der Anklage das erste Mal Sex mit ihr erzwungen. "Sie bat ihn vergeblich, von ihr abzulassen. Sie weinte und schrie vor Schmerzen", sagt Kahl. Auch sie soll jahrelang missbraucht worden sein und habe immer wieder fremde Männer befriedigen müssen. Erste Ermittlungen gegen den 48-Jährigen wegen sexueller und tätlicher Angriffe auf seine Kinder wurden 2002 eingestellt, weil die Familie alles abstritt.

Nun brachte der bei Gericht verlesene Brief von Jasmin, den ihre Stiefschwester im August 2010 fand und an das Jugendamt schickte, ein neues Verfahren ins Rollen. Seither sitzt der gelernte Maurer, der nur von 2000 bis 2003 eine feste Arbeit als Lkw-Fahrer hatte, in Untersuchungshaft. Ihm drohen 15 Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft hat zudem Sicherungsverwahrung beantragt.

Der Brief von Jasmin zeigt eine tiefe Zerrissenheit der jungen Frau. Darin beschreibt sie einerseits in derben Worten den sexuellen Missbrauch, dass ihren Vater nur das Geld interessiert habe und dass ihr Leben ruiniert sei. "Erinnert euch doch mal, wie oft ich geheult habe. Warum, glaubt ihr, wollte ich nicht bei Papa oben schlafen?", heißt es. Andererseits schreibt sie an ihre Mutter, 52, die von all dem nichts mitbekommen haben will: "Ich will die Familie nicht kaputt machen, es tut mir leid." Doch sie sorgte sich wohl um die Kinder ihrer Stiefschwester. "Ich will nichts, nur dass sie Kinder bleiben dürfen und nicht kaputt gemacht werden."