Missbrauchs-Vater widerruft sein Teilgeständnis

Auch Verteidiger von Detlef S. überrascht. Jugendamt: Waren machtlos gegenüber der Familie

Koblenz. Der wegen Missbrauchs in 350 Fällen angeklagte Familienvater aus Fluterschen (Westerwald) hat sein vergangene Woche abgelegtes Teilgeständnis gestern überraschend widerrufen. Das gehe aus dem psychologischen Gutachten hervor, das am Ende der Verhandlung verteilt wurde, sagte der Verteidiger von Detlef S., Thomas Düber. Von dieser Entwicklung sei er "selbst überfahren worden".

Gestern waren vier - zum Teil bereits ausgeschiedene - Mitarbeiter des zuständigen Jugendamts als Zeugen vor das Landgericht Koblenz geladen. Leiter Hermann-Josef Greb wies Vorwürfe zurück, er sei mit dem Angeklagten näher bekannt gewesen. Er bestätigte jedoch, dass er als junger Sozialarbeiter den damals 16-jährigen Detlef S. und dessen minderjährigen Geschwister nach dem Tod der Eltern betreut hatte. Das Jugendamt hatte auch wenig direkten Einblick in das Leben der Familie von Detlef S. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass ich in seinem Haus willkommen war", sagte die derzeit für die Familie zuständige Sachbearbeiterin. Deshalb habe man seine Stieftochter Natascha S., 27, die acht Kinder von ihm bekommen hat, immer wieder ins Jugendamt bestellt. Bei fast allen Terminen sei Detlef S. aber ebenfalls erschienen. Es sei auch nicht die Aufgabe der Sozialarbeiterin gewesen, die Vaterschaft der Kinder herauszufinden.

Die Ehefrau des Angeklagten machte gestern von ihrem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch.