Hessen

Bergbau soll schuld an Krater im Dautphetal sein

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Martin Oversohl

Foto: dpa

Wieder hat sich ein Krater neben einem Wohnhaus aufgetan. Und wieder soll der Bergbau schuld sein. Die Bürger im Dautphetal sind in Sorge.

Dautphetal. Ein Rumpeln soll es gegeben haben, irgendwann in den vergangenen Tagen. Genau weiß das die 88-Jahre alte Frau nicht mehr. Aber es soll sich angehört haben, als falle Schnee vom Dach, erzählt sie ihrer Schwiegertochter. Und die kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: Denn in ihrem Garten in Dautphetal (Kreis Marburg-Biedenkopf) tut sich ein Loch auf, so groß, dass ein Kleinwagen darin Platz hätte. „Wir hatten das gar nicht mitgekriegt“, erinnert sich Sabine Wolf, „bis wir die aufgewühlte Erde im Schnee gesehen haben.“ Verletzt wird niemand durch den Krater. Aber viele Nachbarn von Wolf fragen sich schlagartig, ob schon bald ein neues Loch drohen könnte.

Experten untersuchen nun den kleinen Krater, spätestens am Mittwoch soll er aufgefüllt werden. Die Behörden gehen davon aus, dass ein stillgelegter Bergwerksstollen die Erde wegrutschen ließ. Die Anwohner kamen mit dem Schrecken davon. Da keine akute Gefahr besteht, mussten sie das Haus nur kurz verlassen. „Aber natürlich macht man sich jetzt so seine Gedanken, auch in der Nachbarschaft“, sagt Wolf. Es seien auch früher schon Stollen eingestürzt, nie aber seien die Löcher so nah an einem Wohngebiet gerissen worden.

Das neue Loch im Dautphetaler Boden hat nach Angaben der Feuerwehr einen Durchmesser von einem Meter und es ist drei Meter tief - „das sind ja ungefähr die Ausmaße eines Kleinwagens“, sagt Sabine Wolf, die mit ihrer fünfköpfigen Familie im Ortsteil Holzhausen wohnt. Am Vortag war die Kreisfeuerwehr Marburg-Biedenkopf zusammen mit dem Technischen Hilfswerk (THW) angerückt. Das Hilfswerk erkundete den Krater mit einer ferngesteuerten Kamera, die sonst bei der Suche nach Verschütteten zum Einsatz kommt. Auch ein Fachmann aus dem Regierungspräsidium in Gießen sei zur Beratung angefordert worden.

Zwar gab der Bergbauexperte vorläufig Entwarnung, weil die Standsicherheit des Hauses nicht gefährdet sei. Auch musste die nahe Straße nicht gesperrt werden. Dennoch spricht Wolf von einem Hohlraum unter der Garage, der entdeckt worden sei und „in dem locker drei Menschen Platz haben“. Die Autos hat ihre Familie nun auf dem Vorplatz geparkt - sicher ist sicher.

Um ihr Haus hat Sabine Wolf dagegen keine Angst: „Das Haus ist auf einem Felsen gebaut, das steht sehr fest.“ Von einem Rumpel-Geräusch sei sie zumindest nicht wach geworden, erzählte sie am Dienstag auch dem Radiosender Hit Radio FFH (Bad Vilbel). Nach Angaben der Feuerwehr belegten Pläne und Karten, dass in der Nähe des Hauses noch vor etwa 70 Jahren Bergbau betrieben wurde. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hätten Bergarbeiter rund um Holzhausen unter anderem Eisenerz zutage gefördert. Das Hessische Landesamt für geschichtliche Landeskunde spricht allerdings davon, dass die Förderung von Eisenerz in Holzhausen bereits 1871 - also schon im 19. Jahrhundert - beendet worden sei. Von etwa 1800 bis 1830 sei in der Gegend auch Kupfer abgebaut worden