21.11.12

Hellas-Milliarden

Die Rettungs-Optionen für Griechenland

Euro-Finanzminister und der IWF versuchen am Montag erneut, ein gemeinsames Paket zu schnüren. Doch welche Möglichkeiten gibt es?

Von André Stahl
Foto: dapd
EU- und Griechenland-Flagge
Am Montag versuchen die internationalen Geldgeber erneut, ein gemeinsames Rettungspaket für Griechenland zu schnüren

Berlin. Die Politiker finden keine gemeinsame Lösung – dennoch soll das Sorgenland Griechenland auf jeden Fall in der Euro-Zone gehalten werden und zwei Jahre mehr Zeit für seine Defizitziele bekommen.

Das bedeutet eine zusätzliche Finanzlücke von fast 33 Milliarden Euro bis 2016. Allein für 2013 und 2014 wird der neue Finanzbedarf auf rund 14 Milliarden Euro geschätzt. Erst wenn hier Klarheit herrscht, sollen weitere Tranchen von insgesamt 44 Milliarden Euro aus dem zweiten Hilfsprogramm – die teils seit dem Sommer fällig sind – an Athen ausgezahlt werden.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) dringt auf eine umfassende Lösung, damit Griechenland seine Schulden bis 2020 auf ein tragbares Niveau von 120 Prozent der Wirtschaftsleistung drücken und auf eigenen Beinen stehen kann. Dazu sollten aus Sicht des IWF die Euro-Länder Athen einen Teil der Schulden erlassen – was diese ablehnen. Mögliche Optionen, um die Finanzlücke zu schließen:

Rückkaufprogramm:

Ein 40 Milliarden Euro umfassendes Programm zum Rückkauf griechischer Staatsanleihen wird seit 2011 diskutiert. Dabei könnte Athen Geld des Euro-Rettungsschirms nutzen, damit es seine Anleihen zum Marktpreis von privaten Gläubigern zurückkauft. Die Kurse für diese Titel liegen weit unter ihrem Nennwert. Nominal könnte Athen fast das Dreifache des eingesetzten Betrages an Schulden aus dem Markt nehmen. Die Rest-Schulden Athens und damit die Risiken würden dann aber fast komplett bei öffentlichen Geldgebern liegen.

Zinserlass:

Die Geberländer könnten die Zinsen auf ihre bilateralen Kredite von etwa 53 Milliarden Euro reduzieren, was zu jährlichen Erleichterungen von 500 Millionen Euro für Athen führen könnte. Unter anderem Italien und Spanien würde dies viel kosten, da sie sich zu höheren Zinsen Geld leihen müssen. Wie hoch der "Verzicht auf Einnahmen" letztlich ausfällt, ist offen. Deutschland hat bisher rund 300 Millionen Euro aus den bilateralen Krediten aus dem ersten Rettungspaket verdient und kann sich zudem besonders günstig Geld leihen. Auch könnten neue Darlehen aus dem Euro-Hilfsfonds zum Nulltarif oder zu äußert günstigen Konditionen vergeben werden. Die Euro-Länder müssten entsprechende Ausfälle beim Fonds kompensieren.

Stundung:

Auch eine Streckung der Zahlungsziele ist im Gespräch. Die Laufzeit für Hilfskredite könnten also verlängert werden.

EZB:

Die Notenbank hat Staatsanleihen Athens zu sehr niedrigen Kursen erworben. Die EZB könnte eventuelle Gewinne aus einem späteren Wiederverkauf der Schuldtitel an Athen ausschütten. Bisher existieren mögliche Erträge aber nur auf dem Papier. Selbst wenn es ein einstelliger Milliardenbetrag werden sollte, reicht dies nicht.

Weitere Buchgewinne:

Die Euro-Länder könnten die Buchgewinne ihrer Notenbanken aus dem Tausch der Griechenland-Anleihen während der Umschuldung an Athen überweisen. Die nationalen Notenbanken hatten Griechenland-Titel zum Nennwert an die EZB verkauft, damit diese die Papiere vor der ersten Umschuldung in neue Anleihen tauscht. Der Buchgewinn wurde von den Notenbanken an die Länder überwiesen.

Direkte Bankenhilfe:

Überlegt wird, griechische Banken direkt durch den Rettungsfonds ESM zu stützen. Dann würde der griechische Staat entlastet. Aber: Direkte ESM-Hilfen sollen nicht für Altlasten fließen. Diese Option scheint daher fraglich. Auch ist eine direkte Banken-Rekapitalisierung durch den ESM noch nicht beschlossen.

Schuldenerlass:

Dies wäre der einfachste Weg mit dem wohl größten Effekt. Rund zwei Drittel der griechischen Schulden von etwa 340 Milliarden Euro liegen bei öffentlichen Geldgebern. Würden die Euro-Länder auf die Hälfte ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten, würde dies im Bundeshaushalt wohl mit knapp 8 Milliarden Euro zu Buche schlagen – erstmals würde Steuerzahlergeld verloren sein. Finanzminister Wolfgang Schäuble lehnt dies ab und verweist auf rechtliche Gründe. Länder könnten keine neuen Kredite und Garantien vergeben und gleichzeitig auf die Rückzahlung verzichten. Auch würden Länder betroffen sein, die selbst Wackelkandidaten sind. Der IWF und die Europäische Zentralbank (EZB) dürfen sich nicht beteiligen.

Neue Hilfskredite:

Über ein drittes Rettungsprogramm – vor Monaten war von 50 Milliarden Euro die Rede – wird immer wieder spekuliert. Allerdings: Zusätzliche Kredite würden die zu hohe Schuldenquote Athens weiter nach oben treiben. Daher gelten neue Kredite aus dem Hilfsfonds über die bisher zugesagten hinaus als ausgeschlossen.

Griechenland: Die magische Zahl 120 Prozent

Bei der Rettung Griechenlands wird vor allem um eine Zahl gerungen und gestritten: Die 120 Prozent, auf die der Schuldenstand des Landes bis 2020 sinken soll.

Diese sogenannte Schuldenquote (2012: geschätzte 171 Prozent) bezeichnet den Anteil der Schulden am Bruttoinlandsprodukt.

Eine Quote von 120 Prozent soll für die "Schuldentragfähigkeit" stehen – Griechenland könnte sich dann wieder selbst an den Kapitalmärkten auch längerfristig refinanzieren, so die internationalen Helfer.

Allerdings ist die Zahl kaum vergleichbar – manche Länder wie Japan haben eine viel höhere Schuldenquote und trotzdem keinerlei Probleme bei der Aufnahme neuer Kredite.

Ebenso problematisch ist die Annahme, Griechenland könne dieses Ziel bis 2020 – oder, wie jetzt vorgeschlagen wird, bis 2022 – erreichen.

Denn die große Unbekannte in der Rechnung ist die derzeit stark schrumpfende griechische Wirtschaft.

Sinkt das Bruttoinlandsprodukt, steigt die Schuldenquote erst mal – selbst wenn keine neuen Schulden hinzukommen.

Exakt vorauszusehen, wann wieder Wachstum entsteht und wie viel, dürfte aber selbst Hellsehern schwerfallen. Die 120 Prozent sind daher vor allem eine politische Zahl. (dpa)

Wie geht es für Griechenland weiter?

Griechenlands Parlament hat ein neues Sparpaket und des nächsten Haushalt abgesegnet – Voraussetzungen für weitere Kredite der internationalen Helfer. Doch wie geht es in den kommenden Tagen und Wochen konkret weiter?

Finanzminister:

Die Finanzchefs der Euroländer beraten am 12. November über die Athener Beschlüsse, doch für eine Entscheidung ist es immer noch zu früh. Der abschließende Bericht der "Troika" liegt noch nicht vor. 

Überbrückungshilfe:

Griechenland kann nach eigenen Angaben noch in diesem Monat seine Rechnungen nicht mehr begleichen. Daher braucht das Land eine Überbrückungshilfe, bis die neuen Kredite freigegeben werden.

Die dürfte mit Unterstützung der Europäischen Zentralbank (EZB) zustandekommen. 

Erleichterungen:

Griechenland soll mehr Zeit für sein neues Reformprogramm bekommen. Allerdings stehen die genauen Konditionen für das Entgegenkommen noch nicht fest. Auch der Bundestag muss einer Lösung zustimmen.

Problem:

Der Sparkurs und die schrumpfende Wirtschaft in Griechenland verschärfen das Schuldenproblem des Landes.

Deshalb bleiben ausländische Investoren zurückhaltend. Das Land kommt so nicht mehr los vom Tropf der internationalen Helfer.

Schuldenschnitt:

Einige Experten plädieren für einen weiteren Schuldenschnitt, der Griechenland aus diesem Teufelskreis befreit.

Dann müssten allerdings die Euro-Länder einen Teil ihrer Hilfen verloren geben – was der Bundesregierung im Wahljahr sehr ungelegen käme.

Denkbar wäre noch ein "weicher" Schuldenschnitt, bei dem zum Beispiel das Rückzahlungsdatum für griechische Staatsanleihen um Jahre oder sogar Jahrzehnte verschoben wird. (dpa)

Die Rettungspakete für Griechenland

Griechenland erhält umfangreiche Finanzhilfen, um wieder auf die Beine zu kommen. Die Griechen sind an einen harten Sparkurs gebunden.

Erstes Rettungspaket:

Das im Mai 2010 aufgelegte Hilfspaket von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und aus bilateralen Krediten der Euro-Partner umfasste 110 Milliarden Euro bis 2014.

Etwa 53 Milliarden entfallen auf die Euro-Länder selbst, der IWF hat gut 20 Milliarden beigesteuert.

Zweites Rettungspaket:

Im Oktober 2011 einigten sich die Euro-Länder und Banken auf eine Entschuldung für Athen.

Private Gläubiger mussten mehr als die Hälfte ihrer Kredite abschreiben. Dadurch wurden die Schulden Griechenlands um 100 Milliarden Euro gedrückt.

Nachdem der Schuldenschnitt im März 2012 gelang, gaben die Euro-Finanzminister einen Teil des neuen, zweiten 130-Milliarden-Euro-Rettungspaketes frei.

Ziel ist es, die Staatsverschuldung bis 2020 auf rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu senken.

Das gilt aber angesichts der stark schrumpfenden Wirtschaft inzwischen als unwahrscheinlich.

Griechenland verpflichtete sich in einer Absichtserklärung ("Memorandum of Understanding") zu erheblichen Einschnitten und Reformen.

Das Parlament segnete das neue Sparpaket in der vergangenen Woche ab, nun muss die Geldgeber-"Troika" ihr Urteil fällen. (dpa)

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Top Video Alle Videos
Container auf einem Schiff im Hamburger HafenBrightcove Videos

mehr »

Top Bildergalerien mehr
Bundesliga

HSV beim 1. FC Köln – die besten Bilder

Tibetisches Zentrum

Der Dalai Lama zu Besuch in Hamburg

Hamburger Abendblatt

Digitaler Informationstag beim Abendblatt

Fußball

Der 1. Bundesliga-Spieltag in Bildern

tb_reisemarkt.jpeg
Der Reisemarkt

Aktuelle Reise- und Urlaubsangebotemehr

teaser_fruehling.jpg
Frühling

Frühling in Hamburgmehr

teaser-bild_bruhn.jpeg
CityCenter Altona

Mittendrin statt nur nahbei.mehr

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr