15.11.12

Thessaloniki Griechen stürmen Konferenz mit deutschen Teilnehmern

APTOPIX Greece Financial Crisis

Foto: dapd

Demonstranten skandieren "Nazis raus". Kaffeeattacke auf deutschen Generalkonsul. Angegriffener spricht von Missverständnis.

Thessaloniki. Dutzende griechische Demonstranten haben in Thessaloniki eine Bürgermeisterkonferenz mit deutschen Teilnehmern gestürmt und während einer Rangelei den deutschen Generalkonsul in der Stadt mit Kaffee übergossen. Der Protest am Donnerstag richtete sich gegen die Anwesenheit des parlamentarischen Staatssekretärs im Arbeitsministerium, Hans-Joachim Fuchtel (CDU). Er ist deutscher Sondergesandter für Griechenland. Leidtragender der Handgreiflichkeiten war Generalkonsul Wolfgang Hoelscher-Obermaier.

"Diese Leute sind nicht hierhergekommen, um uns zu helfen, sondern um unsere Todesstrafe zu verkünden", sagte Themis Balasopoulos, Chef der Gewerkschaft der Kommunalangestellten. Die Demonstranten skandierten "Nazis raus", als sie die Teilnehmer der Konferenz von griechischen und deutschen Bürgermeistern bedrängten und am Zugang hindern wollten. Über Lautsprecher spielten sie Nazi-Hymnen und griechische Radioaufnahmen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs ab.

Generalkonsul spricht von Missverständnis

Hoelscher-Obermaier sprach gegenüber Journalisten von einem Missverständnis und davon, nun noch mehr als vorher progriechisch eingestellt zu sein. Der Angriff auf ihn habe ihn nicht empört.

Die Polizei verfolgte die Protestierenden durch das Konferenzzentrum. Verhaftungen wurden zunächst nicht bekannt. Vor dem Gebäude beteiligte sich die Bundestagsabgeordnete Annette Groth (Linke) an der Demonstration. "Nicht ihr solltet den Preis für diese Krise zahlen, sondern die Reichen", sagte Groth.

In Griechenland wird Deutschland häufig für die harten Sparmaßnahmen verantwortlich gemacht, die das Land erfüllen muss, um Finanzhilfe zu erhalten. Deutschland zählt zu den größten Geldgebern. Erst vergangene Woche hatte das Parlament in Athen ein weiteres Sparpaket verabschiedet. Bei einem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gingen im Oktober rund 50.000 Bürger auf die Straße.

(dpa/abendblatt.de)