Loveparade-Tragödie in Duisburg

Demonstranten fordern: Sauerland soll zurücktreten

Hunderte Menschen demonsrierten vor dem Dusiburger Rathaus und forderten den Rücktritt von Oberbürgermeister Adolf Sauerland.

Duisburg/Düsseldorf. Mehrere hundert Menschen haben am Donnerstag vor dem Duisburger Rathaus gegen das Verhalten der Stadtverwaltung bei der Organisation der Loveparade protestiert. Der Organisator der Kundgebung forderte den Rücktritt von Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). „Sie haben alle Warnungen missachtet , keiner hier will Sie noch als Oberbürgermeister haben“, sagte der Duisburger Markus Schröder. Mehrmals skandierte die Menge: „Sauerland muss weg.“ Mehrere Redner forderten die Stadtverwaltung auf, stärker zur Aufklärung der Massenpanik vom Wochenende beitzutragen, bei der 21 Menschen umkamen. „Wir wollen keine Rache, wir wollen nur endlich wissen, wer die Verantwortung trägt.“ Auf Plakaten warfen Teilnehmer den Veranstaltern vor, aus Profitgier Sicherheitsbedenken im Vorfeld der Veranstaltung missachtet zu haben. Nach Ende der Kundgebung legten die Demonstranten eine Schweigeminute ein und zogen weiter in die Duisburger Innenstadt.

Porträt: Adolf Sauerland - Vom Liebling zum Buhmann

Kurz vor Beginn der Veranstaltung äußerte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger Verständnis für die Demonstration: „Die Leute trauern und sind wütend, dass die Verantwortung hin und her geschoben wird“, sagte der in Duisburg wohnende SPD-Politiker am Rande der Kundgebung. Zugleich wies er die Kritik des Duisburger Baudezernenten Jürgen Dressler an der Polizei zurück. Dressler hatte der „Rheinischen Post“ gesagt, die Polizei sei für die Sicherheit im Tunnelbereich an der Unglücksstelle verantwortlich gewesen. „Ich weiß nicht, wie Herr Dressler dazu kommt“, sagte Jäger. „Es war eindeutig festgehalten, dass für das Veranstaltungsgelände, den Tunnel und die Zugangsrampe allein der Veranstalter verantwortlich war.“ Auch den Vorwurf Dresslers, die Polizei habe Fluchtwege blockiert, könne er nach bisherigem Ermittlungsstand nicht bestätigen.

Trauerfeier für Loveparade-Opfer wird in Fußballstadion übertragen

Die Trauerfeier am kommenden Sonnabend für die Opfer des Loveparade-Unglücks wird auch in das Duisburger Fußballstadion übertragen. Es werde eine Übertragung des ökumenischen Gottesdienstes von der Duisburger Salvatorkirche ins Stadion geben, sagte eine Sprecherin der evangelischen Kirche im Rheinland am Donnerstag in Düsseldorf. Zu den Trauerfeierlichkeiten in der Ruhrgebietsstadt werden nach vorsichtigen Schätzungen der Polizei mindestens 10.000 Teilnehmer erwartet. Die Zahl könne jedoch auch höher liegen, sagte ein Polizeisprecher. An der Trauerfeier in der Salvatorkirche wollen auch Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnehmen. Der Gottesdienst wird vom Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, und dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck geleitet. An der Gestaltung sind auch Einsatzkräfte der Rettungsdienste und der Polizei beteiligt.

Die Reaktion von Rainer Schaller im Wortlaut