Loveparade in Duisburg

Schaller: Polizei-Anweisung öffnete alle Schleusen

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Frank Christiansen

Foto: dpa / dpa/DPA

Vor vier Jahren hat er die Loveparade gerettet. Jetzt sucht Rainer Schaller nach den Schuldigen für die Massenpanik in Duisburg mit 20 Toten.

Er hat tiefe Ringe um die Augen und seine Miene spiegelt noch das Entsetzen. Seit Freitag hat Loveparade -Chef Rainer Schaller kaum ein Auge zugetan. Akribisch versucht er herauszufinden, warum die als Riesengaudi geplante Technoparty in einer verheerenden Katastrophe endete. In einem Duisburger Hotel ringt er mit der Müdigkeit – und mit der Tatsache, dass er von vielen für 20 Todesopfer und 511 Verletzte mitverantwortlich gemacht wird. Er bedauert das entsetzliche Geschehen, spricht den Angehörigen sein Beileid aus. Doch dann kommt der 41-Jährige in seiner schwarzen Lederjacke auf das zu sprechen, was er und seine engsten Mitarbeiter sich bislang nicht recht erklären können, aber möglicherweise die Tragödie in Gang gesetzt hat: Es habe eine Anweisung der Einsatzleitung der Polizei gegeben, den Hauptstrom der Technofans unkontrolliert und ungebremst in den Tunnel zum Veranstaltungsgelände fließen zu lassen. Dafür gebe es mehrere Zeugen. „Für den Fall der Überfüllung sollten die Schleusen geschlossen werden“, sagt Schaller. So sei es geplant gewesen, deswegen wurden die Schleusen installiert. So sollte das Nadelöhr, der neuralgische Punkt, unter Kontrolle bleiben. Zuvor hätten die Veranstalter bis 14.00 Uhr bereits 10 der 16 Schleusen geschlossen gehalten, weil eine Überfüllung des Tunnels drohte. Doch dann sei die Anweisung gekommen, alle Schleusen vor dem westlichen Tunneleingang an der Düsseldorfer Straße zu öffnen, sagt der 41-Jährige. Warum? „Ich weiß es nicht.“ Jedenfalls sei von dort der Hauptansturm auf den Tunnel erfolgt, von Osten seien weit weniger Menschen gekommen.


Hamburger Studentin: "Plötzlich lag da ein Toter"

Die ermittelnde Kölner Polizei reagiert prompt und zeigt sich pikiert: „Wir fänden es gut, wenn sich Herr Schaller nicht in Spekulationen verlieren würde“, sagt eine Polizeisprecherin. „Wir sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in der Lage zu sagen, was der Auslöser war für das Ganze, wie es sich ereignet hat. Das kann man jetzt noch nicht seriös feststellen.“ Der Gründer der Fitnesskette McFit widerspricht vehement der Vermutung, Profitgier habe über die Sicherheitsbedenken gesiegt. „Wir haben nie Druck auf eine Herabsetzung der Sicherheit ausgeübt. Nach derzeitigem Stand haben wir sämtliche Auflagen erfüllt. Das gesamte Konzept war in jedem Punkt in wöchentlichen Sitzungen mit Polizei, Feuerwehr und Stadt abgestimmt“, sagte der 41-Jährige. Ein halbes Jahr vor der Party hätten die Konferenzen begonnen. „Wir haben niemals an der Loveparade Geld verdient – das war auch nicht unser Ziel“, sagt der Mann, der einst als Retter der Parade gefeiert wurde und am Sonntag deren endgültiges Aus verkünden musste. So sei die Einzäunung des Geländes von den Behörden aus Sicherheitsgründen verlangt worden, nicht etwa um den Getränkeverkauf in eigener Hand zu behalten. „Wir haben ungern eingezäunt. Das haben wir auch in Essen und Dortmund nicht gemacht.“ Alle Einzelheiten seien in Duisburg „von den Behörden abgenickt oder vorgegeben worden“. Aber war der Tunnel als einziger Zugang nicht ungeeignet für so eine Riesenmenge? „Alle Behörden haben die Eingangssituation abgenickt, sonst hätten wir das nicht gemacht.“ Der Tunnel sei als einziger Zugang „extrem intensiv geprüft und die Genehmigung erteilt worden“. Warum sich dann ein tödlicher Pfropfen aus Menschen gebildet habe, wisse er derzeit noch nicht. Die Auswertung des Videomaterials und die Rücksprache mit den 2000 Mitarbeitern der Großveranstaltung laufe auf Hochtouren. An einer Überfüllung des Geländes habe es jedenfalls nicht gelegen, das lasse sich beweisen: „Das Gelände war zu dem Zeitpunkt zu 75 Prozent ausgelastet. Es waren etwa 187000 auf den Gelände.“

Ich schäme mich, dort noch getanzt zu haben

Auf zahlreichen Kondolenzseiten im Internet haben Menschen aus ganz Deutschland ihre Trauer über die Tragödie von Duisburg und den Hinterbliebenen der Opfer ihr Beileid bekundet. Eine Auswahl

Sandy2611: Ich wünsche den Angehörigen der verletzten und verstorbenen aller Kraft dieser Welt diese Tragödie zu überstehen. Ich bin selber 5 Minuten vorher durch diesen Tunnel gegangen, es war der Horror. Aber ich kann mir nicht vorstellen wie es für die anderen Beteiligten gewesen sein muss. Ich kann mein Mitgefühl nicht in Worte fassen, so bin ich dennoch in Gedanken bei den Familien.In Liebe

pauline2009: Unfassbar!!! Menschen die friedlich feiern wollten, mussten dies mit ihrem Leben bezahlen. Und die oberen 10.000 weisen alle Schuld von sich. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen und den verletzen. Unfassbar!!!

bestwife: ein Mensch, der uns verlässt, ist wie die Sonne, die versinkt. Aber etwas von ihrem Licht bleibt immer in unserem Herzen zurück.

Tomke: Warum musste so etwas passieren. Die Antwort werden wir wohl nie bekommen!

elocin100: das is so unfassbar...da passen keine worte!!!! das schlimmste ist, das wäre so einfach zu verhindern gewesen mit ein bisschen mitdenken der veranstalter...19 menschen mussten sterben weil keiner mitgedacht hat oder sicherheitsbestimmungen umgangen worden sind...ich hoffe die verantwortlichen werden zur rechenschaft gezogen auch wenn das den angehörigen ihre lieben nicht wieder bringt.

Jenny: Es ist unfassbar, wie unser Sicherheitssystem so kläglich versagen kann! Man kann sich nur an den Kopf packen und fragen: "Wer, verdammt nochmal, ist für dieses schreckliche Ereignis zuständig?" Am meisten erschüttert mich aber, dass es von vornherein klar war, das es so enden wird!

sunflower76: Eine vertraute Stimme schweigt; ein Mensch, der immer da war, ist nicht mehr. Wir halten inne. Vergangenes zieht in Gedanken vorbei. Wir merken jetzt, was uns fehlt, und fragen uns, was denn bleibt. Wir werden der Trauer recht geben; Aber sie muss nicht das letzte Wort behalten." Und Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein. Die früheren Dinge sind vergangen." Und der, der auf dem Thron saß, sprach: "Siehe! Ich mache alle Dinge neu." Auch sagt er: "Schreibe, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr." (Offenbarung 21:4,5)

Tommy: also vor 10 jahren hab ich das interesse an der lovparade und dieser musik verloren hab es aber dennoch nebenbei verfolgt... was dieses wochenende abgelaufen is war ja wohl die größte fehlplanung der menschheit... vieleicht sollte man wieder zurück zu den wurzeln gehen denn berlin hat mit dem geschlossenen flughafen tempelhof ein areal zu verfügung was 2xsoviel leute auf nehmen kann

Kai20101: Ich habe lange an dieser Stelle gewohnt und kenne den "Gelben Bogen" seit 40 Jahren. Hier sind schon zu Kriegszeiten viele Menschenleben in den hinter den Türen befindlichen Bunkern geblieben. Dass hier erneut Menschen sinnlos sterben mußten, ist einfach nur traurig und entsetzlich zu gleich. Ich habe meinen Kindern im Vorfeld verboten zu diesem Event zu gehen, weil ich Angst vor dem Tunnel hatte. Leider hat sich diese Angst bewahrheitet. Seltsam, dass all die studierten Entscheidungsträger diese Zweifel nicht hatten. Dafür brauchte man kein Experte sein, um dieses Unglück zu prophezeien ... Die Verantwortlichen gehören hinter Gitter und dürfen nie wieder Entscheidungen treffen.

ArminMuc: unfassbar. ich weine mit den trauernden. ich betrete nie wieder ein MCFIT (Fitness-Studie der Kette, die dem Loveparade-Veranstalter gehört; d. Red.) und hab mein abo dort heute gekündigt

Robin: Armes Deutschland. Immer ist die Politik am wichtigsten, Menschenleben zählen nicht. Koste es was es wolle die Veranstalter, der Bürgermeister und der Polizeipräsident müssen gegenüber der Justiz und den Opfern Rechenschaft ablegen, wie es zu so etwas kommen konnte. Mein Mitgefühl an alle Angehörigen und Menschen die dieses traurige Event miterleben mussten.

Delfina: Danke den Menschen die ihr bestes gegeben haben wie Malteser, Feuerwehr, Polizei und allen Freiwilligen die nicht weggeschaut haben. Denn es hätte auch meine Tochter treffen können, die dass Glück hatte aus dem ganzen heile rauszukommen. Habe auch wie viele andere Kerzen und Rosen niedergelegt als Zeichen meiner Trauer und Dankbarkeit das meine Tochter, Schwager und Bruder überlebt haben.

bassjunkie: am 24.7.2010 wurden Familien, das Vermächtnis und der Traum einer friedlichen Demo von Dr. Motte entgültig zerstört. Ich schäme mich dafür zu diesem Zeitpunkt auf dem Gelände getanzt zu haben.Doch ich erfuhr es leider, wie viele andere Menschen, erst zu spät. Es tut mir sehr sehr leid!!

Katrin: Ich wohne selber nur 5 Minuten von dem Tunnel entfernt. Einen Tag vor der Loveparade sind wir noch durchgelaufen und haben gesagt, dass das doch im Leben nicht gutgehen kann. An dem Tag selber haben wir vor unserer Tür Getränke verkauft und waren deshalb (zum Glück) nicht dabei. Wir sind so froh, dass unseren Freunden, die da waren nichts geschehen ist. Es wird wohl noch dauern bis wieder etwas wie Normalität einkehren wird.

Truckerduck: Wir können nicht das Leid aus der Welt schaffen. Was wir können, ist dies: Einander die Tränen trocknen 19 mal Tränen vergossen 19 mal Leid 19 mal Schmerz 19 mal Qual 19 mal zerstörte Familien -WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM?

NinaR1989: Ich finde es eine bodenlose frechheit, die leute die dort waren immer in einen topf zu stecken und zu sagen wenn die alle drogen nehmen selber schuld u.s.w. es sind dort menschen gestorben die einfach einen schönen tag erleben wollten und diesen mit dem tod zahlten. ich finde es eine frechheit sich so öffentlich zu äußern. alle die die so denken sollten lieber mal die klappe halten!!!

matthes2010: Würden die Verantwortlichen auch so unwissend (Pressekonferenz) reagieren, wenn ihre Kinder unter den Toden gewesen wären ??? Diese PK war ein Hohn für die Angehörigen

marco0020: Ich kann von Glück sagen, dass wir so früh da waren. Von der ganzen Tragödie habe ich erst erfahren, als ich das Gelände um kurz nach 20 Uhr verlassen habe. Auf dem gelände selbst war davon nichts zu spüren. Mein Mitgefühl gilt den Opfern und deren Angehörigen. Ein Versagen der Polizei kann ich nicht bestätigen, zumindest nicht, was ich persönlich mitbekommen habe. Ein Dank an die Helfer und Rettungskräfte.

Holzbein: Rasch tritt der Tod den Menschen an, es ist ihm keine Frist gegeben; es stürzt ihn mitten in der Bahn, es reißt ihn fort vom vollen Leben. Bereitet oder nicht, zu gehen, er muss vor seinem Richter stehen! (Friedrich Schiller) Frieden in Liebe!!

andrea: Ich war auch da wollte als ich die Wagen gesehen hatte nach hause, als wir aus dem Tunnel raus waren hörten wir schon die Krankenwagen, habe aber erst zuhause erfahren was passiert war, meine Töchter und mein Schwiegersohn waren noch da, ich hatte so eine angst das meinen Kindern etwas passiert ist, hatte nur geweint, habe meine Kinder alle Gesund wiederbekommen, mein Tiefstes Mitgefühl für alle Trauernden, ich werde das nie vergessen und immer an die Verstorbenen denken!

ImPaled: Die Wut schlägt in mir hoch, wenn ich das lese, das wirklich nur 250.000 Menschen auf diesen Scheiss Güterbahnhof passen, und die Stadt lockert auch noch die Sicherheitsmaßnahmen, was soll der Schwachsinn?? Und ich bin nach Duisburg gezogen, weil ich dachte die Stadt sei in Ordnung, aber das überschlägt meine Entscheidung drastisch....Hätte man bloss auf die Polizei gehört, und die Party abgeblasen Hiermit spreche ich (DJ Cuntgrinder) und das Team des Kultkeller Duisburg unser Tiefstes Mitgefühl und Trauer aus für die verstorbenen und die Angehörigen die Ihre Liebsten verloren haben.

ute: Kann nicht begreifen das es so weit kommen konnte...unfassbar! Die Bilder werde ich so schnell nicht vergessen...war auch mitten drin und hatte einfach glück...aber freuen kann ich mich darüber nicht! hoffe es werden die richtigen dafür bestraft!

jaja48: es ist schrecklich was in meiner nachbarstadt geschehen ist. mein tiefstes beileid an die familien der verstorbenen. trotzdem glaube ich nicht, dass die verantwortlichen diese katastrophe billigend in kauf genommen haben.

Heinen: Eine Tragödie der bittersten Sorte. Alle haben gewusst das dies nicht gut gehen wird, nur die Veranstalter und die Stadt Duisburg wollten es nicht glauben. Ich hoffe das diese beiden verklagt werden und richtig bluten müssen.

Octavian: Sie sind für den Sinn der Liebe gegangen. Wut und Verzweiflung zu der Allgemeinheit drangen. Gerechtigkeit wird den Opfern und den Angehörigen so wünsche ich es ihnen, geschehen. Wir alle sollten dafür kämpfen, für die Gerechtigkeit das nichts vertuscht wird, das sollten sie sehen!