UN-Sicherheitsrat befasst sich mit Haiti

Port-au-Prince: Wer kann, flieht, wer bleibt, plündert

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Foto: dpa / dpa/DPA

UN-Sicherheitsrat kommt zur Beratung zusammen. Bisher ein bestätigtes deutsches Opfer, 30 Vermisste. Immer mehr Gewalt und Plünderungen.

Port-au-Prince/Buenos Aires/New York. Der UN-Sicherheitsrat kommt an diesem Montag in New York zu Beratungen über die Lage in Haiti nach dem katastrophalen Erdbeben zusammen. Initiiert wurde das Treffen von der mexikanischen Regierung in Zusammenarbeit mit China, das zur Zeit die Präsidentschaft des Rates inne hat. An dem Termin werde auch UN- Generalsekretär Ban Ki Moon teilnehmen, berichteten mexikanische Medien. Die mexikanische Regierung betonte, der Sicherheitsrat müsse gemäß seiner Verantwortung einer aktivere Rolle spielen.

Ebenfalls am Montag soll nach Informationen von Haiti Press bei einer ersten Konferenz über die Koordination der europäischen Hilfe für das vom Erdbeben zerstörte Land beraten werden. An dem Treffen in der benachbarten Dominikanischen Republik würden außer der spanischen Vize-Ministerpräsidentin María Teresa Fernández de la Vega auch die Präsidenten Haitis und der Dominikanische Republik, René Préval und Leonel Fernández, teilnehmen. Außerdem würden Vertreter der Regierungen der USA, Kanadas und Brasiliens sowie Botschafter lateinamerikanischer Staaten erwartet.

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Nach einer ersten provisorischen Bilanz starben laut Haiti Press Network bei dem Erdbeben der Stärke 7,0 am Dienstag mehr als 50000 Menschen. Etwa 250000 wurden verletzt. Rund eine Million Menschen seien obdachlos. Die Vereinten Nationen informierten am Samstag über den Tod des Leiters der UN-Mission in Haiti, Hédi Annabi (65). Die Leichen des Tunesiers sowie seines Stellvertreters, des Brasilianers Luiz Carlos da Costa, und des amtierenden UN-Polizeichefs in Haiti, Doug Coates, seien unter den Trümmern des früheren UN-Hauptquartiers gefunden worden.

Die früheren US-Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush haben die US-Bürger zu Spenden für die Erdbebenopfer in Haiti aufgerufen. Es gehe nicht nur um dringend benötigte Hilfe bei den unmittelbaren Folgen der Katastrophe, sondern auch um ein langfristiges Konzept zum Aufbau eines wohlhabenden Haitis, erklärten Clinton und Bush in Washington. „Wir haben die Chance, es besser als beim letzten Mal zu machen, ein besserer Nachbar zu sein, als wir bisher waren und dem haitianischen Volk zu helfen, ihren Traum von einer stärkeren, sichereren Nation zu verwirklichen“, schrieben die beiden Expräsidenten in einem Offenen Brief, der am Samstag auf der Webseite der Zeitung „New York Times“ erschien. Fast ein Drittel der haitianischen Bevölkerung sei von dem Erdbeben der Stärke 7,0 direkt betroffen, das am vergangenen Dienstag den Karibikstaat heimsuchte. In den nächsten Wochen gehe es darum, den verletzten, obdachlosen und hungrigen Menschen zu helfen. Langfristig müssten neue und bessere Schulen gebaut werden, Bildungs- und Gesundheitssystem verbessert und Arbeitsplätze geschaffen werden, die Wirtschaftswachstum ermöglichten. Beide Expräsidenten nahmen am Samstag an einer Pressekonferenz im Weißen Haus teil, in der US-Präsident Barack Obama sie bat, eine private Spendenaktion für die Aufbauhilfe zu leiten.

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In einer Atmosphäre zunehmender Gewalt hat US-Außenministerin Hillary Clinton am Samstag die von einem Erdbeben zerstörte Hauptstadt Port-au-Prince besucht. „Wir sind hier, um Euch zu helfen ... Wir sind heute hier, wir werden morgen hier sein und in der Zeit, die vor uns liegt“, sagte die erste hochrangige Besucherin seit dem Jahrhundertbeben am vergangenen Dienstag. Unterdessen mehrten sich Berichte über Unmut in der Bevölkerung über die nur schleppend anlaufende Hilfe und gewalttätige Übergriffe.

So berichtete der Reporter Eduardo Bonaga aus Panama im Fernsehen, Suchtrupps müssten in einer zunehmenden Atmosphäre der Unsicherheit in Port-au-Prince arbeiten. Geschäfte seien geplündert und Autofahrer angegriffen worden. Vereinzelt sei es sogar zu Schießereien gekommen. Hilfsorganisationen hatten schon zuvor gewarnt, die Verzweiflung vieler Überlebender, die immer noch ohne Nahrung und Trinkwasser seien, könne schnell in Gewalt umschlagen. Die Verteilung der Hilfsgüter kam auch vier Tage nach dem Beben der Stärke 7,0 immer noch nur schleppend in Gang.

Die Gründe für die langsame und bisweilen chaotische Verteilung der Hilfe waren vielfältig. Die staatlichen Organisationen Haitis sind weitgehend zusammengebrochen, die Infrastruktur schwer beschädigt und die bei der Verteilung von Hilfsgütern federführenden Vereinten Nationen durch das Beben selbst schwer getroffen. Nach UN-Angaben handelt es sich um die unter logistischen Gesichtspunkten schlimmste Katastrophe in der Geschichten der Vereinten Nationen.

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Während kaum noch Überlebende unter den Trümmern gefunden wurden und die Zahl der Todesopfer inzwischen auf weit über 50 000 geschätzt wurde, informierten die Vereinten Nationen über den Tod des Leiters der UN-Mission in Haiti, Hédi Annabi (65). Die Leichen des Tunesiers sowie seines Stellvertreters, des Brasilianers Luiz Carlos da Costa, und des amtierenden UN-Polizeichefs in Haiti, Doug Coates, seien unter den Trümmern des früheren UN-Hauptquartiers gefunden worden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der am Sonntag in Haiti erwartet wurde, sagte, der sei „zutiefst betrübt“. Nach Angaben von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) kam bei dem Beben auch mindestens ein Deutscher ums Leben.

Am Montag soll nach Informationen von Haiti Press bei einer ersten Konferenz über die Koordination der europäischen Hilfe in Haiti beraten werden. An dem Treffen in der benachbarten Dominikanischen Republik würden außer der spanischen Vize-Ministerpräsidentin María Teresa Fernández de la Vega auch die Präsidenten Haitis und der Dominikanische Republik, René Préval und Leonel Fernández, teilnehmen. Außerdem würden Vertreter der Regierungen der USA, Kanadas und Brasiliens sowie Botschafter lateinamerikanischer Staaten erwartet.

( (dpa/afp/abendblatt.de) )