Vogels wiederentdeckte Bilder

Südsee: 1908/09 begleitete der Maler Hans Vogel die legendäre Hamburger Expedition.

Als das Hamburger Forschungsschiff "Peiho" im Juli 1908 in Hongkong die Anker lichtete, war der Maler Hans Vogel (1885-1970) mit an Bord. Er sollte die von der noch heute bestehenden "Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung" finanzierte Expedition begleiten und sie sowohl fotografisch als auch malerisch dokumentieren. Vogel blieb nur ein Jahr, und er war auch mit dem Verlauf der Forschungsreise nicht zufrieden, da er nach dem Willen des Expeditionsleiters Fülleborn vor allem fotografieren sollte, so daß ihm kaum Zeit zum Malen blieb. Erst am Ende seines Südsee-Aufenthaltes fand er im damaligen Friedrich-Wilhelms-Hafen, dem heutigen Madang, Gelegenheit, vor allem Porträts zu malen.

In einer kleinen Ausstellung präsentiert das Museum für Völkerkunde einige Gemälde, die damals entstanden sind, jedoch fast ein Jahrhundert verschollen waren. Bei der Vorbereitung einer Bali-Ausstellung fand eine Volontärin vor wenigen Jahren im Depot des Museums Gemälde, deren Motive eindeutig nichts mit Bali zu tun hatten. Die Ethnologin Dr. Antje Kelm, eine der besten Kennerinnen der legendären Hamburger Südsee-Expedition, identifizierte sie schließlich als die verschollenen Bilder von Hans Vogel. Der Zustand war beklagenswert, sie waren zusammengerollt, so daß die Farbe teilweise abblätterte. Dank eines Sponsors, der in hanseatischer Bescheidenheit ungenannt bleiben möchte, war es möglich, die Bilder zu restaurieren und nun in einer kleinen Ausstellung zu präsentieren.

Aber worin besteht die Bedeutung von Hans Vogels Südseebildern? "Während etwa Emil Nolde vor allem künstlerische Ziele verwirklichte, ging es Hans Vogel um eine ethnographische Dokumentation. Und da er zudem ein sehr begabter Maler war, hat er hier Großes geleistet", meint Dr. Antje Kelm, und verweist zugleich darauf, daß sich manche ethnographischen Befunde eben nicht fotografisch dokumentieren ließen.

Das betraf zum Beispiel die von ihm meisterhaft beherrschte Wiedergabe der Südsee-Farben, wozu die damalige Fotografie schon technisch nicht in der Lage war.

Nachdem Vogel die Expedition verlassen hatte, reiste er auf eigene Faust durch China und Japan, beschäftigte sich aber nach seiner Rückkehr nach Hamburg erneut mit der Südsee-Expedition. Gefördert von Kunsthallen-Chef Alfred Lichtwark, veröffentlichte er 1911 unter dem Titel "Eine Forschungsreise im Bismarck-Archipel" einen lebendig geschriebenen und vorzüglich illustrierten Reisebericht. Später war Vogel, über dessen weiteren Lebensweg erst jetzt Näheres bekannt wird, vor allem als Porträtmaler in Hamburg tätig. "Er porträtierte Kaufleute, Senatoren und andere Hamburger Persönlichkeiten. Falls sich noch Bilder von ihm in Privatbesitz befinden, wäre es schön, wenn sich deren Besitzer im Museum für Völkerkunde melden würden", sagt Dr. Antje Kelm, die sich seit Jahren mit Leben und Werk des Malers beschäftigt.

Museum für Völkerkunde , Rothenbaumchaussee 64, 12. 6.-20. 9., Tel. 018 05-30 88 88.

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