Grenze als Flüchtlingszone

Türkei will Truppen 20 Kilometer weit in den Irak schicken

Ankara. Zur Verhinderung eines Flüchtlingsstroms über die Grenze plant die Türkei nach den Worten von Außenminister Abdullah Gül die Entsendung von Truppen bis zu 20 Kilometer weit auf irakisches Gebiet. Der Plan werde jedoch nur in einer Krisensituation umgesetzt, sagte Gül gestern. Die USA und die EU lehnen einen Einmarsch türkischer Soldaten in Nordirak ab, weil sie Zusammenstöße mit der dortigen kurdischen Bevölkerung befürchten. Gül erklärte, die Türkei sei entschlossen, eine Flüchtlingswelle wie nach dem Golfkrieg 1991 zu verhindern. Darum beabsichtige Ankara, eine 20 Kilometer breite Zone an der Grenze einzurichten, in der alle Flüchtlinge unterkommen sollten. Die Gegend sei nicht dicht besiedelt und könne zu Sicherheitszwecken genutzt werden. "Wenn die Notwendigkeit besteht, ist dies unser Plan", sagte Gül. Wie viele Soldaten die Türkei entsenden würde, hänge vom Bedarf ab. Vertreter der Türkei und der USA erörterten den Plan, sagte Gül. Auch am zweiten Verhandlungstag wurde jedoch keine Einigung über die türkischen Pläne erzielt. Die Gespräche würden in den kommenden Tagen fortgesetzt, sagte der US-Sondergesandte Zalmay Khalilzad. Die Türkei will mit dem Einsatz auch jeden Versuch irakischer Kurden unterbinden, sich von Irak abzuspalten. Sie befürchtet für diesen Fall Unruhen unter den türkischen Kurden. Nach US-Angaben stimmte Ankara aber der Bildung eines ständigen Ausschusses mit Vertretern der Türkei, der USA und der irakischen Kurden zu, der nach alternativen Lösungen suchen soll. Im türkisch-irakischen Grenzstreifen sind seit langem zehntausende türkische Soldaten stationiert. Am Wochenende waren diese Truppen nach Angaben aus Militärkreisen um mehrere tausend Mann verstärkt worden. Der türkische Generalstabschef Hilmi Özkök besuchte gestern die Truppen im Grenzgebiet. (ap/dpa)