Polizistenmord

Die Schlüsselfigur schweigt noch immer

Die Tatverdächtige Beate Z. hatte in den 90er-Jahren Kontakte in die Thüringer Neonazi-Szene. Der Verfassungsschutz verlor aber ihre Spur.

Zwickau/Hamburg. Es ist ein völlig verworrener Kriminalfall, der mindestens in drei Bundesländern spielt: Es geht um den Mord an einer Polizistin vor vier Jahren in Heilbronn, gleich mehrere Banküberfälle, zwei Tote in einem ausgebrannten Wohnmobil in Eisenach und die Explosion eines Wohnhauses vergangenen Freitag in Zwickau. Und es geht um die rechtsradikale Vergangenheit der beiden Toten und der 36-jährigen tatverdächtigen Beate Z. Das Trio lebte in den vergangenen Jahren in dem Zwickauer Haus. Nun sitzt Beate Z. in Untersuchungshaft, bislang allerdings nur wegen des dringenden Tatverdachts der schweren Brandstiftung.

+++ Bislang keine Parallele zwischen den Polizistenmorden +++
+++ Gesuchte Frau aus Zwickau hat sich der Polizei gestellt +++
+++ Was machte die Dienstwaffe der Polizistin im Wohnmobil? +++

Vor allem wirft dieser Fall mehr Fragen auf, als dass die Ermittler Antworten geben können oder wollen. Da brachte auch die gestern von Polizei und Staatsanwaltschaft in Zwickau einberufene Pressekonferenz keine neuen Erkenntnisse, denn die Fahndungen drohen zwischen den Bundesländern zu zerfransen. Auch wenn sich der Fokus nun auf Sachsen richtet. Die Fahnder allerdings bestätigten vor allem, dass sie nichts bestätigen.

Immerhin fest steht: Beate Z., die mit internationalem Haftbefehl gesucht worden war, stellte sich am Dienstag der Polizei in Jena. Zu den Vorwürfen äußerte sie sich in den bisherigen Vernehmungen jedoch nicht, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wiegner. Allerdings sei vor der Festnahme auf dem Revier in Jena ein Satz mit dem Tenor gefallen: "Ich bin die, die Sie suchen."

Beate Z. soll am Freitagnachmittag das Wohnhaus in Zwickau in die Luft gesprengt haben, in dem sie mit Uwe M., 38, und Uwe B., 34, gelebt hat. Die beiden Männer wurden am vergangenen Freitag tot in dem ausgebrannten Wohnmobil entdeckt. In dem zerstörten Haus wurden unter anderem ein Arsenal von sechs Faustfeuerwaffen und ein Gewehr gefunden. Unter den Waffen soll auch eine vom Balkan stammende Waffe sein, mit welcher der 22-jährigen Heilbronner Polizistin Michele K. im April 2007 auf einer Heilbronner Festwiese in den Kopf geschossen worden war. Außerdem seien in der Zwickauer Wohnung Reizgas und Handschellen gefunden worden, die der jungen Frau gehörten, sagte Polizeipräsident Jürgen Georgie.

Die tote Polizistin stammt ursprünglich auch aus Thüringen. Doch einen Zusammenhang sehen die Ermittler noch nicht. "Ich habe keine Anzeichen dafür, dass dahinter eine Kausalität, ein System stecken könnte", sagte Thüringens Innenminister Jörg Geibel (CDU).

Das Trio sei den Behörden bisher nicht aufgefallen - zumindest nicht in Zwickau. Denn dem thüringischen Verfassungsschutz waren die drei in den 90er-Jahren durchaus bekannt. Das Trio gehörte damals einer von V-Leuten unterwanderten rechtsextremistischen Kameradschaft an, dem "Thüringer Heimatschutz". Dazu sagten zwar gestern weder Polizeipräsident Georgie noch der amtierende Chef der Zwickauer Staatsanwaltschaft Uwe Wiegner etwas. Aber immerhin räumte Innenminister Geibert ein, dass bei den Ermittlungen damals wohl nicht alles optimal gelaufen sei. Das Trio war 1998 verschwunden, als die Polizei in Jena eine Bombenwerkstatt auffliegen ließ. Seitdem will der Thüringer Verfassungsschutz keine Kenntnis über den Aufenthalt der drei gehabt haben.

Der "Thüringer Heimatschutz" fungierte in den 90er-Jahren als Sammelbecken der Neonazi-Szene in Thüringen. Bereits seit 1994 wurde die Vorgängerorganisation vom Thüringer Verfassungsschutz beobachtet, sie war aber nur bis 2002 aktiv.

In den vergangenen Jahren soll das Trio unauffällig und unter falschen Namen in dem Doppelhaus in Zwickau gelebt haben. Kontakte zur rechten Szene habe es nicht mehr gegeben, erklärte Geibert. Und Georgie berichtete, dass in der Wohnung bisher auch kein rechtsextremistisches Propagandamaterial gefunden worden sei.

Allerdings vermutet die Polizei, dass die drei mindestens ein Dutzend Banküberfälle von Anklam bis Zwickau begangen haben. In der Zwickauer Wohnung seien Baseballkappen, Mundtücher und Parkas gefunden worden, die mit denen auf Bildern von den Überwachungskameras der Banken etwa aus Arnstadt übereinstimmten.

Das Sichern von Beweisen in der Zwickauer Wohnung könne noch Tage oder Wochen dauern, da sie durch den Brand und das Löschwasser schwer beschädigt wurden, sagte Georgie. Mit den Behörden in Heilbronn und Thüringen gebe es zwar einen Informationsaustausch, aber bisher keine gemeinsame Ermittlungsgruppe. Die sächsische Linken-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz forderte: "Der Generalbundesanwalt muss eingeschaltet werden."