Geerkens stellte Kontakt zur BW-Bank her

Neue Ungereimtheiten bei Christian Wulffs Bankkredit

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Bundespräsident Christian Wulff hat den Kredit-Vertrag bei der BW-Bank erst nach der Erklärung geändert. Das wirft ein neues Licht auf den Fall.

Hamburg/Berlin. Weitere Details über den Privatkredit von Bundespräsident Christian Wulff lassen den Fall in neuem Licht erscheinen. Über die genauen Abläufe der Kreditvergabe gibt es Ungereimtheiten. Nach Angaben der BW-Bank, die den Kredit der Familie Geerkens ablöste, wandelte Wulff seinen Kredit erst kurz vor Weihnachten vertraglich in ein langfristiges Darlehen um. Zu diesem Zeitpunkt sorgten seine angeblich besonders günstigen Kreditkonditionen bei der Bank bereits für Wirbel. Die Bank bestätigte auch, dass der Unternehmer Egon Geerkens den Kontakt hergestellt hatte.

"Inzwischen habe ich das Geldmarktdarlehen in ein langfristiges Bankdarlehen festgeschrieben", hieß es in der Erklärung Wulffs vom 15. Dezember. Nach Angaben der BW-Bank hatte Wulff den Vertrag, mit dem der kurzfristig refinanzierte Geldmarktkredit in ein langfristiges Darlehen geändert wurde, zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht unterzeichnet. Wulffs Anwalt Gernot Lehr sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", der Zinssatz für das jüngste Darlehen sei bereits am 25. November - also bevor die Konditionen des ersten BW-Kredits Gegenstand der Berichterstattung wurden - zwischen Wulff und der BW-Bank "fixiert" worden. Ein Banksprecher bestätigte, dass an diesem Tag der neue Zinssatz schriftlich vereinbart wurde. Er gilt ab dem 16. Januar 2012.

Die BW-Bank kündigte eine interne Prüfung an. Wulff und die BW-Bank wiesen einen "Spiegel"-Bericht zurück, wonach es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen dem Privatkredit und dem Einstieg von VW bei Porsche gegeben habe. Der "Spiegel" spekuliert, Wulff habe die guten Konditionen von der BW-Bank als "Dankeschön" dafür erhalten, dass er gemeinsam mit VW die Nobelmarke Porsche gerettet habe. Ein Banksprecher bezeichnete dies als "absoluten Blödsinn".

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Die SPD-Vizevorsitzende Aydan Özoguz warnte: "Es wäre für Deutschland kein gutes Signal, wenn innerhalb kürzester Zeit wieder ein Bundespräsident gewählt werden müsste." Sie sagte, es schade der politischen Klasse, dass Wulff nicht sofort reinen Tisch gemacht habe. "Es ist misslich, dass alle Details nur stückchenweise von ihm kommen. Ich möchte, dass er als glaubwürdiger Bundespräsident im Amt bleiben kann." Der Fall Wulff sei bezeichnend für das Bild von Politik: "Kaum eine andere Berufsgruppe steht so sehr im Fokus wie Politiker. Als Bundestagsabgeordnete bin ich dazu verpflichtet, alle meine Einkünfte anzugeben. Ich finde es traurig, dass es durch Wulff wieder zu Pauschalurteilen über die Politiker gekommen ist."

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