Vorbild Ägypten

Proteste in Teheran – der Iran fürchtet den Mubarak-Effekt

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Sicherheitskräfte gehen mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Die Schergen von Präsident Ahmadinedschad reagieren nervös.

Teheran. Iranische Sicherheitskräfte sind mit Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen, die in der Hauptstadt Teheran trotz eines Verbots gegen die Regierung auf die Straße gegangen waren. Augenzeugen berichteten, Tausende Menschen zögen durch die Straßen, riefen aber keine Parolen. In der Nähe des Imam-Hussein-Platzes hätten die Sicherheitskräfte Tränengasgranaten verschossen, um die Menge zu zerstreuen. Die iranischen Sicherheitskräfte hatten ihre Präsenz massiv verstärkt, um Proteste der Opposition im Keim ersticken zu können. Ermutigt von den Protesten in Tunesien, Ägypten und anderen arabischen Ländern, hat die iranische Opposition zu erneuten Demonstrationen gegen Präsident Mahmud Ahmadinedschad aufgerufen. Die iranische Führung hatte die Kundgebung verboten.

Wenige Stunden vor einer geplanten Solidaritätskundgebung für die Protestbewegungen in Tunesien und Ägypten wurden die Telefonleitungen von Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi gekappt, und sein Haus wurde abgeriegelt, wie die der Reformbewegung nahestehende Website kaleme.com berichtete. Offenbar wollten die Behörden Mussawi damit von Teilnahme an der Kundgebung abhalten.

Vor Mussawis Haus seien mehrere Polizeifahrzeuge stationiert worden, berichtete kaleme.com. Mussawi und ein weiterer Oppositionsführer, Mehdi Karrubi, stehen seit der vergangenen Woche unter Hausarrest, nachdem sie um Erlaubnis für eine friedliche Kundgebung am 14. Februar gebeten hatten. Mehrere Oppositionspolitiker und Mitarbeiter Mussawis und Karrubis wurden in den vergangenen Tagen festgenommen.

Die Regierung hat die Demonstration verboten und mit Konsequenzen gedroht, sollte diese dennoch stattfinden. Am Montag bezogen nach Angaben von Augenzeugen zahlreiche Polizisten, viele von ihnen auf Motorrädern, im Zentrum der Hauptstadt Stellung.

Das Vorgehen der Behörden erinnerte an die Niederschlagung der Proteste nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad 2009. Wie damals riefen auch am frühen Montagmorgen Anhänger der Opposition als Zeichen des Widerstands „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) von den Balkonen und Dächern der Hauptstadt. Nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Sommer 2009 waren die iranischen Sicherheitskräfte mit äußerster Härte gegen Demonstranten vorgegangen. Seit mehr als einem Jahr konnte die Opposition keine Kundgebung mehr abhalten.

Der türkische Präsident Abdullah Gül, der sich zu einem Besuch im Iran aufhielt, rief die Regierungen im Nahen Osten auf, auf die Stimme des Volkes zu hören. „Wenn Führer und Staatschefs den Forderungen ihres Volkes keine Aufmerksamkeit schenken, handeln die Menschen selbst, um ihre Forderungen durchzusetzen“, sagte Gül laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Irna.