Stadtteilschule Bergstedt

Nach der Schulreform kein Platz für Schüler

Foto: Johannes_Arlt

Die Stadtteilschule Bergstedt bringt 125 Kinder in Containern fernab vom Gebäude unter. Eltern sollen nicht informiert worden sein.

Bergstedt. Den Schulstart ihrer Tochter an der Stadtteilschule Bergstedt hatte sich Gundula Brähler-Goerke so vorgestellt: Trixi würde in einem modernen, lichtdurchfluteten Gebäude lernen. In der offenen Mensa würde das Mädchen mittags gemeinsam mit ihren Freundinnen essen können, um anschließend gestärkt und entspannt wieder in den Unterricht zu gehen. So hatte sich die Gesamtschule Bergstedt am Tag der offenen Tür im vergangenen Jahr präsentiert. So hatte sie um neue Fünftklässler geworben.

Als sich im Frühjahr nach den Anmeldungen die Nachricht verbreitete, dass an der Stadtteilschule sogenannten mobile Klassenzimmer aufgestellt würden, fragte Gundula Brähler-Goerke dreimal an der Schule nach, ob die Container für die Neulinge gedacht seien. "Ich habe stets ein Nein gehört."

"Die erste böse Überraschung kam dann am Elternabend drei Tage vor Schulbeginn", sagt Gundula Brähler-Goerke. "Da hieß es, dass Fünft- und Sechstklässler in die Container einziehen. Ansehen konnten wir sie uns nicht. Es hieß, sie seien nicht fertig."

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Und das erfuhren die Eltern und Kinder von drei fünften Klassen erst am ersten Schultag: Jene Klassencontainer stehen fernab des Schulgebäudes auf dem Gelände der benachbarten Grundschule - und das werden sie auch noch mindestens zwei Jahre lang. Auch für die Integrationsklasse gab es nur eine Notlösung: Sie zog in ein Kindergarten-Gebäude in direkter Nachbarschaft zu den Containern.

Das Stückwerk an der Stadtteilschule Bergstedt ist symptomatisch für die Situation zahlreicher Schulen in Hamburg nach den Ferien: Es gibt jede Menge Raumnotlösungen, meist in Form von Containern. Für die Schulbehörde ist es keine Neuigkeit, dass in Bergstedt wie an 22 weiteren Schulstandorten mit Beginn des Schuljahres rund 2000 Hamburger Schüler in neu aufgestellten mobilen Klassenzimmern unterrichtet werden. Wohl aber für die Eltern. Gundula Brähler-Goerke: "Wir sind definitiv nicht informiert worden."

Die Schulreform - unabhängig von der Ablehnung der Primarschule - hatte die Aufstellung von stadtweit 91 zusätzlichen Container-Klassenräumen notwendig gemacht. Fünf davon gingen an die Stadtteilschule Bergstedt. Sie führte als Gesamtschule bisher die Jahrgangsstufen 5 bis10 und hatte zum neuen Schuljahr eine Oberstufe genehmigt bekommen, die in diesem Jahr mit Elftklässlern eröffnet wurde. Das 1999 errichtete Schulgebäude ist auf 24 Klassen ausgerichtet, aktuell sind hier bereits 27 Klassen untergebracht. Die fünf mobilen Klassenzimmer waren notwendig geworden, weil die Schule - auch wegen ihrer guten Präsentation am Infotag - einen sehr regen Zulauf verzeichnete: 119 Fünftklässler wurden auf fünf Klassen verteilt.

Und weil es auf dem Schulgelände keinen Platz für sie gab, wurden die Container für drei fünfte Klassen und zwei sechste mit insgesamt 125 Kindern kurzerhand neben dem Grandplatz des Sportvereins Bergstedt auf dem Grundschulgelände aufgebaut. Die Integrationsklasse kam in den Kindergarten-Pavillon. Das Hauptproblem für Kinder und Eltern: Wollen die Schüler in der 25-Minuten-Mittagspause in der Mensa essen, brauchen sie, wenn sie sehr zügig gehen, acht Minuten für einen Weg. Das heißt, sie haben kaum zehn Minuten zum Essen. "Das ist ein zusätzlicher Stressfaktor im Schultag", sagt Marina Schmidt, Mutter von Fünftklässler Tracey. "Die Kinder haben definitiv keine Pause."

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"Mich hatte das Schulkonzept sehr überzeugt", sagt Gundula Brähler-Goerke. "Aber hätte ich vorher von der Auslagerung der Klassen gewusst, hätte ich meine Tochter wohl doch an einem Gymnasium angemeldet."

Den Schwarzen Peter hat jetzt Alexander Rebers, der erst im Juni die Schulleitung übernommen hat. Er bedauert, dass die Eltern nicht vollständig über die Raumsituation der Schule informiert worden sind. "Sie bekommen von mir die Zusage, dass die Kinder mit Beginn der siebten Klasse ins Hauptgebäude ziehen können - wenn sie es wünschen", sagt Rebers.

Das wäre dann zum Schuljahr 2012/2013. Bis dahin sind noch einige Hürden zu nehmen. Zunächst hat die Stadtteilschule Bergstedt die Genehmigung von der Schulbehörde bekommen, das Hauptgebäude um vier Klassenräume und einen Mehrzweckraum zu erweitern. Der Anbau soll im ersten Halbjahr des Schuljahres 2011/2012 bezugsfertig sein. Das Zusatzhaus ist für die künftige Oberstufe der Jahrgangsstufen 11 bis 13 gedacht.

Es fehlen dann aber immer noch Räume für die künftigen fünften und sechsten Jahrgänge. Die, so war es von der Schulbehörde bis zum Volksentscheid geplant, sollten in die Primarschule integriert werden.

Alexander Rebers setzt nun auf den 8. Dezember. Dann soll der neue Schulentwicklungsplan für die Situation nach dem Aus für die sechsjährige Primarschule stehen. "Wir haben die Unterstützung der Behörde. Wir werden eine Lösung für unser Raumproblem finden, im Einvernehmen mit den umliegenden Schulen."

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Schulleiter Rebers hat Gundula Brähler-Goerke versprochen, sich auch um die akuten Probleme zu kümmern. So will er eine Möglichkeit schaffen, dass die fernab des Schulgeländes untergebrachten Fünft- und Sechstklässler mittags in der nahen Grundschul-Cafeteria versorgt werden, damit sie ihre Pause genießen können.