Kommentar

Unfair gegenüber den Schülern

Hamburgs Schulsenatorin Christa Goetsch setzt sich durch. Trotz heftiger Kritik und Klageandrohung durch die Initiatoren des Volksentscheides und Gegner der sechsjährigen Primarschule sollen ab Donnerstag 865 Jungen und Mädchen die kommenden beiden Schuljahre an Starterschulen nach Primarschulkonzept unterrichtet werden. Goetsch begründet dies mit dem Begriff "Vertrauensschutz". Der gilt für jene Eltern, die sich vor mehr als einem Jahr für das Modell dieser Schul- und Unterrichtsform entschieden hatten.

Das ist nett - und unfair. Nett den Eltern gegenüber, die ihren Wunsch erfüllt bekommen, ihr Kind zwei Jahre länger in der behüteten Grundschule zu lassen; unfair gegenüber den Kindern. Sie besuchen eine Schule, die schon vor dem Start als Auslaufmodell gilt. Zudem müssen die bald Pubertierenden in der Hochphase ihrer physischen wie psychischen Unsicherheit als Außenseiter einen Wechsel plus Neustart in einer seit zwei Jahren lernenden Klasse meistern.

Die Eltern müssen dieses Dilemma jetzt alleine lösen. Sie können ihre Kinder von den Starterschulen abmelden. Inzwischen sind Senatorin und Schulbehörde rund um die Uhr damit beschäftigt, die Folgen eines großen Fehlers so klein wie möglich zu halten: Sie hatten sich nicht darauf vorbereitet, dass Hamburg die Primarschule ablehnt. Dieser Fehler lässt sich nun auch nicht mehr mit dem Begriff "Vertrauensschutz" gutmachen.