Nach Volksentscheid

Nicht nur Reiche stimmten gegen die Hamburger Schulreform

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Auch in einkommensschwächeren Stadtteilen Hamburgs lag die Initiative "Wir wollen lernen" vorn. Ebenso in den Hochburgen der CDU.

Hamburg. An dem Ergebnis des Volksentscheids gibt es nichts mehr zu rütteln. Die von der schwarz-grünen Koalition in die Wege geleitete Schulreform ist gescheitert. Spannend bleibt, woher die Zustimmung zur Initiative der Gegner kommt: und zwar vor allem aus den Bezirken, in denen die meisten CDU-Wähler wohnen. Bei der vergangenen Bürgerschaftswahl erreichte die CDU in Wandsbek (48,2 Prozent), Bergedorf (46,3 Prozent) und Harburg (44,3 Prozent) ihre stärksten Ergebnisse - aus diesen drei Bezirken stammen auch die meisten Jastimmen für die Initiative "Wir wollen lernen". Das deutet darauf hin, dass die Anhänger der CDU anscheinend weniger hinter dem Primarschul-Vorhaben ihrer Partei standen.

Anders die Grün-Wähler. Dort, wo die GAL ihre meisten Stimmen holte, in Altona mit 12,4 Prozent und in Eimsbüttel mit 11,7 Prozent, erhielt die Initiative die wenigste und die Vorlage der Bürgerschaft unter Federführung von Bildungssenatorin Christa Goetsch (GAL) die meiste Zustimmung.

+++ So stimmten Ihre Nachbarn beim Volksentscheid +++

Die Unterstützer des Volksentscheids kommen allerdings nicht nur aus den CDU-Hochburg-Bezirken, sondern vermehrt auch aus weniger einkommensstarken Gebieten. In den Abstimmungsstellen der Harburger Stadtteile Neuenfelde, Sinstorf, Gut Moor und Rönneburg beispielsweise erhielt die Initiative für den Erhalt der vierjährigen Grundschule bis zu 84 Prozent an Jastimmen. Dasselbe gilt für die Bergedorfer Stadtteile Altengamme, Neuengamme und Lohbrügge sowie für große Teile von Billstedt, Billbrook, Horn und Wilhelmsburg in Mitte. Diese Ergebnisse beziehen sich zwar nur auf Wähler, die ihre Stimme im Wahllokal und nicht per Brief abgegeben haben, das heißt auf rund 64 600 von insgesamt rund 490.000 Abstimmenden. Ein Trend lässt sich dennoch erkennen.

"Viele Stadtteile, in denen wir Unterstützer haben, sind weit ab von dem Klischee der Reichenstadtteile", sagt der Sprecher der "Wir wollen lernen"-Initiative Walter Scheuerl. Die Behauptung, dass vornehmlich die Hamburger aus den wohlhabenderen Stadtteilen gegen die Primarschule gestimmt hätten, sei somit widerlegt. Das zeige - andersherum betrachtet - auch das Beispiel Othmarschen, wo das jährliche Durchschnittseinkommen bei etwa 89 000 Euro liegt. Hier lagen die Schulreform-Befürworter zumindest in zwei Abstimmungsstellen knapp vorn.