25.01.13

Weltwirtschaft

Ifo-Umfrage: Mit Zuversicht ins Wirtschaftsjahr 2013

Europas Konjunkturmotor Deutschland gewinnt an Tempo- und es gibt noch weitere Hoffnungsschimmer im vierten Jahr der Schuldenkrise.

Foto: dapd
Hans-Werner Sinn
Ifo-Chef Hans-Werner Sinn: Die deutsche Wirtschaft startet hoffnungsvoll ins neue Jahr

München/Berlin/Davos. Zuversicht lautet das Motto deutscher Unternehmen für das Wirtschaftsjahr 2013. Das wichtigste Konjunkturbarometer für Deutschland, der Ifo-Geschäftsklimaindex, stieg im Januar zum dritten Mal in Folge - und treibt Eurokurs und Aktienmärkte an. Drei Anstiege in Folge signalisieren eine Wende zum Besseren.

Die für den Ifo-Index befragten deutschen Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Aussichten für das kommende halbe Jahr besser. "Der Optimismus kehrt zurück", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn in München. Die Fabriken seien nach dem Rückgang im letzten Quartal 2012 jetzt wieder besser ausgelastet, die Auftragsbücher der Exportindustrie und der Bauunternehmen füllten sich.

"Das ist ein klares Signal, dass es wieder aufwärtsgeht", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. Der Geschäftsklimaindex war nach sechs Rückgängen in Folge schon im November und Dezember wieder gestiegen und legte im Januar noch kräftiger zu, von 102,4 auf 104,2 Punkte. "Das ist sehr stark vom Optimismus in der Industrie geprägt", sagte Wohlrabe.

Gute Exportaussichten für Deutschland

Maschinenbau, Metall- und Chemieindustrie liefen gut, auch die Exportaussichten seien gut. Die Signale aus China und den Schwellenländern in Asien und Lateinamerika seien sehr gut, auch aus den USA kämen eher positive Nachrichten. Nach langer Durststrecke investierten die Firmen offenbar wieder mehr: Die Lage der Investitionsgüterindustrie habe sich deutlich verbessert, und "die Erwartungen kommen aus dem Tal und steigen rasant nach oben", sagte der Ifo-Konjunkturexperte. Für die Erhebung befragt das Ifo-Institut monatlich etwa 7000 Firmen.

Derweil droht Großbritannien erneuter Sturz in die Rezession

Ganz anders ist die Situation in Großbritannien. Dort ging die Wirtschaftsleistung im Schlussquartal 2012 um 0,3 Prozent zum Vorquartal zurück. Insgesamt war 2012 damit gegenüber 2011 ein Jahr der Stagnation. Wirtschaftsexperten befürchten, dass das Land erneut in eine Rezession zurückfallen könnte. Vizepremier Nick Clegg mahnte als erstes Mitglied der konservativ-liberaldemokratischen Regierung, dass die Kürzungen zum Abbau des immensen britischen Schuldenberges "zu schnell und zu tief" erfolgt seien.

EZB-Chef Draghi: Erholung noch nicht robust genug

Auch in vielen anderen Ländern läuft es schlechter, als hierzulande. Deswegen ist die Erholung in der Eurozone nach Einschätzung von EZB-Präsident Mario Draghi längst noch nicht robust genug, um die Krisenpolitik der Regierungen und der Notenbank beenden zu können. Ein wichtiges Entspannungssignal kam indes von den Banken: Sie zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) schon bald 137 Milliarden an Krisenhilfen zurück.

EZB-Präsident Mario Draghi mahnte beim Weltwirtschaftsforum in Davos, die 2012 in der Eurozone beschlossenen Maßnahmen zur Konsolidierung der Haushalte und zur Förderung von Wachstum müssten in diesem Jahr entschlossen umgesetzt werden.

IWF-Chefin Lagarde für Abkehr von zu starren Sparzielen

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, sprach sich indes für eine Abkehr von allzu starren Sparzielen aus. "Es ist besser, (...) sich ein bisschen mehr Zeit zu nehmen als einen Gewaltmarsch hinzulegen", sagte die Französin dem TV-Sender France 2 beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Eine solche Entscheidung müssten europäischen Staaten aber gemeinsam treffen.

Banken zahlen Hilfen frühzeitig zurück

Draghi stellte fest, die Lage an den Finanzmärkten habe sich durch die EZB-Politik des billigen Geldes und die Injektion von rund einer Billion Euro in den Bankensektor wesentlich gebessert. Die Banken des Euroraums zahlen der EZB in einer ersten Runde inzwischen deutlich mehr von dieser Krisenhilfe zurück als erwartet. Der Notenbank fließen insgesamt 137,2 Milliarden Euro zu, wie die EZB in Frankfurt mitteilte. Da hohe Rückzahlungsbeträge prinzipiell auf eine Entspannung im Bankensektor hindeuten, sorgten die Zahlen für positive Reaktionen an den Finanzmärkten.

Bundesregierung: Das Ärgste könnte geschafft sein

Nach Einschätzung der Bundesregierung könnte in der Euro-Schuldenkrise inzwischen aber das Schlimmste überstanden sein. Die Entwicklung sei zwar weiter fragil, betont der Staatssekretär im Finanzministerium, Steffen Kampeter (CDU), in einem Schreiben an Mitglieder der schwarz-gelben Koalitionsfraktionen. "Einige Indikatoren deuten aber darauf hin, dass bei stabiler Entwicklung das Ärgste hinter uns liegt", heißt es in dem Schreiben.

Der Ifo-Index
Der Ifo-Index
Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft.
Lange bevor sich das Auf und Ab der Wirtschaft in amtlichen Zahlen niederschlägt, bildet der seit Jahrzehnten erhobene Wert recht zuverlässig die Lage ab.
Dafür befragen die Wirtschaftsforscher des ifo Instituts in München einmal pro Monat quer durch Deutschland rund 7000 Firmen – von kleinen Geschäfte bis hin zu großen Konzerne mit tausenden Beschäftigten.
Dabei ist der Kern der Erhebung denkbar unspektakulär.
Per Mail, Post oder Fax kommt der Bogen und enthält rund ein Dutzend Fragen zur Einschätzung der aktuellen Lage und zu Erwartungen für die nächsten sechs Monate.
Die Firmen müssen etwa ankreuzen, wie sie die Auftragslage beurteilen, ob sie ihre Preise erhöhen oder Personal einstellen wollen.
Die wichtigste Antwort wird an erster Stelle abgefragt: "Wir beurteilen unsere Geschäftslage als..."
Darauf können die Firmen mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" antworten.
Ein Computerprogramm berechnet später aus den Werten die Statistik. (dpa)
Der Ifo-Index seit Januar 2012

Januar 2012: 108,2

Februar 2012: 109,6

März 2012: 109,8

April 2012: 109,7

Mai 2012: 106,7

Juni 2012: 105,2

Juli 2012: 103,2

August 2012: 102,2

September 2012: 101,4

Oktober 2012: 100,0

November 2012: 101,5

Dezember 2012: 102,4

Januar 2013: 104,2 (dapd)

(dpa/abendblatt.de)
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