11.01.13

Autoshow NAIAS

VW, BMW und Daimler fahren in Amerika vor

Auf der traditionsreichen Automesse in Detroit sind Absatzprobleme in Europa kein Thema. Deutsche Autobauer sind in Goldgräberstimmung.

Von Daniel Schnettler, Harald Schmidt
Foto: dpa
VW Passat in der US-Version
Ein VW Passat in der US-Version vor dem Volkswagen-Werk im US-amerikanischen Chattanooga, Tennessee. Fast 1,3 Millionen Autos haben deutsche Hersteller im vergangenen Jahr in den USA verkauft, ein Plus von satten 21 Prozent und neuer Rekord

Detroit. Diese Zahl wäre noch vor kurzem undenkbar gewesen: Fast 1,3 Millionen Autos haben deutsche Hersteller im vergangenen Jahr in den USA verkauft, ein Plus von satten 21 Prozent und ein neuer Rekord. Der Arbeiter aus dem Süden griff zum VW Jetta, der Banker von der Ostküste leistete sich einen 3er BMW. Und das alles, während sich in Europa die Menschen den Autokauf zweimal überlegen.

Die Vereinigten Staaten sind derzeit zusammen mit China der große Wachstumsmarkt für die Autobauer. Hier entscheidet sich das Schicksal der Branche. Wer hier gut aufgestellt ist, kann auch die Flaute in anderen Teilen der Welt leichter überstehen.

"Das Plus in den USA könnte ähnlich groß sein wie das Minus in Europa: Nämlich rund 600.000 bis 700.000 Fahrzeuge", sagt Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB. Entsprechend wichtig ist für die Konzerne die Auto Show in Detroit, die am Montag (14. Januar) beginnt. Es ist der größte Branchentreff in Nordamerika und die erste bedeutende Automesse des Jahres.

Wohl noch nie konnten VW, BMW oder Daimler so selbstbewusst in Detroit auftreten. "Die große Dynamik, die den US-Markt derzeit kennzeichnet, wurde von den deutschen Konzernmarken sogar deutlich übertroffen", sagte Deutschland oberster Autolobbyist Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, als die Verkaufszahlen auf dem Tisch lagen. Der Gesamtmarkt war um 13 Prozent gewachsen und damit nur etwa halb so stark.

Jedes elfte in den USA verkaufte Auto trägt mittlerweile das Emblem eines deutschen Herstellers. Was sich vielleicht wenig anhört, ist ein Riesenerfolg, wenn man bedenkt, dass Volkswagen die einzige Massenmarke ist und der Rest der Verkäufe von den Oberklasse-Herstellern stammt. Der Großteil des Zuwachses geht dann auch auf das Konto von VW. Seitdem die Wolfsburger im Süden der USA ein Werk gebaut haben und dort ihren günstigeren US-Passat montieren, boomt das Geschäft. Binnen drei Jahren konnte VW den Absatz mehr als verdoppeln.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Die "Big Three" General Motors, Ford und Chrysler haben die große Krise des Jahres 2009 verdaut – und daraus gelernt. Spritsparende Motoren, ansprechendes Design und gute Verarbeitung sind längst kein Privileg der deutschen Hersteller mehr. Auch die Asiaten sind traditionell stark in den USA. Toyota und Honda verkaufen jeder für sich genommen mehr Autos als alle Deutschen zusammen, Nissan und das südkoreanische Duo Hyundai/Kia sind nahe dran.

Kein Wunder, dass von der Autoshow in Detroit wieder Goldgräberstimmung ausgehen dürfte – auch wenn Experten nach dem satten zweistelligen Plus des Vorjahres in diesem Jahr nur ein Marktwachstum von höchstens 5 Prozent erwarten. "Nach den trüben Jahren 2008 bis 2010 und der Insolvenz von General Motors und Chrysler dürfte wieder Aufbruchstimmung herrschen", sagt Schwope.

Trotz der starken Konkurrenz aus Asien rechnen die deutschen Hersteller damit, auch in diesem Jahr die amerikanische Kundschaft für sich gewinnen zu können. "Deutsche Hersteller werden in jedem Fall stärker wachsen als der Gesamt-US-Markt", ist Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler überzeugt.

Aus Sicht von Eric Heymann von der Deutschen Bank sprechen die attraktive Modellpalette oder die Fertigung vor Ort dafür, dass VW, Audi, Mercedes, Porsche oder BMW ihre Marktanteile weiter ausbauen werden: "Die deutschen Hersteller treffen mit ihren Produkten den Geschmack der Kunden, und das in fast allen wichtigen Märkten der Welt." Ein weiterer Vorteil sei, dass sie in der Oberklasse besonders stark sind. Dort ist der Preisdruck niedriger ist als bei Klein- und Kompaktwagen, bei denen die Konkurrenz aus Asien die Nase vorne hat.

Wichtige Auto-Neuheiten in 2013

Alfa Romeo bringt im Sommer den Sportwagen 4C auf den Markt. Er gilt als Herausforderer des Porsche Cayman.

Audi baut die Modellfamilie des A3 weiter aus: Ab dem Frühjahr wird es den Kompaktwagen erstmals als Stufenheck und womöglich schon ab Herbst als Cabrio geben. Außerdem sind ein sportlicher S3 mit 184 kW/250 PS und ein RS7 in der Oberen Mittelklasse zu erwarten.

Bentley will den aktuellen Continental nicht länger nur als Coupé und Cabrio, sondern auch als Limousine bauen.

BMW bringt eine Coupé-Variante des 1er und erneuert den 5er GT. Buchstäblich spannend wird es zum Jahresende: Dann startet mit dem i3 das erste Elektroauto der Bayern. Ebenfalls Neuland betritt BMW mit dem Active Tourer, der Ende 2013 als erster Van in Serie geht.

Chevrolet feiert den 60. Geburtstag der Corvette mit einer Neuauflage des US-Klassikers. Ab Mitte des Jahres soll der Sportwagen auch in Europa zu haben sein.

Citroën lässt die Sonne rein und bietet den DS3 ab Frühjahr auch als Cabrio an.

Dacia startet im Januar den Verkauf des Sandero. Später im Jahr wird es das billigste Kompaktklassemodell der Republik auch als Kombi geben.

Ferrari bringt den Erben des legendären Enzo auf den Weg. Der Supersportwagen wird voraussichtlich über eine Million Euro kosten.

Fiat erweitert die 500er-Familie im Frühjahr um den 500L Trekking mit mehr Bodenfreiheit. Im Herbst folgt die XL-Version mit sieben Sitzen.

Ford musste wegen der geplanten Werksschließung im belgischen Genk eine wichtige Premiere verschieben: Der neue Mondeo lässt noch bis 2014 auf sich warten. Vorher gibt es ab Frühjahr 2013 die Neuauflage des Geländewagens Kuga und einen 134 kW/182 PS starken Fiesta ST. Ebenfalls auf dem Plan stehen eine Sport- und eine Elektroversion des Focus sowie der kleine Geländewagen EcoSport zum Jahresende.

Honda beginnt das Jahr mit einem neuen, kleineren Dieselmotor für den Civic. Eine Neuauflage des Supersportwagens NSX ist in Planung - aber für 2013 noch nicht fest versprochen.

Hyundai bringt den Kompakten i30 im Frühjahr auch als Dreitürer.

Infiniti hat für 2013 eine kleine Elektro-Limousine auf Basis des Nissan Leaf auf dem Zettel. Außerdem ist der Nachfolger der G-Serie für die Mittelklasse zu erwarten.

Jaguar spendiert dem XF und dem XJ in den nächsten Wochen einen Allradantrieb. Später lassen die Briten als ersten zweisitzigen Sportwagen seit dem E-Type den neuen Roadster F-Type vom Stapel.

Kia will Familienväter mit der neuen Großraumlimousine Carens in der Kompaktklasse ködern. Wem der Siebensitzer zu spießig ist, bekommt bei den Koreanern zum Jahresende einen neuen Soul.

Lamborghini setzt seine Kunden an die frische Luft: Ab dem Frühjahr gibt es den 515 kW/700 PS starken Aventador auch als Roadster.

Land Rover bringt Varianten des neuen Range Rover auf den Markt. Im Frühjahr kommt eine Sportversion, im Herbst der Hybrid und danach zum Jahreswechsel eine Langversion.

Lexus tritt mit der dritten Generation des IS gegen Autos wie die Mercedes C-Klasse und den 3er BMW an. Die Markteinführung ist für Juni geplant.

Maserati hat für Anfang 2013 als neues Flaggschiff die nächste Generation des Quattroporte versprochen. Die Luxuslimousine wird zwar leichter, aber trotzdem länger - und macht so Platz im Portfolio für das kleinere Modell Ghibli, das zum Jahresende kommt.

Mazda startet mit dem neuen Mazda6 als Limousine und Kombi. Im Sommer folgt auf das Mittelklassemodell die nächste Generation des Kompaktwagens Mazda3.

Mercedes setzt 2013 voll auf Limousinen: Im Frühjahr gibt es die überarbeitete E-Klasse, im Sommer den CLA als stufig geschnittenen Ableger der A-Klasse und im Herbst als neues Flaggschiff die nächste S-Klasse. Dazu kommt der Supersportwagen SLS mit Batterieantrieb und als extrastarkes Sondermodell Black Series. In der Geländewagenflotte kündigt sich Nachwuchs an: Auf der Automesse IAA im September in Frankfurt am Main wird ein SUV auf Basis von A- und B-Klasse stehen.

Mini lanciert als vorerst letzte neue Modellvariante im Frühjahr das SUV-Coupé Paceman. Dann konzentriert sich die BMW-Tochter auf den Generationswechsel beim dreitürigen Grundmodell, das zum Jahresende erneuert wird.

Mitsubishi schickt den Kleinwagen Colt in den Ruhestand und führt stattdessen den Mirage ins Feld.

Nissan hat Pläne für einen Nachfolger des kleinen Vans Note. Einen Vorgeschmack auf das Auto gab bereits die Studie Invitation.

Opel treibt es bunt und startet im Januar mit der Auslieferung des kleinen Lifestyle-Modells Adam. Wenig später folgt das neue Cabrio Cascada, zum Herbst bekommt der Insignia eine Modellpflege.

Peugeot baut die 208-Familie aus. Es wird einen neuen GTI, eine Lifestyle-Variante und ein Mini-SUV auf Basis des Kleinwagens geben.

Porsche beginnt 2013 mit dem neuen Cayman und beendet das Jahr mit dem kleinen Cayenne-Bruder Macan. Dazwischen liegen neue Motor- und Karosserievarianten für den 911, ein Plug-in-Hybridantrieb für den Panamera und der Verkaufsstart des Hybrid-Boliden 918 Spyder

Renault schickt den winzigen Van Modus in den Ruhestand und ködert die Kunden ab dem Frühjahr stattdessen mit einem kleinen Geländewagen im Stil der Studie Capture. Außerdem kommt der neue Clio als Kombi und Sportmodell.

Rolls-Royce bringt eine weitere Variante des Ghost: Ab dem Sommer wird der kleine Bruder des Phantom auch als Coupé erhältlich sein.

Seat schafft bei der neuen Leon-Generation mehr Auswahl: Der spanische VW-Golf-Bruder steht ab Frühjahr auch als sportlicher Dreitürer in den Showrooms der Händler und ab Herbst erstmals als Kombi.

Subaru bietet ab dem Frühjahr die nächste Auflage des Allradkombis Forester an. Das 177 kW/240 PS starke Topmodell Forester 2.0XT mit Turbo-Boxer soll ein eigenständiges Design bekommen.

Suzuki bereitet die Nachfolge des SX4 vor. Das Mini-SUV wird durch die Serienversion der Studie S-Cross vom Pariser Salon ersetzt.

Volvo bockt den neuen V40 auf und bietet das kompakte Steilheck als Crossover-Modell XC40 an.

VW macht den neuen Golf zum Oberhaupt einer großen Modellfamilie: Für 2013 geplant sind ein neuer GTI, eine Erdgas-Version, ein Kombi und als erster elektrischer VW der e-Golf. Gleich zum Jahresanfang gibt es den Beetle auch als Cabrio und den Jetta mit Hybridantrieb. Im Frühjahr ist die Kleinserie des Einliter-Autos XL1 zu erwarten.

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