30.11.12

HSV-Torhüter

René Adler: "Ich habe gelernt zu entspannen"

Dank eines Spezialtrainings fand HSV-Torwart René Adler zu seiner Hochform - und das, ohne die innere Balance zu verlieren.

Von Kai Schiller
Foto: WITTERS/Witters Sport-Presse-Fotos
René Adler
Der Eindruck, René Adler würde beim HSV durchhängen, täuscht gewaltig. Der Torwart ist seit Wochen in der Form seines Lebens. Ganz entspannt

Hamburg. Natürlich hat René Adler mit dieser Antwort gerechnet. "Der Rüdiger wollte doch bestimmt, dass erst mal ich sagen soll, was er geantwortet hat", sagt der HSV-Torhüter, noch bevor er mit einer Einschätzung seines früheren Entdeckers konfrontiert werden kann. Der Rüdiger, das ist Adlers ehemaliger Torwarttrainer Rüdiger Vollborn, der seinen früheren Zögling wohl so gut wie kein Zweiter kennt. Und tatsächlich hatte Vollborn im Gespräch mit dem Abendblatt darum gebeten, zunächst mal Adler raten zu lassen, ob er von dessen starken Saisonleistungen überrascht wäre. "Sicherlich hat Rüdiger geantwortet, dass er keineswegs überrascht sei", orakelt Adler, "er hat mir immer wieder eingebläut, dass ich die einmalige Gabe hätte, nach langer Pause sofort Topleistungen zu bringen."

Selbstverständlich hat Adler recht, doppelt recht sogar. Er scheint ein einmaliges Naturtalent zu haben, und genau das hat auch der Rüdiger hervorgehoben. "Wenn Sie ihn gefragt haben, können Sie ihm ruhig sagen, dass ich keineswegs über seine Entwicklung überrascht bin", sagte der frühere Torwarttrainer von Bayer Leverkusen, "ich wusste genau, dass er trotz seiner langen Verletzung mindestens genauso stark zurückkehren würde." Nur über die Frage nach dem Warum müssen sowohl Vollborn als auch Adler länger nachdenken. "René ist kompletter als früher", sagt schließlich Vollborn, "er ist immer noch ein besessener Perfektionist, ist aber gleichzeitig durch die lange Zwangspause lockerer geworden."

Was sich widersprüchlich anhört, ergibt gleichzeitig Sinn. "Ich trainiere tendenziell immer noch eher zu viel als zu wenig, kenne meinen Körper aber mittlerweile viel besser. Ich habe gelernt, auch mal ganz einfach nur zu entspannen." In Absprache mit HSV-Torwarttrainer Ronny Teuber trainiert Adler nach einem eigenen Trainingsplan. "Ich bin nicht mehr so verbissen wie früher, brauche meine innere Balance."

Neben dem täglichen Torwarttraining auf dem Platz ist Adler deswegen auch ein regelmäßiges Spezialtraining im Athleticum des UKE besonders wichtig. Unter Anleitung von UKE-Athletiktrainer Stefan Patra, der die zweistündige Einheit gemeinsam mit Torwarttrainer Teuber nach den speziellen Bedürfnissen Adlers konzipiert hat, absolviert der 27-Jährige jeden Dienstag ein Extraprogramm. Ähnlich wie sonst nur Hochspringer oder Sprinter macht er plyometrische Übungen, eine besondere Art von Schnellkrafttraining, trainiert die Kraftausdauer, verfeinert die Sprungkraft und lässt sich mit Elektrotherapie behandeln. "René ist ein absoluter Vollprofi", lobt Patra, "körperlich ist er so fit wie wahrscheinlich noch nie zuvor in seiner Karriere, und zusätzlich ist er mental unglaublich stark."

Medizinisch hat laut Patra ein Sportler durchschnittlich seinen körperlichen Höhepunkt bereits mit 25 Jahren erreicht. Dass Adler ausgerechnet in diesem Alter die wohl schwerste Phase seiner Karriere durchmachte, zunächst die WM 2010 wegen einer Rippenverletzung verpasste und später auch noch eine komplette Saison wegen einer langwierigen Knieverletzung fehlte, kann laut Patra sogar einen positiven Randaspekt haben: "Natürlich fehlen ihm fast zwei Jahre seiner Karriere, aber gleichzeitig hat er in dieser Zeit weniger Verschleißerscheinungen. René ist tatsächlich fitter denn je." Wird Adler nicht durch eine erneute Verletzung gestoppt, prognostiziert Patra dem Hamburger noch viele Jahre auf höchstem Niveau. "Es gibt keinen Grund, warum René nicht auch mit 35 Jahren noch Spitzenleistungen bringen kann", sagt der 45-jährige Trainingswissenschaftler.

Ganz so weit in die Zukunft will Adler drei Tage vor dem Auswärtsspiel gegen den VfL Wolfsburg am Sonntag (17.30 Uhr) nun aber nicht schauen. "Natürlich ist Wolfsburg schlagbar", sagt der Keeper, der sich aber besonders auf das letzte Auswärtsspiel der Saison zwei Wochen später bei Ex-Klub Bayer Leverkusen freut. Dort wird natürlich auch Entdecker Vollborn im Stadion mit dabei sein. "Ich werde mir einen schönen Stehplatz auf dem C-Rang suchen und den Auftritt von René genießen", sagt der Rüdiger, der Ähnliches von seinem früheren Zögling erwartet: "René hatte im letzten Jahr beinahe mit seiner ganzen Profikarriere abgeschlossen. Nun kann auch er endlich wieder alles genießen." Und damit hat selbst Adler wohl nicht mehr gerechnet.

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