26.05.13

Champions-League-Finale

"Generation Schweinsteiger" gekrönt – BVB trotzig

Tanzeinlagen zum Triumph – mit einer rauschenden Party hat der FC Bayern seine Krönung in Europa zelebriert. Und der BVB? Nach einem großen Fußball-Abend blickte Jürgen Klopp trotzig nach vorn.

Von Klaus Bergmann, Heinz Büse und Arne Richter
Foto: Getty Images

Philipp Lahm (l.) und Bastian Schweinsteiger ist die Erleichterung nach dem ersten internationalen Titel ihrer Karriere anzumerken
Philipp Lahm (l.) und Bastian Schweinsteiger ist die Erleichterung nach dem ersten internationalen Titel ihrer Karriere anzumerken

London. Bastian Schweinsteiger trieb Europas neue Fußball-Könige auf der Bühne des Bankettsaals zu meisterlichen Party-Leistungen, sogar Jupp Heynckes ließ beim nächtlichen Titel-Tänzchen die Hüften kreisen. Auch bei der Feier des großen Triumphs präsentierten sich die Bayern-Stars als Champions – jetzt soll noch das historische Triple her. "Wir haben in sechs Tagen wieder ein Finale, aber ich glaube, mit 1,8 Promille haben wir trotzdem eine Chance", rief Karl-Heinz Rummenigge den Titel-Helden zu. Im Rausch der Gefühle kündigte Siegtorschütze Arjen Robben einfach mal eine Feier über "zwei, drei Tage" an, während drei Kilometer weiter beim Dortmunder Empfang Tränen kullerten.

Ausgelassen tanzten Schweinsteiger, Robben & Co. vor 2000 geladenen Gästen in ihren "FOOTBALL IS COMING HOAM"-Shirts mit dem Henkelpott, den Kapitän Philipp Lahm nach dem glorreichen 2:1-Sieg gegen Borussia Dortmund um 22.54 Uhr im Londoner Wembley Stadion in den Abendhimmel gereckt hatte. Von Bundestrainer Joachim Löw bis zu FIFA-Präsident Joseph Blatter gab es Glückwünsche nach einer Sternstunde im deutschen Vereinsfußball, an der auch der unterlegene Ruhrgebiets-Rivale großen Anteil hatte. Für Schweinsteiger und Lahm gab es kurz vor der Trophäen-Übergabe noch eine Extra-Umarmung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Kings of Europe 2013" zeigte die Leuchtschrift an, als der Pott endlich bei ihnen war.

"Ich freue mich besonders für die Generation Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm, dass sie den großen Titel heute gewonnen haben", betonte ein tief bewegter und immer wieder mit "Jupp, Jupp, Jupp"-Rufen gefeierter Bayern-Trainer Heynckes nachts im "Grosvenor House". "Es ist für diese Generation die Krönung ihrer Laufbahn, wenn man nicht gerade Weltmeister wird – das steht uns noch bevor..." Der 68-Jährige selbst darf nach dem DFB-Pokal-Finale in einer Woche gegen den VfB Stuttgart auf dem Höhepunkt seiner Schaffensphase abtreten.

"Wir wollen das Triple gewinnen", verkündete Kapitän Lahm, als er am Sonntagabend im regnerischen und windigen München zusammen mit Trainer Heynckes als Erster den Sonderflieger verließ. Fix und fertig sahen die Helden des Vortages nicht aus, aber einen weiteren Tag zur Erholung von den Party-Nachwirkungen gibt es dennoch. Erst am Dienstag nimmt das Team die Vorbereitung auf den nächsten Titel für das erste Triple der Vereins-Geschichte auf.

Weiter riesengroßer Titelhunger bei den Bayern, dagegen Tränen und Trotz beim BVB. Bei allem Stolz regierte bei den Dortmundern der Frust, daran konnte auch aufmunternder Applaus der rund 1400 Gäste bei der "schwarz-gelben Nacht" im imposanten Natural History Museum von London nichts ändern. "Es fühlt sich immer noch ein bisschen Scheiße an", bekannte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei seiner Rede. Gegen den Fußball-Riesen Europas war man Stunden zuvor trotz aller Leidenschaft und phasenweisen Volldampf-Fußballs verdientermaßen als Verlierer vom Rasen geschlichen.

"Jetzt gehen wir in den Urlaub, und dann kaufen wir ein paar Spieler. In zwei Jahren ist das Finale in Berlin. Das wäre vielleicht ein guter Platz, um in ein weiteres Champions-League-Finale einzuziehen", erklärte ein mitgenommener Klopp, der als erster Gratulant bei Heynckes zur Stelle war. Der Bayern-Trainer erzählte wenig später, dass er davon ausgeht, dass Robert Lewandowski wie Mario Götze bald zum FC Bayern geht. Das schmeckte den Borussen nicht, passte aber zum traurigen Abend des entthronten deutschen Meisters. Die Titel sind weg – und nach Götze wohl noch ein weiterer Weltklasse-Spieler.

Dagegen stehen die Bayern als neue Fußball-Macht in Europa da. "Bayern München und Borussia Dortmund errichten dem Fußball ein Monument. Es ist nicht wichtig, wer der Sieger war. Gewonnen hat der Fußball. Gewonnen hat Deutschland", huldigte das spanische Blatt "Sport" (Sonntag). "Natürlich merkt man: Der deutsche Fußball ist auf dem Vormarsch und hat Europa bestimmt", schwärmte auch Teammanager Oliver Bierhoff nach dem gemeinsamen TV-Nachmittag des DFB-Teams in Florida. In der Heimat feierten oder trauerten derweil Hunderttausende beim Public Viewing; mit 21,61 Millionen TV-Zuschauern bei der ZDF-Übertragung wurde der höchste Wert bei einem Club-Spiel in Deutschland gemessen.

"Was für ein Kampf, was für eine Klasse! Europa hat ein ganz großes Endspiel erlebt", betonte Bierhoff. Eine neue Ära im europäischen Vereinsfußball könnte durch Heynckes und die Seinen eingeleitet worden sein. "Pep Guardiola übernimmt eine perfekt funktionierende Mannschaft", bemerkte Heynckes, der 15 Jahre nach dem Erfolg mit Real Madrid als erst dritter Trainer mit zwei verschiedenen Teams die Champions League gewann. Heynckes' Satz erinnerte an Franz Beckenbauer, der nach dem WM-Triumph mit dem DFB-Team 1990 in Italien an Berti Vogts ebenfalls eine Mannschaft übergab, die er "auf Jahre hinaus" für unschlagbar erklärte. Vogts hatte unter dieser "kaiserlichen" Vorgabe zu leiden; auch Guardiola wird ein schwieriges Erbe antreten.

Rührselig ging es am Samstagabend zu, als Schweinsteiger dem von seiner Steueraffäre geplagten Präsidenten Uli Hoeneß auf der Tribüne den Pokal in die Hände drückte und dieser ihn unter frenetischen "Uli-Uli-Uli"-Rufen der Fans gerührt, aber nur sehr dezent in die Höhe hob. "Das ist nicht mein Titel", sagte der angeschlagene Vereinspatron. Es war eine Fußball-Nacht mit großen Gesten und Emotionen. "Meine Frau hat zu mir gesagt, ich habe die Spieler umarmt wie meine eigenen Söhne", erzählte Rummenigge gerührt auf der Bühne: "Mir treibt's gerade ein bisschen die Tränen in die Augen."

Im ersten deutschen Königsklassen-Finale wurden die Bayern in London für alles entschädigt, was sie in den verlorenen Endspielen 2010 gegen Inter Mailand und beim Elfmeter-Drama "dahoam" gegen den FC Chelsea durchleiden mussten. "Was wir heute erlebt haben, war das Sport-Comeback des Jahres", schwärmte Rummenigge.

Emotional war auch das Fußball-Märchen um Robben. Ausgerechnet der Niederländer, der im Vorjahr mit Elfmetern im Champions-League-Finale gegen Chelsea und gegen Dortmund in der Meisterschaft gescheitert war, erzielte nach der Führung durch Mario Mandzukic (60.) und dem Ausgleich durch Dortmunds Ilkay Gündogan (68./Foulelfmeter) kurz vor Schluss (89.) das Tor seines Lebens. Vor einem Jahr war Robben noch einer der größten Verlierer unter den geprügelten Vize-Bayern, nun war er völlig losgelöst. Innig umarmte und küsste er im Festsaal seine Frau Bernadien. "Das ist ein Traum nach vielen großen Enttäuschungen. Du willst am Ende nicht der Loser sein."

Dortmund gegen Bayern: Stimmen zum Spiel

Jupp Heynckes: "Besonders in der ersten Halbzeit haben wir nicht gut ins Spiel gefunden. In der Pause habe ich schon einige Korrekturen vorgenommen. Wir waren Favorit, diese Bürde war in den ersten 20 Minuten zu spüren. Dann haben wir uns peu a peu befreit und nach der Pause wesentlich besser gespielt. Wir haben für diesen Erfolg unheimlich hart gearbeitet. Zu meiner Zukunft kann ich sagen, dass meine Entscheidung, was ich nach dem 30. Juni mache, schon im letzten Sommer nach dem verlorenen Champions-League-Finale gefallen ist."

Thomas Müller: "Ich bin körperlich am Ende. Ich bin geputzt, habe Krämpfe links und rechts. Dieses Jahr bin ich nicht vom Platz gegangen. Für Jupp Heynckes freut es mich besonders. Wenn man in der Bundesliga eine Rekordsaison spielt, wenn es sein vermeintlich letztes Jahr ist und er jetzt das Triple holen kann... da kannst du froh sein, dass du 68 bist und nicht 28, sonst müsstest du auch aufhören."

Mats Hummels: "Natürlich ist gegen die Enttäuschung nicht anzukommen. Besonders, wenn es kurz vor Schluss durch ein Zufallsprodukt passiert, auch wenn die Bayern in der zweiten Halbzeit besser waren. Am Ende sind wir etwas müde geworden."

Roman Weidenfeller: "Wir sind voller Stolz, dass wir den Bayern so Paroli geboten haben. Die Niederlage ist für uns sehr traurig, weil wir bisher eine klasse Champions League gespielt haben. Aber wir greifen nächstes Jahr neu an."

Bastian Schweinsteiger: "Es war ein bisschen schwierig. Es fühlt sich anders an in so einem Finale. Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen. Ich bin froh, dass es geklappt hat. Wir haben eine überragende Saison gespielt. Der Trainer hat den größten Anteil daran. Er geht mit der Zeit und führt die Mannschaft vorneweg."

Arjen Robben: "Es war so ein enges Spiel, es war auf Augenhöhe. Dann die letzte Minute, ich reagiere auf Franck, er legt mir in den Lauf, ich kann ihn reinschieben. Das bedeutet mir sehr viel, ich kann es gar nicht richtig fassen. So viele Emotionen. Es haben mir viele gesagt: Du schießt dieses Tor..."

Jürgen Klopp: "Es war ein enges Spiel, das spät entschieden wurde. Nach einer langen Saison haben wir noch einmal alles auf den Platz gehauen. Aber es ist verdient. Herzlichen Glückwunsch an die Bayern, herzlichen Glückwunsch an Jupp. Ich gönne es Jupp wirklich vom Herzen. Hätten wir hier 4:0 oder 5:0 verloren, wäre das für mich viel schlimmer gewesen. Wir haben hier mitgehen können, Bayern hatte den letzten Punch. Arjen macht das natürlich stark. Man muss das akzeptieren, das ist kein Problem. Wir werden wieder angreifen, wann das gelingen wird, weiß ich nicht. Viel mehr Schlaues kann ich jetzt nicht sagen."

Philipp Lahm: "Es ist unglaublich, was sich die Mannschaft in den letzten Jahren erarbeitet hat. Heute wurde sie endlich belohnt. Wir haben viele Rückschläge wegstecken müssen."

Uli Hoeneß: "Ich freue mich unheimlich. Jupp Heynckes hat hier einen unglaublich guten Job gemacht. Ich bin überzeugt, dass der FC Bayern sportlich und wirtschaftlich für die Zukunft gut gerüstet ist. Für den FC Bayern München ist das eine unglaubliche Geschichte. Die Meisterschaft war fantastisch, aber die Königsklasse ist nun mal die Champions League. Die haben wir jetzt endlich, endlich gewonnen. Egal, was jetzt in Berlin passiert, es ist eine Wahnsinns-Saison."

David Alaba: "Das sind unglaubliche Momente, die habe ich noch nicht realisieren können. Wir haben uns das wirklich verdient. Einfach ein Wahnsinn, unglaublich. Dieser Weg da rauf, wenn man den Pokal von unten sieht, ist ein unglaublicher Moment, den vergisst man nicht so schnell. Dieser Abend wird sicher noch lustig. Sicher wird noch richtig gefeiert, das dürfen wir auch und haben es uns auch verdient."

Manuel Neuer: "Das ist ein überragendes Gefühl. Nach dem 1:1 ist mir der Arsch auf Grundeis gegangen."

Ottmar Hitzfeld: "Dortmund war sehr mutig. Solange die Kraft gereicht hat, haben sie gutes Pressing gespielt. Je länger das Spiel aber dauerte, desto stärker wurde der Favorit. Man hat den enormen Willen der Bayern gespürt."

Matthias Sammer: "Das ist im Sport mit nichts auf der Welt zu vergleichen. Die Emotionen schießen hoch, man hat Tränen in den Augen, Freude, Erleichterung, es ist alles. Einigen Spielern gönne ich es sehr. Es ist sehr wichtig, solch eine Laufbahn zu krönen, sonst hört das Gerede nie auf. Aber ich gratuliere auch dem BVB zu einer großen Saison."

Franz Beckenbauer: "Die Dortmunder wollten das Spiel der Bayern zerstören, das war ihr Ziel. Es freut mich nicht nur für Jupp Heynckes, sondern für den gesamten Klub, der von Euphorie getragen wurde. Ich finde es großartig, denn sie haben über die gesamte Saison dominant gespielt."

Sebastian Kehl: "Am Ende haben die Bayern den glücklicheren Moment gehabt und sind der glücklichere Sieger. Wir haben uns in der ganzen Welt gut präsentiert und können stolz sein. Den Titel haben wir nicht geholt, aber sehr viele Sympathien. Ich glaube, dass wir heute ein fantastisches Spiel gemacht haben. Entscheidend war, dass wir in der ersten Halbzeit kein Tor gemacht haben. Aber wir sind stolz auf das, was wir geleistet haben."

Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident): "Mein großes Kompliment geht an beide Vereine, weil sie in dieser Champions-League-Saison den deutschen Fußball sensationell vertreten und unglaublich viel für sein internationales Ansehen getan haben. Glückwunsch an den FC Bayern, der nach der bitteren Niederlage im vergangenen Jahr eine tolle Reaktion gezeigt und diesen Titel absolut verdient hat. Ich freue mich ganz besonders, dass mein alter Freund Jupp Heynckes seine einzigartige Trainer-Laufbahn mit diesem Triumph krönt."

Joachim Löw (Bundestrainer): "Glückwunsch an Bayern München zum Gewinn der Champions League. Vor allem gratuliere ich auch Jupp Heynckes zu diesem Erfolg. Es war ein hochklassiges, rassiges Finale mit allem, was zum Fußball gehört. Beide Mannschaften haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie zurecht im Endspiel standen. Wer dreimal innerhalb von vier Jahren in einem Champions-League-Finale steht, der hat es auch verdient, den Titel zu holen. Vielleicht waren die Bayern in diesem Jahr einfach an der Reihe."

Oliver Bierhoff (Nationalmannschafts-Manager): "Was für ein Kampf, was für eine Klasse! Europa hat ein ganz großes Endspiel erlebt. Mit Anpfiff standen elf Nationalspieler auf dem Platz. Ich gratuliere dem FC Bayern München, aber auch Borussia Dortmund, die an einem großen Finale wesentlichen Anteil hatten. Heute haben wir eine Sternstunde des deutschen Fußballs erlebt, bei der ganz Europa zugeschaut hat, und wir von Miami aus natürlich auch."

(dpa)
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