Hockey-Kolumne (19)
Nico in Indien: Unser Trainer - ein Typ wie Klopp
Hockey-Nationaltorhüter Nicolas Jacobi spielt bis Februar in Indiens neuer Profiliga und berichtet regelmäßig über seine Erfahrungen.
Hockey-Nationaltorhüter Nicolas Jacobi vom Uhlenhorster HC spielt in diesem Winter vom 14. Januar bis 10. Februar in der neu gegründeten Profiliga Hockey India League (HIL) für die Delhi Waveriders. Für abendblatt.de beschreibt der 25-Jährige seine Eindrücke in einem Tagebuch.
Ich
weiß, ich bin nicht hier, um Urlaub zu machen. Aber am Sonntag habe ich es mir
nicht nehmen lassen, mich wie ein Tourist zu benehmen. Mit ein paar
Teamkollegen haben wir uns einen Fahrer gebucht und sind zum Taj Mahal
gefahren. Dieses Mausoleum, das der Großmogul Shah Jahan im 17. Jahrhundert für
seine verstorbene Hauptfrau errichten ließ, ist eins der berühmtesten
Wahrzeichen Indiens. Es liegt in Agra, rund drei Autostunden von Delhi
entfernt, aber ich muss sagen, dass es die Fahrerei absolut wert ist. Der Bau
ist sehr beeindruckend, alles ist aus Marmor, sehr prunkvoll. Wir haben dort
eine Führung mitgemacht und uns alles angeschaut, und es war wirklich ein
toller Ausflug.
Heute
wollte ich die Zeit zwischen unserer Videobesprechung am Vormittag und dem
Training am Nachmittag nutzen, um in Delhi auf einem Schmuckmarkt ein paar
Geschenke einzukaufen. Aber das war leider eine ziemliche Touristenfalle. Das,
was da als Silberschmuck angeboten wurde, war in Wirklichkeit nur wertloses
Blech, das aber den Preis von Silberschmuck hatte. Da habe ich lieber die
Finger davon gelassen.
Der
gestrige freie Tag war wohl der letzte bis zum Saisonende, denn jetzt wartet
ein straffes Programm auf uns. Morgen Abend spielen wir um 20 Uhr gegen die
Punjab Warriors, am Mittwoch gegen die Ranchi Rhinos, dann geht es wieder auf
Auswärtstour mit drei Spielen innerhalb von sechs Tagen. Bislang habe ich von
unserem Trainer Ajay Kumar Bansal noch kein Zeichen bekommen, dass er mir mal
ein Spiel Pause geben wird und meinen Ersatzmann Pirmin Blaak spielen lassen
will. Mir ist das recht, ich spiele gern jedes Spiel. Für Pirmin ist das
natürlich nicht so schön. Vielleicht bekommt er ja seine Chance, wenn wir uns
sicher fürs Halbfinale qualifiziert haben.
Unser
Trainer pflegt grundsätzlich einen sehr lockeren und freundschaftlichen Umgang
mit den Spielern. Er ist zwar schon Ende 50, ein kleiner, dicker, gemütlicher
Mann, aber vom Typ her ist er wie Jürgen Klopp. Die Gestaltung der
Trainingseinheiten und auch die Videosessions überlässt er weitgehend seinen
beiden Assistenten, dafür macht er das Coaching bei den Spielen und ist auch
für die Taktik zuständig. Wobei ich sagen muss, dass sich die meisten sowieso
nicht an die taktischen Vorgaben halten, sondern eher das tun, was sie für
richtig erachten. Aber der Erfolg mit sechs Siegen aus sechs Spielen gibt uns
recht.
Mein
früherer UHC-Teamkollege Philip Sunkel, der im vergangenen Jahr in der
Konkurrenzliga hier in Indien gespielt hat, hatte mir erzählt, dass die indischen
Spieler meist starr an der vorgegebenen Taktik festhalten, auch wenn diese
nicht zum Erfolg führt. Das kann ich in unserem Team gar nicht beobachten. Hier
bringen sich alle Spieler ein und ändern im Spiel auch mal spontan die
Ausrichtung, wenn es nötig ist. Was aber auffällt ist, dass die einheimischen
Spieler dem Trainer mit größerem Respekt und manchmal sogar beinahe einer
Unterwürfigkeit begegnen, die wir Ausländer nicht gewohnt sind. Der Trainer
spricht mit manchen Indern auch Hindi, weil sie kein Englisch verstehen. Aber
grundsätzlich macht er von sich aus keinen Unterschied zwischen Indern und
Ausländern. Ich finde seine Arbeit sehr angenehm. Und so lange wir gewinnen,
gibt es für ihn ja auch keine Veranlassung, daran etwas zu ändern.
Ich
melde mich morgen wieder, dann hoffentlich mit dem siebten Sieg im Rücken!
Viele Grüße, Euer Nico















