17.01.13

Hockey-Kolumne (10)

Nico in Indien: Überleben im Verkehrs-Chaos von Delhi

Hockey-Nationaltorhüter Nicolas Jacobi spielt bis Februar in Indiens neuer Profiliga und berichtet regelmäßig über seine Erfahrungen.

Foto: WITTERS
Nicolas Jacobi
Olympiasieger Nicolas Jacobi

Hockey-Nationaltorhüter Nicolas Jacobi vom Uhlenhorster HC spielt in diesem Winter vom 14. Januar bis 10. Februar in der neu gegründeten Profiliga Hockey India League (HIL) für die Delhi Waveriders. Für abendblatt.de beschreibt der 25-Jährige seine Eindrücke in einem Tagebuch.

Eigentlich war heute ja ein Ruhetag angesagt, aber an Ruhe war nicht zu denken, denn mein Zimmerpartner Oskar Deecke und ich hatten die Idee, zu einer Shopping-Mall zu fahren. Also bestiegen wir eines der Taxis, von denen es in Delhi mehr zu geben scheint als Einwohner, und stürzten uns in den indischen Verkehr. Das wichtigste Utensil, was alle Autos oder auch die vielen Motorrad-Rikschas hier haben müssen, ist die Hupe. Da es keinerlei Vorfahrtsregeln zu geben scheint, sondern derjenige zuerst fährt, der zuerst da ist, braucht es die Hupe, um sich bemerkbar zu machen. Denn Rückspiegel sind hier entweder gar nicht vorgesehen oder werden schlicht missachtet. Wenn man als Deutscher hier selber fahren müsste, dann würde man wohl nach ein paar hundert Metern einen Nervenzusammenbruch erleiden.

Weil die Straßen sehr voll waren und Delhi eine große Stadt ist, merkten wir irgendwann, dass wir die Mall nicht mehr erreichen würden, ohne unsere Teilnahme am Nachmittagstraining zu gefährden, und da wir hier nicht wenig Geld dafür bekommen, um Hockey zu spielen, gab es keine andere Alternative als umzudrehen. So sparten wir immerhin Geld, das wir beim Einkaufen auf den Kopf gehauen hätten.

Die Nachmittagseinheit bestand im Wesentlichen aus Krafttraining und Pflege. Unser Funktionsteam ist sehr gut, wir haben einen Teamarzt, einen Masseur und einen Physiotherapeuten, die immer verfügbar sind. Alle drei Inder, sehr nett, sehr kompetent, da gibt es wirklich keinen Grund zu klagen.

Morgen früh werden wir schon um 5 Uhr mit dem Teambus abgeholt und zum Flughafen gebracht. Wir fliegen nach Lucknow, wo wir am Sonnabend um 11.30 Uhr gegen die Uttar Pradesh Wizards spielen. Der Flug dauert wohl nur 45 Minuten. Mal schauen, wie es so ist, in Indien einen Inlandsflug zu machen. Manche berichten von abenteuerlichen Szenen mit lebenden Tieren an Bord, aber wahrscheinlich ist das alles Unsinn.

Großer Unsinn ist es in jedem Fall, dass wir für die Zeit unserer sechstägigen Auswärtsreise unsere Hotelzimmer räumen müssen. Das heißt, wir müssen unser gesamtes Gepäck packen. Zwar müssen wir nicht alles mitnehmen, sondern können es zwischenlagern, aber das Ganze ist trotzdem nervig. Ich hatte gehofft, dass wir das Zimmer für die Dauer der Saison behalten würden. Aber da der Klub auf Reisen ja auch Hotelkosten hat, kann ich das auch irgendwie verstehen.

Heute Abend ist noch ein Teammeeting geplant, auf dem wir besprechen wollen, wie wir auf die erzwungenen Abgänge unserer pakistanischen Spieler reagieren. Alle anderen Klubs haben bereits neue Ausländer verpflichtet, wir hängen etwas hinterher, bräuchten aber dringend noch mindestens einen guten Abwehrmann. Davon müssen wir nun noch unseren Trainer und die Teamleitung überzeugen. Mal schauen! Ich melde mich morgen aus Lucknow. Viele Grüße, Euer Nico

(HA)
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