Stralsund P+S-Insolvenzverwalter: 700 Millionen-Forderungen berechtigt

Foto: dpa

Rund 100 Gläubiger kamen nach Stralsund. Die Nachrichten, die Insolvenzverwalter Brinkmann überbrachte, sorgten für Ernüchterung.

Stralsund. Zulieferer und andere Kleingläubiger können nur mit wenig Geld aus der Insolvenzmasse der P+S-Werften rechnen. Die Quote, nach der die nicht gesicherten Forderungen bedient werden, liege voraussichtlich zwischen ein und drei Prozent, sagte Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann nach der Gläubigerversammlung am Donnerstag in Stralsund. Die Quote sei damit "denkbar gering".

Rund 2.300 Gläubiger hatten Ansprüche in Höhe von insgesamt 988 Millionen Euro angemeldet. Nach Brinkmanns Angaben sind rund 700 Millionen Euro berechtigt, davon sind rund 200 Millionen Euro gesicherte Forderungen von Land und Banken. Größter Einzelgläubiger ist das Bankenkonsortium Nord LB und KfW-Bank mit rund ein Drittel der Gesamtforderungssumme.

Das Insolvenzverfahren für die vorpommersche Werftengruppe war am 1. November 2012 eröffnet worden. Während für die Wolgaster Werft mit der Bremer Lürssen-Werft ein Käufer gefunden wurde, rechnet Brinkmann nicht damit, dass es vor dem Frühjahr zu einem Verkauf der Stralsunder Schwesterwerft kommt. Aber es gebe Fortschritte, sagte Brinkmann. Mit dem Neuabschluss des Vertrages mit der dänischen Reederei DFDS würden von nächster Woche an wieder rund 500 von einst 1.200 Schiffbauern auf der Stralsunder Werft arbeiten. Dem vor einer Woche unterzeichneten Vertrag muss noch das dänische Verteidigungsministerium zustimmen.

Für die IG Metall ist die Wiederaufnahme der Arbeiten nach elfwöchiger Unterbrechung eine "Nagelprobe für den Standort". Potenzielle Käufer würden sehen, dass in Stralsund eine der modernsten Kompaktwerften Deutschlands stehe, sagte der IG metall-Bevollmächtigte Guido Fröschke.

Wie Insolvenzverwalter Brinkmann weiter mitteilte, ist eine noch bestehende Hürde beim Verkauf des Wolgaster Schiffbaubetriebes Werft an Lürssen genommen. Land und Nord LB hätten eine Löschungsbewilligung für belastete Werftengrundstücke erteilt. Damit könne die Werft lastenfrei an die Lürssen-Werft übertragen werden. Die auf den Marine- und Yachtenbau spezialisierte Werft in Bremen übernimmt den Wolgaster Betrieb mit 360 Mitarbeitern zum 1. Mai 2013. Der Kaufpreis von rund 20 Millionen Euro geht an die Vorranggläubiger.

Die Gläubigerversammlung, an der rund 100 Gläubiger teilnahmen, bestätigte Brinkmann in seiner Funktion als Insolvenzverwalter. Das Insolvenzverfahren von P+S sei ein "Musterbeispiel" für die Zusammenarbeit von Insolvenzverwaltung, Betriebsräten, Gewerkschaft und Politik, sagte IG-Metallbevollmächtigte Guido Fröschke. Auch in Insolvenzrichter Dirk Mueller-Koebl sprach von einem in der Sache unkomplizierten Verfahren.

Die Gläubiger waren am Vormittag mit unterschiedlichen Erwartungen nach Stralsund gekommen. Transportunternehmer Andreas Wulf aus Cuxhaven sagte, er sei wütend. Einen sechsstelligen Betrag habe seine Firma bei der Werft offen. "Die, die das vergeigt haben, sitzen heute leider nicht hier".

Simone Prestin, Verwaltungsleiterin einer Fachschule für Technik auf dem Stralsunder Dänholm ist gekommen, um ihrer Forderung über 12.000 Euro Nachdruck zu verleihen. Die private Schule hat Techniker für die P+S-Betriebe ausgebildet. P+S schuldet der Bildungseinrichtung nun die Lehrgangsgebühren. Nach der Gläubigerversammlung ist sie ernüchtert. "Wir werden ganz wenig Geld bekommen, wenn überhaupt. Und das wird Jahre dauern", sagte sie.