14.01.13

Nach Werftenkrise

P+S-Werft in Stralsund wird wieder angefahren

Rund 120 Schiffbauer haben begonnen, die Arbeitsplätze an den Rohbauten der Schiffe für die dänische Reederei DFDS einzurichten.

Foto: dpa
P+S-Werften
Das Firmenschild der P+S-Werften am Eingang zur Volkswerft in Stralsund

Stralsund. Nach mehr als zweieinhalb Monaten Stillstand geht die Arbeit in den Schiffbauhallen der insolventen P+S-Werft in Stralsund weiter. Rund 120 Schiffbauer haben am Montag begonnen, die Arbeitsplätze an den Rohbauten der beiden Schiffe für die dänische Reederei DFDS einzurichten und damit die Voraussetzungen für deren Weiterbau zu schaffen, sagte der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, Stefan Säuberlich, am Montag.

Ende vergangener Woche hatte die Reederei den von der Werft seit Jahresbeginn erwarteten Vertrag unterzeichnet und den Weg für den Weiterbau der Schiffe freigemacht. "Das war ein gutes Signal", sagte Säuberlich. "Wir brauchen eine Grundauslastung, damit die Werft verkauft werden kann." DFDS will 84 Millionen Euro für die im Mai 2011 auf Kiel gelegten, je 195 Meter langen Fährschiffe zahlen.

Während auf der Schwesterwerft in Wolgast auch nach der Insolvenz Schiffbauaufträge abgearbeitet wurden, ruhten die Arbeiten in Stralsund. Die dänische Reederei DFDS hatte wie auch die Scandlines die laufenden Verträge gekündigt. Im Gegensatz zu Scandlines handelte DFDS einen neuen Vertrag mit besseren Konditionen mit der insolventen Werft aus. Land und Bund sichern den Fähren-Bau mit einer Bürgschaft über 43,5 Millionen Euro ab.

Bis auf eine Kernmannschaft von 200 Mitarbeitern in Verwaltung und Konstruktion wechselten am 1. November in Stralsund knapp 1000 Schiffbauer in eine Transfergesellschaft. Aus diesem Pool gehen nun mehrere hundert Schiffbauer in die Betreibergesellschaft über. "In Spitzenzeiten werden 300 bis 350 Mitarbeiter an den Schiffen arbeiten", sagte Säuberlich. Auch Zulieferer – etwa aus der Elektro- und Rohrbaubranche – sollen von der kommenden Woche an wieder mit Arbeiten an den Schiffen beauftragt werden. Das erste Schiff für die Dänen soll im August 2013 ausgeliefert werden, das zweite im Dezember.

P+S – Das Auf und Ab der Werften

Chronologie der P+S-Werften

1948 wurden die Volkswerft Stralsund und die Peene-Werft Wolgast gegründet.

1992 übernimmt die Bremer Hegemann-Gruppe die einstige Marinewerft in Wolgast. Jahrelang hat die Peene-Werft volle Auftragsbücher.

Juli 2007: Die Hegemann-Gruppe übernimmt die Volkswerft Stralsund. Sie will in die Produktion besonders großer Containerschiffe einsteigen.

Februar 2009: Infolge der Wirtschaftskrise werden in beiden Werften die Aufträge knapp. Reedereien stornieren Schiffsneubauten.

März 2009: Hegemann kündigt die Umstellung auf den Spezialschiffbau an.

Juni 2009: Finanz- und Wirtschaftsministerium geben grünes Licht für eine Bürgschaft über 9 Millionen Euro.

Juni 2010: Die beiden Werften stellen sich unter dem Namen P+S- Werften neu auf. Die Hegemann-Gruppe hält einen Anteil von 7 Prozent, die HSW Treuhand- und Beteiligungsgesellschaft ist mit 93 Prozent beteiligt.

August 2010: Die Belegschaften erklären sich zu kostenloser Mehrarbeit bereit, um die weitere Sanierung der Werften zu sichern.

August 2011: Die P+S-Werften erhalten einen weiteren Millionenauftrag über den Bau von zwei Offshore-Installationsschiffen.

März 2012: Land, Bund und Banken einigen sich auf Unterstützung bei der Finanzierung von Schiffbauaufträgen. Grund sind die teureren Spezialschiffe.

Mai 2012: Ein Finanzloch von 200 Millionen Euro gefährdet den Fortbestand. Das Land ist grundsätzlich zu erneuter Hilfe bereit, braucht aber die Zustimmung der EU und sieht auch Bund, Banken, das Unternehmen und die Belegschaft mit in der Verantwortung.

Juni 2012: Es stellt sich heraus, dass fast 300 Millionen Euro Umstrukturierungsbeihilfe nötig sind. Die Mitarbeiter erklären sich bereit, sich an der Rettung mit 68 Millionen Euro zu beteiligen. Schwerin sagt ein Darlehen von bis zu 152,4 Millionen Euro zu.

Juli 2012: Die EU-Kommission genehmigt die staatliche Garantie für die P+S Werften unter Vorbehalt.

August 2012: Der frühere Airbus-Manager und Sietas-Werftsanierer Rüdiger Fuchs wechselt als Unternehmenschef an die Spitze der P+S-Werften. Er deckt größere Probleme als bisher bekannt auf, darunter Lieferverzögerungen für Scandlines-Fähren und zwei Spezialfrachter.

20. August: Das Land stoppt die Hilfen.

1. November: Gut zwei Monate nach dem Insolvenzantrag für die P+S-Werften eröffnet das Amtsgericht Stralsund das Insolvenzverfahren. Die Gläubiger haben Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe, auch das Land.

 Quelle: dpa

(dpa)
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