16.01.13

Insolvente Werft

Gläubiger der P+S-Werften tagen am Donnerstag

Laut Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann belaufen sich die Forderungen aller Gläubiger zusammen auf etwa 988 Millionen Euro.

Von Grit Büttner
Foto: dpa
P+S-Werft in Stralsund wird wieder angefahren
Die insolvente P+S-Werft in Stralsund

Bad Doberan/Stralsund. Harald Selck (61) will gewinnen, nicht untergehen. Der gelernte Schiffbauer führt seit gut 20 Jahren das Familienunternehmen KLH in Bad Doberan, eine Ausgründung aus der früheren Neptunwerft Rostock. Mit der Pleite der P+S-Werften in Stralsund und Wolgast erlebt der Kühlanlagenbauer inzwischen die dritte Insolvenz eines wichtigen Auftraggebers, wie er sagt. Holzmann 2002, Wadan-Werften 2009 und jetzt P+S. Die ersten beiden Pleiten brachten ihm zusammen 1,6 Millionen Euro Verluste ein, die jetzige allein 1,7 Millionen Euro, wie Selck bilanziert. Er fühle sich betrogen und von der Politik belogen. Deshalb wolle er noch im Januar die Schweriner Landesregierung auf Amtshaftung verklagen, sagt er.

In Stralsund findet am Donnerstag die erste Gläubigerversammlung nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die P+S-Werften statt. Laut Verwalter Berthold Brinkmann belaufen sich die Forderungen aller Gläubiger zusammen auf etwa 988 Millionen Euro. Allein die Zulieferer sollen älteren Angaben zufolge zusammen eine Summe von rund 50 Millionen Euro geltend machen.

Die Schiffbaubetriebe mit rund 1800 Beschäftigten hatten im August 2012 Insolvenz angemeldet. Noch im Juni bewilligten Land und Bund Kreditbürgschaften über 152 Millionen Euro. Davon wurden bis Mitte August gut 70 Millionen Euro ausgereicht, ehe das Land wegen fortwährender Finanzprobleme der Werften die Zahlungen einstellte. Vor allem Bauverzögerungen bei zwei von der Reederei Scandlines georderten Fähren hatten die Liquidität von P+S geschmälert.

In einem Krisengespräch im Juni habe die Landesregierung die Zulieferer noch zu Zugeständnissen aufgefordert, schildert Harald Selck. "Die haben uns ins Feuer geschickt." So wurde immer weiter an die Werften geliefert, obwohl ein Konkurs damals möglicherweise schon absehbar war, wie Selck heute meint. "Mittendrin aufhören zu liefern, das geht nicht für einen Systemlieferanten." Insofern fühle er sich vom Land falsch informiert, sagt er. Schließlich habe die Regierung einfach den Geldhahn für die Werften zugedreht, ohne Rücksicht auf die Zulieferer, vermutet der Unternehmer.

1,7 Millionen Euro brutto habe KLH in den Bau der beiden Scandlines-Fähren versenkt. Die komplette Klimatisierung und Lüftung der Schiffe sei in Bad Doberan entwickelt und gebaut und bis auf Reste nach Stralsund geliefert und teils schon installiert worden. Zwei Jahre Arbeit steckten in dem Projekt, sagt Ingenieur Uwe Krey.

Den Verlust federe jetzt ein neuer Auftrag für das vier Millionen Euro teure Kühlsystem einer Offshore-Plattform der Nordic-Werft Wismar teilweise ab, so Selck. So sei die monatelange Kurzarbeit für 25 der 55 Beschäftigten der KLH Montage GmbH inzwischen beendet. Die Auftragsbücher seien wieder bis 2014 gefüllt.

Die Klage auf Amtshaftung des Landes werde er noch diesen Monat beim Landgericht Schwerin einreichen, betont Harald Selck. "Ich will gewinnen, nicht untergehen", sagt er. Auf Rückzahlungen aus der Insolvenzmasse von P+S an die Lieferanten hoffe er indes nicht. "Ums Geld geht es längst nicht mehr, nur noch um Gerechtigkeit."

P+S – Das Auf und Ab der Werften

Chronologie der P+S-Werften

1948 wurden die Volkswerft Stralsund und die Peene-Werft Wolgast gegründet.

1992 übernimmt die Bremer Hegemann-Gruppe die einstige Marinewerft in Wolgast. Jahrelang hat die Peene-Werft volle Auftragsbücher.

Juli 2007: Die Hegemann-Gruppe übernimmt die Volkswerft Stralsund. Sie will in die Produktion besonders großer Containerschiffe einsteigen.

Februar 2009: Infolge der Wirtschaftskrise werden in beiden Werften die Aufträge knapp. Reedereien stornieren Schiffsneubauten.

März 2009: Hegemann kündigt die Umstellung auf den Spezialschiffbau an.

Juni 2009: Finanz- und Wirtschaftsministerium geben grünes Licht für eine Bürgschaft über 9 Millionen Euro.

Juni 2010: Die beiden Werften stellen sich unter dem Namen P+S- Werften neu auf. Die Hegemann-Gruppe hält einen Anteil von 7 Prozent, die HSW Treuhand- und Beteiligungsgesellschaft ist mit 93 Prozent beteiligt.

August 2010: Die Belegschaften erklären sich zu kostenloser Mehrarbeit bereit, um die weitere Sanierung der Werften zu sichern.

August 2011: Die P+S-Werften erhalten einen weiteren Millionenauftrag über den Bau von zwei Offshore-Installationsschiffen.

März 2012: Land, Bund und Banken einigen sich auf Unterstützung bei der Finanzierung von Schiffbauaufträgen. Grund sind die teureren Spezialschiffe.

Mai 2012: Ein Finanzloch von 200 Millionen Euro gefährdet den Fortbestand. Das Land ist grundsätzlich zu erneuter Hilfe bereit, braucht aber die Zustimmung der EU und sieht auch Bund, Banken, das Unternehmen und die Belegschaft mit in der Verantwortung.

Juni 2012: Es stellt sich heraus, dass fast 300 Millionen Euro Umstrukturierungsbeihilfe nötig sind. Die Mitarbeiter erklären sich bereit, sich an der Rettung mit 68 Millionen Euro zu beteiligen. Schwerin sagt ein Darlehen von bis zu 152,4 Millionen Euro zu.

Juli 2012: Die EU-Kommission genehmigt die staatliche Garantie für die P+S Werften unter Vorbehalt.

August 2012: Der frühere Airbus-Manager und Sietas-Werftsanierer Rüdiger Fuchs wechselt als Unternehmenschef an die Spitze der P+S-Werften. Er deckt größere Probleme als bisher bekannt auf, darunter Lieferverzögerungen für Scandlines-Fähren und zwei Spezialfrachter.

20. August: Das Land stoppt die Hilfen.

1. November: Gut zwei Monate nach dem Insolvenzantrag für die P+S-Werften eröffnet das Amtsgericht Stralsund das Insolvenzverfahren. Die Gläubiger haben Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe, auch das Land.

 Quelle: dpa

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