Insolvente Werft Gläubiger der P+S-Werften tagen am Donnerstag

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Laut Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann belaufen sich die Forderungen aller Gläubiger zusammen auf etwa 988 Millionen Euro.

Bad Doberan/Stralsund. Harald Selck (61) will gewinnen, nicht untergehen. Der gelernte Schiffbauer führt seit gut 20 Jahren das Familienunternehmen KLH in Bad Doberan, eine Ausgründung aus der früheren Neptunwerft Rostock. Mit der Pleite der P+S-Werften in Stralsund und Wolgast erlebt der Kühlanlagenbauer inzwischen die dritte Insolvenz eines wichtigen Auftraggebers, wie er sagt. Holzmann 2002, Wadan-Werften 2009 und jetzt P+S. Die ersten beiden Pleiten brachten ihm zusammen 1,6 Millionen Euro Verluste ein, die jetzige allein 1,7 Millionen Euro, wie Selck bilanziert. Er fühle sich betrogen und von der Politik belogen. Deshalb wolle er noch im Januar die Schweriner Landesregierung auf Amtshaftung verklagen, sagt er.

In Stralsund findet am Donnerstag die erste Gläubigerversammlung nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die P+S-Werften statt. Laut Verwalter Berthold Brinkmann belaufen sich die Forderungen aller Gläubiger zusammen auf etwa 988 Millionen Euro. Allein die Zulieferer sollen älteren Angaben zufolge zusammen eine Summe von rund 50 Millionen Euro geltend machen.

Die Schiffbaubetriebe mit rund 1800 Beschäftigten hatten im August 2012 Insolvenz angemeldet. Noch im Juni bewilligten Land und Bund Kreditbürgschaften über 152 Millionen Euro. Davon wurden bis Mitte August gut 70 Millionen Euro ausgereicht, ehe das Land wegen fortwährender Finanzprobleme der Werften die Zahlungen einstellte. Vor allem Bauverzögerungen bei zwei von der Reederei Scandlines georderten Fähren hatten die Liquidität von P+S geschmälert.

In einem Krisengespräch im Juni habe die Landesregierung die Zulieferer noch zu Zugeständnissen aufgefordert, schildert Harald Selck. "Die haben uns ins Feuer geschickt." So wurde immer weiter an die Werften geliefert, obwohl ein Konkurs damals möglicherweise schon absehbar war, wie Selck heute meint. "Mittendrin aufhören zu liefern, das geht nicht für einen Systemlieferanten." Insofern fühle er sich vom Land falsch informiert, sagt er. Schließlich habe die Regierung einfach den Geldhahn für die Werften zugedreht, ohne Rücksicht auf die Zulieferer, vermutet der Unternehmer.

1,7 Millionen Euro brutto habe KLH in den Bau der beiden Scandlines-Fähren versenkt. Die komplette Klimatisierung und Lüftung der Schiffe sei in Bad Doberan entwickelt und gebaut und bis auf Reste nach Stralsund geliefert und teils schon installiert worden. Zwei Jahre Arbeit steckten in dem Projekt, sagt Ingenieur Uwe Krey.

Den Verlust federe jetzt ein neuer Auftrag für das vier Millionen Euro teure Kühlsystem einer Offshore-Plattform der Nordic-Werft Wismar teilweise ab, so Selck. So sei die monatelange Kurzarbeit für 25 der 55 Beschäftigten der KLH Montage GmbH inzwischen beendet. Die Auftragsbücher seien wieder bis 2014 gefüllt.

Die Klage auf Amtshaftung des Landes werde er noch diesen Monat beim Landgericht Schwerin einreichen, betont Harald Selck. "Ich will gewinnen, nicht untergehen", sagt er. Auf Rückzahlungen aus der Insolvenzmasse von P+S an die Lieferanten hoffe er indes nicht. "Ums Geld geht es längst nicht mehr, nur noch um Gerechtigkeit."