Nach Insolvenz Gläubiger der P+S-Werften tagen in Stralsund

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Nach der Werft-Insolvenz fordern Gläubiger fast eine Milliarde Euro. Von Zusammenkunft mit Insolvenzverwalter erhoffen sie sich Aufklärung.

Stralsund. Die erste Gläubigerversammlung nach der Insolvenz der P+S-Werften hat am Donnerstag in Stralsund begonnen. Banken, Land und Bund sowie Zulieferer und auch Mitarbeiter - insgesamt rund 2300 Gläubiger – haben Forderungen in Höhe von rund 988 Millionen Euro angemeldet. Rund 100 von ihnen kamen nach Angaben der Werft nach Stralsund, um sich persönlich von Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann über die finanzielle Lage der Werften und die Chancen auf Begleichung ihrer Forderungen informieren zu lassen. Das Amtsgericht hatte mit rund 300 Teilnehmern an der nicht öffentlichen Versammlung gerechnet.

Für die Werften in Stralsund und Wolgast war im November das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Für die Werft in Wolgast wurde inzwischen mit der Bremer Lürssen-Werft ein Käufer gefunden, für Stralsund wird ein Käufer gesucht.

Fahrzeugkolonnen mit schweren Limousinen und älteren Kleinwagen fuhren am Morgen vor das Werfttor der P+S-Werften. Unter ihnen auch Transportunternehmer Andreas Wulf aus Cuxhaven. Er war wütend: Einen sechsstelligen Betrag habe seine Firma bei der Werft offen. "Die, die das vergeigt haben, sitzen heute leider nicht hier", sagte er, bevor er durch das Werkstor fuhr.

Simone Prestin, Verwaltungsleiterin der Fachschule für Technik auf dem Stralsunder Dänholm, kam, um ihrer Forderung über 12 000 Euro Nachdruck zu verleihen. Die private Schule hat Techniker für die P+S-Betriebe ausgebildet. P+S schuldet der Bildungseinrichtung nun die Lehrgangsgebühren. "Ich glaube nicht, dass wir unser Geld erhalten werden", sagte sie. Sorgen plagten auch die Chefin der Strela Gebäudereinigung, Heike Scheel: 23 Mitarbeiter ihrer Firma mussten nach der P+S-Pleite gehen.

Nach Angaben des Amtsgerichtes will Insolvenzverwalter Brinkmann den Gläubigern die Tabelle mit den Forderungen vorlegen. Den Gläubigern steht das Recht zu, Widerspruch einzulegen. Erwartet wurde, dass Brinkmann bekanntgibt, welche Forderungen anerkannt oder bestritten werden, wie Gerichtssprecher Dirk Simon sagte.

Im Dezember konnte die Wolgaster Werft für knapp 20 Millionen Euro an die Bremer Lürssen-Werft verkauft werden. Der Verkauf steht allerdings unter Vorbehalt. Grundpfandgläubiger – hauptsächlich das Land und Banken – müssten auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten. Für die Stralsunder Werft, auf deren Grundstücken ebenfalls Grundschulden eingetragen sind, wird ein Käufer gesucht.

Größter Einzelgläubiger ist das Bankenkonsortium der Nord LB und der KfW Ipex-Bank. Allein die beiden Banken haben einen Betrag von mehr als 300 Millionen Euro angemeldet. Das Wirtschaftsministerium des Landes macht Forderungen über 117 Millionen Euro für ein Darlehen und die Rettungsbeihilfe geltend. Darüber hinaus sieht sich das Finanzministerium mit einem maximalen Ausfallrisiko in Höhe von 219,7 Millionen Euro konfrontiert.

Ob und wie viel Geld vor allem die Kleingläubiger, zu denen auch die regionalen Zulieferer gehören, erhalten werden, ist ungewiss. Angaben über eine mögliche Quotenzahlung seien bislang nicht möglich, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Älteren Angaben zufolge belaufen sich die Forderungen der Zulieferer auf rund 50 Millionen Euro.