Drohende Werften-Insolvenz P+S-Krise: Zähes Ringen um Scandlines-Fährschiffe

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Reederei Scandlines wartet auf Lösungsvorschläge der Werft, die Werft wartet auf ein Gespräch. Fremdfirmen kehren zurück. Die Zeit drängt.

Stralsund. In den zähen Verhandlungen der von Insolvenz bedrohten P+S-Werften mit der Reederei Scandlines über zwei neue Fähren verrinnt für die Beschäftigten wertvolle Zeit. Die Reederei bewertete am Montag den Kontakt mit dem angeschlagenen Schiffbauer zurückhaltend. "Wir haben noch immer keinen konkreten Lösungsvorschlag erhalten, der als Grundlage für Gespräche dienen könnte", sagte eine Sprecherin der Reederei. Bisher habe es nur einen ersten Schriftverkehr gegeben, um eine Gesprächsbasis auszuloten.

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Die P+S-Geschäftsführung wies die Vorwürfe zurück. Man habe Scandlines durchaus konkrete Lösungsverschläge unterbreitet und auch detaillierte Fragen beantwortet. Auf einen von der Werftengruppe für Dienstag vorgeschlagenen Gesprächstermin sei Scandlines nicht eingegangen, sagte ein Werftensprecher. Ein Gespräch zwischen der Werft und dem Hauptauftraggeber Scandlines kommt wohl demnach frühestens am Donnerstag und Freitag zustande.

Ende dieser Woche sind die Löhne der rund 1750 Werftarbeiter fällig. Unklar ist weiter, ob diese von P+S oder bereits als Insolvenzgeld gezahlt werden. Ein Insolvenzantrag lässt sich nur vermeiden, wenn Kunden und Lieferanten zu finanziellen Zugeständnissen bereit sind. Vor einer Woche hatten Land und Bund die staatliche Rettungsbeihilfe für die Werften gestoppt.

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Ende voriger Woche war bekanntgeworden, dass sich die Auslieferung der Scandlines-Fähren wegen weiter ungelöster Bauprobleme nochmals auf 2013 verschieben wird. Scandlines kritisierte die Werft, zuvor nicht offiziell über die neuen Liefertermine informiert zu haben. Unklar ist, wie hoch die Vertragsstrafen für die verspätete Auslieferung der Fähren ausfallen. Ursprünglich sollten sie schon im Sommer den Dienst aufnehmen.

Unter der P+S-Belegschaft in Stralsund wird spekuliert, ob Scandlines angesichts der Finanzprobleme auf der Werft inzwischen pokert, um die Fähren zu einem weitaus geringeren Preis zu kaufen als vereinbart. Ursprünglich wollte Scandlines 230 Millionen Euro für Fähren und Kaianleger zahlen.

"Scandlines setzt darauf, dass die Fähren aus der Insolvenzmasse heraus billiger zu haben sind", sagte ein Insider aus der Belegschaft. Die Reederei könne sich dabei aber auch verrechnen. Denn die Fähren besäßen – wenn einmal fertiggestellt – einen extrem hohen Ausstattungsgrad und wären auch für andere Fährlinien attraktiv.

Unterdessen gibt es auf der Schwesterwerft in Wolgast erste Anzeichen dafür, dass die Gespräche von Werftenmanager Rüdiger Fuchs gefruchtet haben. Zwei Fremdfirmen, die sich nach dem Stopp der staatlichen Rettungsbeihilfe vor einer Woche zunächst zurückgezogen hatten, hätten inzwischen wieder Arbeiter auf die Werft geschickt, sagte Betriebsrat Carsten Frick. Die Belegschaft habe derzeit voll zu tun. Neben der Fertigstellung und Erprobung von zwei Schiffen für die schwedische Küstenwache arbeiteten die rund 600 Schiffbauer in Wolgast an Stahl-Sektionen für zwei Spezialfrachter, die die dänische Reederei DFDS A/S bestellt hat, sowie für drei der fünf Frachter für die grönländische Royal Arctic Line. Daneben seien die Werftarbeiter mit Marineaufträgen beschäftigt.

Werftenmanager Rüdiger Fuchs hatte vor einer Woche angekündigt, die Wolgaster Peene-Werft mit einem "im Kern tragfähigen Geschäftsmodell" an einen Investor verkaufen zu wollen, während die Stralsunder Werft zunächst wieder in einen "leistbaren Tritt" gebracht werden solle. Weil die Staatshilfe von 152,4 Millionen Euro nicht bis zur voraussichtlichen Genehmigung der Umstrukturierung durch Brüssel Ende 2013 gereicht hätte, hatten Land und Bund die Zahlungen gestoppt. Seitdem droht der Werft die Zahlungsunfähigkeit. (dpa)