28.01.13

Sexismus-Debatte

Suding: "Ich kann keine Grenzüberschreitung erkennen"

Die Hamburger Fraktionschefin über FDP-Freund Rainer Brüderle, die Grenze zwischen harmlosen Flirts und Überschreitungen.

Von Andreas Dey und Nina Paulsen
Foto: pa/dpa
Brüderle und Suding - Pressestatement
Die Vorsitzende der FDP-Bürgerschaftsfraktion, Katja Suding, und Rainer Brüderle, frisch gekürter FDP-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl

Hamburg. Am Vorabend des Dreikönigstreffens der FDP vor einem Jahr soll der heutige FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle eine "Stern"-Journalistin bedrängt haben. Katja Suding, FDP-Fraktionschefin in der Hamburger Bürgerschaft und Mitglied im FDP-Bundesvorstand, nimmt Brüderle gegen Sexismus-Vorwürfe in Schutz.

Hamburger Abendblatt: Rainer Brüderle hat gegenüber einer "Stern"-Journalistin Anspielungen auf ihre Oberweite gemacht, ihr seine "Tanzkarte" angeboten und sich ihr auch körperlich genähert - jedenfalls schildert sie es so. Welche Grenzen hat er überschritten?

Katja Suding: Ich war an dem Abend zwar auch in der Bar, aber ich habe das Gespräch nicht mitbekommen. Daher kann ich zu dem Sachverhalt nichts sagen. Grenzen sind immer dann überschritten, wenn einer der Beteiligten das empfindet. Dann muss er oder sie das klar äußern und dann muss das Ganze ein Ende haben.

Die "Stern"-Reporterin Laura Himmelreich schildert es ja so, dass sie Brüderle zurechtgewiesen, er ihr aber weiter Avancen gemacht hat. Ist das nicht eine Grenzüberschreitung?

Suding: Frau Himmelreich hat ja selbst gesagt, dass sie es nicht als übergriffig empfunden hat, eben weil sie sich gewehrt hat. Insofern kann ich da keine Grenzüberschreitung erkennen. Ich wundere mich aber über den Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts.

Viele Ihrer Parteifreunde werfen dem "Stern" eine Kampagne gegen Brüderle vor.

Suding: Wenn ich eine Geschichte ein Jahr nach dem Ereignis veröffentliche und zwei Tage nachdem die betroffene Person zum Spitzenkandidaten gemacht wurde, dann muss ich mir sehr kritische Fragen gefallen lassen, welche Intention dahinterstecken könnte.

Ist es nicht merkwürdig, sich auf den "Stern" zu stürzen, anstatt zu fragen, was Ihr Spitzenkandidat gemacht hat?

Suding: Wenn man sich den Bericht genau anschaut, wirft die Reporterin Herrn Brüderle ja gar keinen Übergriff vor. Wenn die Vorkommnisse wirklich nicht in Ordnung oder gar übergriffig waren, hätte sie es sofort öffentlich machen müssen.

Die Debatte dreht sich auch grundsätzlich um die Eignung des FDP-Spitzenmanns. Inwiefern teilen Sie die Kritik am "Herrenwitz" Brüderle?

Suding: Aus meiner Sicht ist das nichts, was Herrn Brüderle beschädigt. Wir haben mit der Doppelspitze aus Philipp Rösler und Rainer Brüderle sehr gute Chancen im Wahlkampf. Diese Lösung hat meine volle Unterstützung.

90 Prozent der Bürger fordern, dass Rainer Brüderle sich entschuldigt. Sie auch?

Suding: Öffentlich halte ich das für unnötig. Ansonsten kann das nur Frau Himmelreich selbst sagen, ob sie eine Entschuldigung für angemessen hält.

Können Sie nachvollziehen, dass man sich als junge Journalistin in so einer Situation unwohl fühlt?

Suding: Wenn das so ist, dann sollte man das deutlich sagen. Was Frau Himmelreich ja auch gemacht hat.

Inwiefern sollten Politiker und Journalisten grundsätzlich eine professionelle Distanz halten?

Suding: Professionalität ist immer wichtig, aber man sollte auch nicht verkrampfen. Nach Mitternacht an der Bar kann der Umgang auch mal lockerer sein - und zwar von beiden Seiten.

Wie sexistisch ist das Politikgeschäft?

Suding: Politik ist nicht sexistischer als andere Branchen auch. Ich bin erst seit zwei Jahren Berufspolitikerin und war vorher im Kommunikations-Bereich. Überall, wo Menschen aufeinandertreffen, wird nun einmal auch geflirtet. Und das darf auch so sein.

Wie oft erleben Sie persönlich sexuelle Anspielungen?

Suding: Wie gesagt: Überall wird geflirtet. Und damit kann ich auch umgehen. Wenn mir etwas nicht gefällt, sage ich das sehr deutlich. Dazu kommt es aber nur selten. Ich kann mich an keinen Vorfall erinnern, mit dem ich nicht leben konnte

Seit Beginn der Debatte berichten viele Frauen von sexistischen Übergriffen, 58 Prozent der Frauen geben an, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein. Hat unsere Gesellschaft ein Problem?

Suding: Ich kann diese Erfahrungen für mich persönlich nicht bestätigen und habe auch nicht das Gefühl, ständig sexuell belästigt zu werden. Ich kann nur jede Frau und jeden Mann ermuntern, den Mund aufzumachen und sich zu wehren, wenn einem eine Situation nicht gefällt. Das muss vom Gegenüber akzeptiert und verstanden werden. Insofern ist die Diskussion grundsätzlich wichtig.

Ihre Parteifreundin Silvana Koch-Mehrin hat einmal gesagt, es wäre "dumm", ihr gutes Aussehen nicht einzusetzen. Auch Sie bekommen wegen Ihres Aussehens viel Aufmerksamkeit. Setzen Sie als Politikerin gezielt darauf?

Suding: Prinzipiell wundere ich mich darüber, dass man diese Frage nur Frauen stellt. Aber abgesehen davon sind es immer nur die anderen, die mich auf mein Aussehen ansprechen. Ich selbst spreche nie darüber. Ich würde gern über Politik reden. Ich kann die Aufmerksamkeit, die ich deshalb bekomme, nicht beeinflussen. Ich finde es sehr oberflächlich, Menschen wegen ihres Aussehens zu bevorzugen oder auch zu benachteiligen.

Zudem beklagt sich Koch-Mehrin darüber, dass die FDP Schlusslicht in Sachen Gleichberechtigung sei.

Suding: Aus Hamburger Sicht ist das Gegenteil der Fall. Wir haben eine weibliche Doppelspitze in Fraktion und Partei.

Auf Bundesebene ist es anders. Keine andere Partei hat so wenige weibliche Mitglieder wie die Liberalen.

Suding: Das finde ich auch schade. Es wäre schön, wenn wir mehr Frauen in der Führung hätten, und wir sollten mehr dafür tun, dass sich Frauen in der FDP engagieren.

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