09.01.13

Staatsbesuch

Deutschland und Malta wollen langfristige EU-Finanzplanung

Der Ministerpräsident von Malta Lawrence Gonzi zu Besuch bei Kanzlerin in Berlin. Merkel lobte die wirtschaftliche Entwicklung von Malta

Foto: dapd
Merkel empfaengt den maltesischen Premierminister Gonzi
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Premierminister von Malta, Lawrence Gonzi, geben am Dienstag in Berlin eine Pressekonferenz. Bundeskanzlerin Merkel empfing den Premierminister von Malta zu bilateralen Gesprächen

Berlin. Im Streit um den billionenschweren EU-Haushalt dringen Deutschland und Malta auf eine langfristige Finanzplanung. Beide Länder seien sich einig, dass schnell Klarheit hergestellt werden müsse, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Besuch des maltesischen Ministerpräsidenten Lawrence Gonzi am Mittwoch in Berlin. "Für nachvollziehbare, nachhaltige Investitionsstrukturen ist es wichtig, dass wir eine siebenjährige finanzielle Vorausschau bekommen und nicht etwa zu jährlichen Haushaltsplänen zurückkehren", sagte Merkel.

Gonzi erklärte, es sei im Interesse der EU, Stabilität zu erreichen "und auch eine gewisse Sicherheit und Vorausschaubarkeit für die Zukunft." Dies sei wichtig für die Märkte und die Wirtschaft in den einzelnen Mitgliedstaaten.

Die derzeitige EU-Haushaltsplanung läuft 2013 aus. Ohne einen neuen mehrjährigen Finanzrahmen wären langfristige Planungen unmöglich. Ende November fand in Brüssel ein Sondergipfel statt, um die Situation zu retten, eine Einigung wurde aber nicht erzielt. Der jüngste Ansatz sieht weiterhin ein Gesamtbudget von 1,01 Billionen Euro vor. Briten, Schweden, Niederländer und Dänen machen offen gegen diese Planung mobil und fordern Kürzungen. Aber auch Deutschland verlangt Streichungen.

Positive Signale aus Libyen und Tunesien

Merkel lobte Maltas wirtschaftliche Entwicklung. Es zeige sich, dass diese Entwicklung "ähnliche Probleme in der mittelfristigen finanziellen Vorausschau mit sich bringt, wie wir das aus den neuen Bundesländern in Deutschland kennen: nämlich, dass man aus den klassischen Förderkulissen herauswächst, natürlich aber keinen totalen Bruch vertragen kann." Insofern gebe es eine Reihe von Gemeinsamkeiten zwischen Malta und Deutschland, beide Länder würden "gemeinsam unsere Interessen deutlich machen."

Merkel erklärte, sie und Gonzi hätten auch über Libyen und Tunesien gesprochen. "Es war gut zu hören, dass – bei allen Schwierigkeiten, die dort auftreten – eine Reihe positiver Signale aus beiden Ländern zu verzeichnen sind". Für die EU sei es eine Verpflichtung, diesen Ländern auf dem zum Teil beschwerlichen Weg "sowohl ökonomisch als auch politisch zu helfen, wo immer das gewollt ist."

Merkel hatte Malta im Januar 2011 einen Besuch abgestattet. Mit einer Fläche von nur 326 Quadratkilometern und etwa 400.000 Einwohnern ist Malta das kleinste Mitglied der Europäischen Union. Auf der Insel befindet sich unter anderem eine Niederlassung von Lufthansa Technik und ein Werk des Spielwarenherstellers Playmobil.

(dapd/abendblatt.de)
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