07.01.13

Schutz vor Pleiten

Banken haben mehr Zeit für Liquiditätspuffer

Baseler Ausschuss beschließt Übergangsfrist von 2015 bis 2019. Auch Hypothekenpapiere und Aktien als Polster anerkannt.

Foto: dpa
Group of Governors and Heads of Supervision endorses revised liqu
Am Sonntag konnten Mervyn King, Chef der Bank of England und Vorsteher der Gruppe der Zentralbankpräsidenten, und Stefan Ingves (l.), Gouverneur der schwedischen Notenbank und Vorsteher des Basler Ausschusses, in Basel die erstmalige Festlegung einer entsprechenden Kennzahl bekanntgeben

Basel. Die Banken weltweit bekommen vier Jahre mehr Zeit für den Aufbau billionenschwerer Liquiditätspolster, mit denen sie in einer nächsten Bankenkrise eine Pleite vermeiden können. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht beschloss am Sonntag in Basel, dass die Banken die Mindest-Liquiditätsquote (LCR) schrittweise erst bis 2019 aufbauen müssen statt sie 2015 vollständig erfüllen zu müssen. Zu diesem Zeitpunkt reichen nun 60 Prozent der Reserve. Zudem erkennen die Aufseher neben Staats- und Firmenanleihen nun auch Hypothekenpapiere und unter bestimmten Voraussetzungen sogar Aktien als Liquiditätsreserven an.

Aufseher und Politiker hatten befürchtet, dass die Banken die Kreditvergabe einschränken und damit die Konjunktur abwürgen würden, wenn sie die LCR so früh wie geplant einhalten müssten. Denn Liquidität vorzuhalten, ohne sie für Kredite einsetzen zu können, ist teuer. "Die Übergangsfrist wird sicherstellen, dass der neue Liquiditätsstandard auf keinen Fall die Fähigkeit des globalen Bankensystems beeinträchtigen wird, die konjunkturelle Erholung zu finanzieren", sagte der britische Notenbankchef Mervyn King. Der Standard sei aber nicht aufgeweicht worden.

Nach einer Erhebung des Baseler Ausschusses fehlten den weltgrößten Instituten Ende 2011 nach den bisher geltenden Kriterien rund 1,8 Billionen Euro an flüssigen Mitteln, um die LCR zu erfüllen. Zwei Drittel davon entfielen auf europäischen Institute. Im Schnitt hatten die 102 weltgrößten Banken damals 91 Prozent der geforderten Liquiditätsreserven beisammen, 38 Prozent kamen allerdings auf weniger als 75 Prozent. Nun reicht es, wenn sie 2015 auf 60 Prozent kommen, danach wird die Latte jedes Jahr um zehn Prozentpunkte nach oben gesetzt. Es ist das erste Mal, dass der für weltweit einheitliche Spielregeln für Banken zuständige Baseler Ausschuss neben Kapitalvorschriften auch eine Mindest-Ausstattung an Liquidität vorschreibt.

Die Vorschriften sind eine Lehre aus der Finanzkrise. Damals waren zahlreiche Banken – wie Lehman Brothers oder die britische Bausparkasse Northern Rock – nicht an zu wenig Kapital gescheitert, sondern daran, dass die Kapitalmärkte austrockneten und sie sich in der Krise am Markt kein Geld mehr beschaffen konnten oder dass Kunden blitzschnell ihre Einlagen abzogen. Mit dem in der LCR vorgeschriebenen Reserven-Topf soll künftig jede Bank 30 Tage allein überleben können, ohne dass ihr das Geld ausgeht.

Die Aufseher schreiben auch vor, wie die Liquiditätsreserve aussehen muss. Denn sie muss im Notfall schnell zu Geld gemacht werden können. 60 Prozent davon müssen aus Barem, erstklassigen Staatsanleihen und anderen zentralbankfähigen Papieren bestehen, bis zu 40 Prozent dürfen es auch Unternehmensanleihen mit hoher Bonität sein. Nach dem Kompromiss vom Wochenende kommen weitere Firmen-Bonds, Hypothekenpapiere und Aktien dazu, die allerdings nur zum Teil angerechnet werden. Mit den Papieren müssen die in einer Krise innerhalb von 30 Tagen zu erwartende Mittelabflüsse abgedeckt sein. Auch die Annahmen, wie viel Geld welche Kunden wie schnell abziehen, wurden nun entschärft.

Um die LCR hatte es im Baseler Ausschuss Streit gegeben, vor allem um die Übergangsfristen und die Anerkennung von Aktien. Am Wochenende hatten sich daher in Basel die Notenbankchefs und die Chefs der nationalen Aufsichtsbehörden aus 27 Ländern unter dem Vorsitz Kings getroffen. Sie fungieren als Überwachungsgremium des Ausschusses. "Die LCR soll es weniger wahrscheinlich machen, dass Banken auf die Notenbanken bauen müssen, um an Liquidität zu kommen", sagte King. Doch ohne Notenbanken werde es in einer Krise nie gehen, räumte er ein. In der Finanz- und Schuldenkrise hatten Zentralbanken Billionen zur Verfügung gestellt, weil sich die Banken gegenseitig nichts mehr liehen. Nach dem Kompromiss gilt für die Liquiditätsquote nun die gleiche Übergangsfrist wie für die Kapitalregeln von "Basel III", dem Banken-Regelwerk, auf das der Ausschuss sich 2010 verständigt hatte.

2018 soll eine zweite Liquiditätsquote – die NSFR – in Kraft treten. Doch auch daran werde in den nächsten zwei Jahren noch geschraubt werden. Sie soll dafür sorgen, dass die Banken ihre langfristig ausgegebenen Kredite nicht mehr allzu kurzfristig refinanzieren. Diese Praxis hatte in der Finanzkrise Institute wie die Hypo Real Estate an den Rand des Abgrunds gebracht.

(rtr)
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