Regierung entsetzt über Bundesbankvorstand

Sarrazin-Aussage: Westerwelle spricht von Rassismus

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Vize-Kanzler Guido Westerwelle (FDP) attackiert Thilo Sarrazin. Der hatte davon gesprochen, dass sich "alle Juden ein bestimmtes Gen" teilten.

Berlin. Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin gerät wegen seiner jüngsten Äußerungen, dass sich "alle Juden ein bestimmtes Gen" teilten, unter starken Druck der Bundesregierung. Der Vize-Kanzler und Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte "BILD am SONNTAG": "Wortmeldungen, die Rassismus oder gar Antisemitismus Vorschub leisten, haben in der politischen Diskussion nichts zu suchen". Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zog die weitere Eignung Sarrazins für eine Tätigkeit im Bundesbank-Vorstand in Zweifel: "Jede Provokation hat ihre Grenzen. Diese Grenze hat der Bundesbankvorstand Sarrazin mit dieser ebenso missverständlichen wie unpassenden Äußerung eindeutig überschritten."

Scharfe Kritik an Sarrazins Thesen zu Migranten aus islamischen Ländern äußerte der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat. Er sprach von "intellektuellen Rassismus" und rief zu "massenhaften Strafanzeigen wegen Volksverhetzung" auf. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler verteidigte hingegen Sarrazins Thesen: "Die Kritiker Sarrazins sollten nicht den Eindruck erwecken, dass sie einen anders Denkenden am Aussprechen der Wahrheit hindern. Sarrazin ist nicht irgendein hergelaufener Polemiker, sondern hat in wichtigen Staatsämtern Herausragendes geleistet - was in allen Parteien auch anerkannt wurde."

Die Soziologin Necla Kelek, die Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" am Montag vorstellen wird, sagte: "Thilo Sarrazin leistet einen wichtigen Beitrag, indem er uns Muslime auffordert, über unsere Rolle in Deutschland zu reflektieren. Ihm Rassismus vorzuwerfen, ist absurd, denn der Islam ist keine Rasse sondern Kultur und Religion. Ich teile Sarrazins Sorge um Deutschland."