21.01.13

Kampf gegen Islamisten

Algeriens Geiselnehmer kamen aus Mali – weiter Kämpfe

Bei dem mehrtägigen Geiseldrama kamen nach einer ersten Bilanz der algerischen Regierung mindestens 67 Menschen ums Leben.

Foto: dpa
French military in Bamako
Ein französischer Helikopter der Bauart "Puma" in Mali

Algier/Paris/Bamako. Das Geiseldrama in der algerischen Wüste und der Kampf gegen islamistische Rebellen im Norden Malis haben eine direkte Verbindung. Die 32 Männer des Terror-Kommandos in der Gasproduktionsanlage von In Amenas im Westen Algeriens kamen direkt aus dem Nachbarland Mali. Bei dem mehrtägigen Geiseldrama kamen nach einer vorläufigen Bilanz der algerischen Regierung mindestens 67 Menschen ums Leben.

Die Aktion wurde nach Angaben des algerischen Ministerpräsidenten Abdelmalek Sellal zwei Monate lang geplant. Dabei hätten die Terroristen auf das Wissen eines in der Anlage beschäftigten Fahrers zurückgreifen können, sagte Sellal am Montag in Algier. Der Angriff war für den Fall vorbereitet, dass Algerien dem Drängen Frankreichs nach militärischer Unterstützung im Nachbarland Mali nachgibt und Überflugrechte gewährt.

Unter den Terroristen waren laut Sellal Islamisten aus Algerien, Kanada, Ägypten, Tunesien, Mali, Niger und Mauretanien. 29 Geiselnehmer seien bei den Einsätzen der algerischen Armee getötet, drei der Islamisten gefangen worden.

Mindestens 37 ausländische Geiseln aus acht Ländern kamen ums Leben. Fünf Ausländer werden weiterhin vermisst. Sieben Leichen seien noch nicht identifiziert, sagte Sellal. Zur Identifizierung der Leichen kamen ausländische Experten nach Algerien.

Nach US-Angaben wurden drei Amerikaner getötet. Man wisse von sieben amerikanischen Staatsbürgern, die überlebt hätten, sagte Victoria Nuland, Sprecherin im State Department, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Offizielle algerische Quellen hatten zuvor lediglich von einem toten Amerikaner gesprochen.

Bestätigt sind nach algerischen Angaben außerdem ein Franzose, zwei Rumänen, ein Kolumbianer, drei Briten, sechs Philippiner und sieben Japaner. Das Schicksal von drei weiteren Japanern ist laut japanischem Premierminister Shinzo Abe unklar.

Außerdem kam ein Algerier bei der von Mittwoch bis Samstag andauernden Geiselnahme ums Leben. Auf der Gasproduktionsanlage waren knapp 790 Menschen beschäftigt, darunter 134 Ausländer aus 26 Nationen. Viele konnten fliehen. Mit der Erstürmung der Gasförderanlage hatte die algerische Armee am Samstag die Geiselnahme beendet.

Gegen die Vorherrschaft der Islamisten im Norden Malis kämpft die dortige Armee mit Unterstützung französischer Einheiten weiter an. Dabei drängte die malische Armee die Rebellen aus Zentralmali zurück. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Paris sind die Städte Diabali und Douentza wieder unter Kontrolle der Regierungstruppen.

Die Franzosen unterstützten die malischen Soldaten von den naheliegenden Orten Niono und Mopti-Sevare aus, hieß es am Montag. Derweil gingen die Luftangriffe auf die von den Rebellen kontrollierten Gebiete in Nord-Mali unvermindert weiter.

Die französische Armee hat jetzt 2150 Soldaten direkt in Mali im Einsatz. Zusammen mit den aus Nachbarländern agierenden Einheiten sind 3150 französische Militärs an der Operation Serval beteiligt.

Der britische Premierminister David Cameron forderte eine engere Zusammenarbeit mit den Regierungen in der Region. Es müsse verhindert werden, dass sich "vor den Türen Europas neue terroristische Stützpunkte bilden", sagte Cameron vor dem Parlament in London.

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi kritisierte bei einer Konferenz in Saudi-Arabien den französischen Militäreinsatz in Mali. "Wir lehnen die ausländische Militärintervention in Mali ab", sagte Mursi zu Beginn eines arabischen Gipfels in Riad.

Mehrere Extremistengruppen hatten den Norden Malis vor rund zehn Monaten im Zuge eines Militärputsches erobert und dort eine strenge Auslegung der Scharia eingeführt. Nachdem sie zuletzt immer weiter in Richtung Süden vorgerückt waren, hatten französische Truppen gemeinsam mit malischen Soldaten die Militäroffensive gestartet.

(dpa)
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