21.01.13

Bürgerkrieg

Mali-Einsatz: Sponsoren verzweifelt gesucht

Frankreich muss den Krieg gegen Islamisten in Mali vorerst weitgehend allein führen. Es mangelt vor allem an Transportkapazitäten.

Von Alfred Hackensberger in Markala/Mali
Foto: REUTERS
French soldiers take up positions outside Markala
Französische Spezialtruppen in ihrem Unterstand außerhalb der Stadt Markala. Sie sichern die strategisch wichtige Straße nach Norden

Sie fahren in offenen Jeeps durch die Stadt. Die Soldaten geben sich cool mit ihren dunklen Sonnenbrillen, Tüchern über Nase und Mund gegen den Staub. Die Ausrüstung mit Monitor im Wagen, Schutzwesten, Gewehren und die Pistole im Halfter am Oberschenkel vermitteln: Diese Kerle verstehen keinen Spaß. Einzig die Menschen am Straßenrand, die ihnen freudig zuwinken und "es lebe Frankreich" rufen, zaubern ein kurzes Lächeln in ihre regungslosen Gesichter.

Die französischen Spezialtruppen sind in Markala stationiert. Ein Teil davon gehört zur Fremdenlegion. Sie bewachen eine strategisch wichtige Stahlbrücke, die sich über den hier 500 Meter breiten Fluss Niger spannt und die wichtige Straße in die 400 Kilometer entfernte malische Hauptstadt Bamako im Süden anbindet. Im Norden beginnt nach 60 Kilometern das Gebiet der islamistischen Rebellen von Ansaral-Din, der Bewegung für Einheit und Dschihad (Mujwa) sowie al-Qaida im Maghreb (Aqim). Staatliche Strukturen greifen da nicht, es ist Niemandsland.

Rund 2000 Soldaten hat Frankreich bisher nach Mali geschickt. 500 weitere sollen noch kommen, wie der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian dem Fernsehsender France 3 sagte. Die ökonomische Gemeinschaft westafrikanischer Staaten (Ecowas) will zusätzlich 3300 Soldaten schicken. Bisher sind von den 15 Ecowas-Mitgliedstaaten aber nur 100 Soldaten aus Togo und Nigeria angekommen.

Das stößt in Paris auf Unverständnis. "Frankreich blieb nichts anderes übrig, als sehr, sehr schnell zu intervenieren, sonst gäbe es kein Mali mehr", erklärte Außenminister Laurent Fabius. "Aber nun ist es an der Zeit, dass die Afrikaner die Initiative ergreifen."

Frankreich will und kann Mali nicht im Alleingang befreien. Sein Ziel ist es zunächst, die Islamisten aus dem Norden Malis zu vertreiben, den sie seit April vergangenen Jahres kontrollierten. Danach soll dem Land, das fast viermal so groß wie Deutschland ist, Sicherheit, Frieden und Stabilität garantiert werden. Das aber mögen dann die Afrikaner selbst regeln. Doch die Bereitstellung der zugesagten afrikanischen Kontingente ist ein mühsamer Prozess. Ungeklärt ist noch immer die Frage, wer den Einsatz in Mali bezahlt. Die afrikanischen Staaten warten auf Geldgeber und lassen sich Zeit, die sie nicht haben. Denn bis zu 3000 international vernetzte, gut ausgerüstete und schwer bewaffnete radikale Islamisten sind eine Gefahr für die ganze Region.

Frankreich appelliert an die internationale Gemeinschaft, sich an den Kosten zu beteiligen. "Wir müssen so schnell wie möglich die logistischen und finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, die die malische Armee und die gesamte afrikanische Mission benötigen", forderte Fabius. Am 29. Januar soll eine Sponsorenkonferenz in Äthiopien notwendige Ressourcen heben.

Auf einem Treffen der Ecowas-Staaten in der Elfenbeinküste hat Fabius versucht, den versammelten Staatsoberhäuptern die Dringlichkeit der Situation vor Augen zu führen. Er forderte sie unmissverständlich auf, "so schnell wie möglich" mit der Entsendung der versprochenen Truppen zu beginnen. Nigeria sollte die Ecowas-Eingreiftruppe aus Tschad, Benin, Ghana, Niger, Senegal, Burkina Faso und Togo anführen. Zumindest verbale Unterstützung erhielt Fabius vom Präsidenten der Elfenbeinküste. Alassane Ouattara hält eine Intervention der Ecowas für unverzichtbar. "Die Region wird sich sonst wirtschaftlich nicht erholen", meinte der Präsident. "Kein Gebiet der Welt ist mehr sicher, wenn die Dinge in Mali in die falsche Richtung laufen."

Die sporadisch eintreffenden afrikanischen Kontingente sollen sich zehn Tage lang selbst versorgen können. Wer dann die Verantwortung übernimmt, ist offen. Aber es gibt noch andere Probleme. Die Verlegung der Truppen Senegals nach Mali verschiebt sich, weil die Armee angeblich auf Munitionsnachschub für ihre Artillerie wartet. "Zudem haben wir derzeit ein grundsätzliches Problem mit der Logistik", erklärt der französische Kommandant Renaud Vidal. "Unsere Transportkapazitäten sind nicht ausreichend. Es fehlt einfach an Maschinen." Alles muss auf dem Luftweg nach Mali gebracht werden, ob Waffen, Panzer, Munition, Verpflegung oder Medizin. "Wir müssen entscheiden, was mitfliegt", meint Vidal, "Munition oder Geräte zum Aufbau der Infrastruktur." Bisher überwiegt die Munition. Russland hat Transporthilfe angeboten, ebenso Belgien, Großbritannien, Kanada, Italien und die Niederlande. Deutschland schickte zwei Transall-Transportflugzeuge der Bundeswehr.

Ein weiteres Problem stellt die mangelnde Ausbildung der Afrikaner dar. Mit Ausnahme von Nigeria und Tschad, die über kampferprobte Armeen verfügen, müssen die Truppen der anderen Länder ein zweiwöchiges Training absolvieren. Französische Ausbilder nehmen sich der afrikanischen Soldaten an. Gut ausgebildete und kampfwillige Soldaten müsste man nicht lange suchen. In Bamako warten 1000 Mann ungeduldig darauf, für ihr Land in den Krieg zu ziehen. Die sogenannten "Rotbarette" bilden eine Eliteeinheit der malischen Armee. Sie waren als Leibgarde für den Schutz von Präsident Amadou Toumani Touré verantwortlich, bis er im März 2012 vom Militär gestürzt wurde.

Hauptverantwortlicher des Putsches war Hauptmann Amadou Sanogo. "Am 1. Mai kamen seine Truppen in unsere Kaserne", erzählt der Rotbarett-Kommandant Marc Dongan. "Sanogo hatte Angst vor einer Konterrevolution und entwaffnete uns." Der Offizier ist umringt von seinen ehemaligen Soldaten. Uniform darf keiner von ihnen mehr tragen. Offiziell existiert die Garde nicht mehr. Nur wenige bekommen noch ihren Sold, der dann geteilt wird. Noch immer leben sie mit ihren Familien auf dem Kasernengelände. Sie seien von Kanadiern, US-Amerikanern und Franzosen ausgebildet worden. Die Truppe sei für die derangierte malische Armee eine große Hilfe. "Aber Sanogo will uns keine Waffen geben", sagt Dongan. Er runzelt die Stirn und fügt verärgert an: "Was ist das für eine Armee, die von einem Hauptmann befehligt wird? Er sagt Generälen, was sie zu tun haben."

So muss die Großoffensive gegen die Islamisten warten. Nach französischen Luftangriffen haben sich die Rebellen aus Konna und Diabali zurückgezogen. Ihr gefürchteter Vorstoß auf die Hauptstadt wurde vereitelt.

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