07.12.12

Hamas

Exilchef Maschaal im Gaza: Ganz Palästina befreien

Erster Besuch im Gazastreifen. Mitstreiter feiern das als Sieg über Israel. Maschaal zu Tränen gerührt, fordert Befreiung ganz Palästinas.

Foto: REUTERS
Hamaschef Khaled Meshaal (l), und Senior-Hamasführer Ismail Haniyeh (r), winken der Menge zu
Hamaschef Khaled Meshaal (l), und Senior-Hamasführer Ismail Haniyeh (r), winken der Menge zu

Gaza. Zehntausende Palästinenser haben den Exilchef der radikal-islamischen Hamas, Chaled Maschaal, bei seinem ersten Besuch im Gazastreifen begeistert empfangen. Dort pries er am Freitag den Widerstandswillen der Bevölkerung gegen Israel und forderte die Befreiung ganz Palästinas, also auch des heutigen Israels. Aus Anlass des Besuchs wurden die Feiern zum 25. Jahrestag der Hamas-Gründung am 14. Dezember 1987 auf diesen Samstag vorverlegt.

"Gaza zu besuchen ist wie meine dritte Wiedergeburt", sagte der 56-Jährige, der im Alter von elf Jahren mit seinen Eltern vor den Israelis aus dem Westjordanland, wo er geboren wurde, geflohen war. Als zweite Geburt nannte er einen knapp überstandenen israelischen Attentatsversuch. "Ich hoffe, dass ich meine vierte Wiedergeburt habe, wenn wir ganz Palästina befreit haben", fügte er hinzu.

Damit bestätigte Maschaal zwar das in der Gründungsakte der Hamas niedergelegte Ziel, auch das heutige Israel wieder unter palästinensische Kontrolle zu bringen. Dennoch gingen politische Beobachter im Gazastreifen davon aus, dass es sich um Lippenbekenntnisse handelte.

Der Mann mit dem silbergrauen Bart gilt vielen als Vertreter einer eher pragmatischen Linie und hat in der Vergangenheit einen langfristigen Waffenstillstand von bis zu 20 Jahren mit Israel vorgeschlagen, um die Lösung des Konflikts der nächsten Generation beider Seiten zu überlassen.

Auch Maschaals Gastgeber, der Chef der Hamas-Regierung in der Enklave am Mittelmeer, Ismail Hanija, gab sich kämpferisch. "Dies ist ein historischer Augenblick und ein Wendepunkt im Kampf aller Palästinenser für die Befreiung ganz Palästinas", sagte er. Dennoch tut die in den USA und Westeuropa als terroristische Organisation angesehene Hamas alles, um den Ende November mit Israel nach achttägigem blutigem Konflikt vereinbarten Waffenstillstand einzuhalten.

Auch das Verhältnis zur moderateren Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat sich verbessert. Obwohl die Fatah die Existenz Israels akzeptiert hat, durften Vertreter der 2007 von der Hamas aus dem Gazastreifen vertriebenen Organisation nun wieder zurückkehren und Maschaal zusammen mit Hamas-Funktionären begrüßen.

Am ersten Tag in Gaza besuchte Maschaal zunächst die Häuser des 2004 von Israel getöteten Hamas-Gründers, Scheich Ahmed Jassin, dessen Nachfolger er damals wurde. Außerdem wollte er auch zum Haus des am 14. November von Israel getöteten Vize-Militärchefs der Hamas, Ahmed al-Dschabari und den Ort besichtigen, wo 14 Mitglieder einer Familie während des blutigen Konflikts im November in ihrem Haus durch eine israelische Rakete getötet worden waren.

(dpa/abendblatt.de)
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