Aktivistin Susana Chavez ermordet

Mehr als 15.000 Tote im Drogenkrieg in Mexiko 2010

Foto: dpa

Seit Beginn der von Präsident Felipe Calderón ausgerufenen Offensive gegen die Drogenkartelle fielen der Gewalt 34.612 Menschen zum Opfer.

Mexiko-Stadt. Der Drogenkrieg in Mexiko hat im vergangenen Jahr mit mehr als 15.000 Toten einen blutigen Höhepunkt erreicht. Seit Beginn der von Präsident Felipe Calderón ausgerufenen Offensive gegen die Drogenkartelle vor vier Jahren fielen der Gewalt insgesamt 34.612 Menschen zum Opfer. 2010 sei "ein Jahr extremer Gewalt" gewesen, sagte Calderón. Im neuen Jahr wurde die prominente Aktivistin und Künstlerin Susana Chavez, die sich für die zahlreichen in den vergangenen Jahren in der Grenzstadt Juarez ermordeten Frauen eingesetzt hatte, selbst Opfer eines Verbrechens. Die verstümmelte Leiche der 36-Jährigen wurde schon in der vergangenen Woche auf einer Straße in Juarez gefunden, konnte aber erst am Dienstag identifiziert werden, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Drei Verdächtige waren in Haft. Die Tat wurde von internationalen und mexikanischen Menschenrechtsorganisationen verurteilt.

Laut Polizei hatten drei Jugendliche Chavez eingeladen, mit ihnen etwas zu trinken. Bei einem Streit hätten sie sie dann umgebracht. Die drei gehörten der örtlichen Drogenbande Azteca an. Juarez an der Grenze zum US-Staat Texas gilt inzwischen als eine der weltweit gefährlichsten Städte. Allein im vergangenen Jahr gab es dort mehr als 3.000 Morde. Da sind die mehr als hundert Morde an Frauen und Mädchen, die es seit 1993 und damit schon vor Beginn des Drogenkrieges in der Stadt gab und für deren Aufklärung Chavez sich eingesetzt hatte, fast nur noch eine Randnotiz. Die überwiegende Mehrheit der Verbrechen sind bis heute nicht aufgeklärt.

Regierungssprecher Alejandro Poire sagte bei der Präsentation der Statistik am Mittwoch, die Zahl der Toten sei von 2009 auf 2010 um rund 60 Prozent von 9.616 auf 15.273 gestiegen. Besonders im ersten Halbjahr 2010 habe die Gewalt zugenommen , bevor sie sich zur Jahresmitte hin stabilisiert habe und zum Jahresende wieder leicht gesunken sei. Viele der Todesfälle seien auf Kämpfe der Kartelle untereinander zurückzuführen, sagte Calderón. 2010 sei dies vor allem die Auseinandersetzung zwischen dem Zeta-Kartell und seinem früheren Verbündeten, dem Golf-Kartell, gewesen. Die Hälfte der Toten habe es dabei in nur drei der insgesamt 32 Staaten Mexikos gegeben: Chihuahua, Sinaloa and Tamaulipas, die im Norden des Landes liegen.

Das Verteidigungsministerium teilte am Mittwoch mit, dass Soldaten am Wochenende in Tijuana Rigoberto Andrade Renteria gefasst haben, einen der Führer des Kartells La Familia. Bei ihm wurden 27 Kilogramm Methamphetamine gefunden. Die Regierung hatte fünf Millionen Pesos (320.000 Euro) für Informationen zu seiner Ergreifung ausgesetzt.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.